Eigene oder adoptierte Kinder

Ein Thema, welches nicht einfach ist.

So egoistisch es klingt (ich sage damit nicht, dass es egoistisch ist!), ich würde so lange ich selbst Kinder bekommen kann, keines adoptieren. Ich ziehe meinen Hut vor denen, die Kinder adoptieren, welchen es nicht vergönnt ist leibliche Eltern zu haben. Ob es nun ein Kind aus dem Ausland ist oder ein heimisches Kind spielt im ersten Moment dabei nur eine untergeordnete Rolle. Viele greifen auf Kinder im Ausland zurück, weil sie im Heimatland keines bekommen können, schaut doch nur auf den früheren Bundeskanzler. Manche entscheiden sich auch speziell für eine Auslandadoption, weil sie der Meinung sind, dass die Kinder in der Dritten Welt eher die Hilfe benötigen.
Sicher ist jedoch, dass ein ausländisches Kind mit viel stärkeren Problemen kämpfen muss. Sieht es doch beim ersten Blick in den Spiegel dass Mama und Papa anders aussehen. (In meinen Augen suchen Kinder in einem bestimmten Alter nach Ähnlichkeiten mit den Eltern, sowohl im Wesen als auch im Aussehen.) Dabei meine ich nicht die Hautfarbe sondern oft reicht schon die Haarfarbe. Die Eltern sind vielleicht blond und das Kind schwarzhaarig. (Was auch bei Kindern aus dem Inland sein kann und es somit zu einem grundsätzlichem Problem bei Adoptionen macht.) Gerade Kinder können schrecklich sein und der Kindergarten und die Grundschule wird zur Qual. Auch die Vorurteile anderer sind gleich doppelt hoch. Bewunderung verdienen jene, die trotz aller Negativaspekte den Schritt wagen. Sicherlich sind alle Probleme überwindbar. Es gibt auch Probleme die einen treffen können, wo es keine Rolle spielt, ob adoptiertes Kind oder nicht z.B. wenn eines der Kinder auf die schiefe Bahn kommt. Man kann natrlich nicht alles von Anfang an planen, jedoch sollte man sich über diese Dinge im Klaren sein. Man sollte wissen, was auf einen Zukommen kann und ob man aus den richtigen Gründen ein Kind egal ob adoptiert oder eigenes will. Man sollte wissen, ob man genug lieben kann um alles zu ertragen und durchzustehen. Bix spricht in ihrem Beitrag Patchwork Familien an. Diese sind ein ganz anderes Thema, hat doch jedes Kind entweder eine eigene Mutter oder einen eigenen Vater oder sogar beides, jedoch nicht in einer einzigen zusammenlebenden Familie. Die Gefühle der Kinder dort sind wieder andere.

Ich würde mich zuerst im Heimatland um ein Kind bemühen. Auch wenn die Kinder im Ausland oft schlechtere medizinische Versorgung haben, leidet die Seele der elternlosen Kinder im eigenen Land doch genauso. Die Frage: „Welches Kind leidet mehr — Das Kind welches ein Spielzeugauto hatte und dem es weggenommen wurde oder das Kind welches nie eines solches besessen hat und nicht mal weiß was es ist?“, wäre dabei für mich ausschlaggebend. Dabei würde ich versuchen diese Antwort allein aus den Augen des Kindes zu betrachten. Ein 7jähriges Kind welches beide Eltern verlor und sich im Heim wiederfindet, weil es keine weiteren Verwandten gibt leidet in einem Umfang, den ich nicht in Worten erfassen kann. Ein Kind, welches in Afrika das Wort Familie und Liebe nie kennenlernte, sondern nur die Gefühle Hunger und Durst kennt, leidet ebenso in einem Ausmass, welches sich ein Europäer nicht vorstellen kann. Ein weinendes Kind ist ein weinendes Kind egal ob in Afrika, Amerika oder Europa. Alle Kinder haben in meinen Augen ein Anrecht auf eine Familie und Liebe. Jeder muss diese Frage für sich selbst abwiegen und sich entscheiden. Ich, für meinen Teil würde, allein schon weil es eben nicht alle so sehen, ein Kind aus dem Inland adoptieren.

Macht man die „Auswahl“ des Kindes in einem Vergleich fest, indem beide Kinder krank wären, so muss man sich für das Kind aus dem Ausland entscheiden. Da spielt die Frage der Versorgungsmöglichkeiten eine große Rolle. Aus Mitleid und weil man weiß, dass sonst keiner hilft, nimmt man das kranke ausländische Kind sofort, dem Kind in Europa wird auch ohne Eltern geholfen. Wenn ich mir ein Kind wünsche, weil ich eine Familie sein möchte, weil ich alt werden möchte und mein Kind mir vielleicht später Enkel schenkt, dann würde ich wohl kein Kind aufnehmen, welches zum Beispiel eine unheilbare Krankheit hat und einem bekannt ist, dass es nur noch 3 Jahre lebt. Klingt hart oder? Ich bin nicht dazu geschaffen mich 3 Jahre auf ein Kind einzulassen, mit dem Wissen dass ich es verlieren werde. Ich würde daran zu Grunde gehen. Bin ich einfach zu schwach oder liebe ich zu sehr? Ich weiß es nicht, vielleicht beides, aber ich würde daran kaputt gehen. Man hielt mir daraufhin vor, was ich tun würde, wenn ich ein totgeweihtes Kind gebären würde, ob ich das auch sofort weggeben oder gar vorher abtreiben lassen würde. Mir ist es zwar verständlich, wie jemand darauf kommt, aber dennoch finde ich es überhaupt nichts passend. Sind die Umstände doch vollkommen andere. Ein Kind, welches ich zeuge und gebäre, ist Schicksal. Vorher traff ich die Wahl, dass ich ein leibliches Kind haben möchte und das was danach geschieht liegt nicht in meiner Hand. Sicherlich wünscht siche jede Mutter ein gesundes Kind, wer etwas anderes behauptet lügt. In meinem Beispiel bezüglich der Adoption habe ich eine Wahl. Sicherlich, wie ich bereits schrieb, klingt es hart, dass ich mir ein gesundes Kind dann aussuchen w�ürde, wenn ich später auch mal Enkel haben will, aber es ist ehrlich. Sicherlich wenn man genügend Geld hat und die Kraft besitzt, kann man alle 3 Jahre ein totkrankes Kind aufnehmen um dem Kind eine schöne restliche Lebenszeit zu ermöglichen, doch ich habe dazu kein Geld und leider auch nicht die Kraft. Und dennoch wünsche ich mir, dass es solche Menschen gibt, die es können.

Und mal eine ganz banale These:
Viele sagen: „In Afrika haben die Kinder ohne Adoption keine Chance.“ Recht haben sie. Aber woher will ich wissen, dass das Kind was ich im Inland adoptiere nicht vielleicht von einem Auto überfahren worden wäre, hätte ich es nicht adoptiert. Sicher die Chancen sind gering, aber ich kann nicht in die Zukunft sehen. In meinen Augen muss es Menschen geben, die in Afrika ein Kind adoptieren, aber es muss auch Menschen geben, die europäische Kinder adoptieren. Egal wo ein Kind in einem Heim sitzt, es hat in meinen Augen einen Anspruch auf eine Familie und Liebe.

Relevant wäre für mich übrigens auch die Frage, wie das eventuell vorhandene eigene leibliche Kind damit umgehen wird, wenn man ein weiteres Kind hinzuadoptiert oder auch der Gedanke ob das adoptierte Kind eifersüchtig auf das leibliche sein könnte. Dabei spielt auch das Alter des leiblichen Kindes eine Rolle. Bei einem kleinen Kind ist das alles noch leicht zu regeln und handhaben, aber bei älteren Kindern meist bei Beginn der Pupertät wird es oft schwieriger. Alles Dinge die berücksichtigt werden wollen. Als nächstes würde sich mich fragen, welches Alter soll das adoptierte Kind haben? Säuglinge würde ich den Paaren vorbehalten, die keine Kinder bekommen können, gerade diese sollen doch wenigstens die Freude an einem Säugling geniessen können. Säuglinge sind meist weniger in Heimen als etwas ältere Kinder. Die Vermittlung von Säuglingen geht fast immer problemlos. ältere Kinder sitzen oft sogar bis zur Volljährigkeit in Heimen fest. 2 meiner Bekannten haben mir von ihrem Leben im Heim erzählt. Das Gefühl wenn wieder ein Kleinkind vermittelt wurde und man selbst musste bleiben war schrecklich. Nach wenigen Jahren schon war Hoffnungslosigkeit das Wort bezüglich einer Familie.

Wenn man Kindern helfen möchte (und deswegen an Adoption denkt), so wrde ich, wenn ich den Platz und die Mittel hätte, eher als Pflegefamilie helfen wollen. Man könnte nicht nur einem Kind helfen sondern wirklich etwas verändern. Manchmal sind es gerade die kleinen Dinge, die den Weg eines Menschen komplett verändern können. Diese Kinder sind manchmal Jahre bei einer Pflegefamilie und manchmal nur Wochen oder wenige Monate. Auf diese Kinder dürfte ich mich nur kurze Zeit einlassen und müsste sie dann wieder ihres Weges ziehen lassen. Es täte mir auch weh, aber ich wüßte, sie werden weiterleben und ihren Weg gehen. Damit könnte ich umgehen.

Ein Kind zu adoptieren und ein Kind zu bekommen sind in meinen Augen beides gleichwertige Aufgaben. Bei beiden Wegen ist die Aufgabe groß! Wenn jemand ein Kind adoptiert und großzieht verdient derjenige nicht mehr Anerkennung als wenn jemand ein eigenes Kind bekommt. Ich bewundere jedoch die Menschen, die ein Kind adoptieren bei dem die Schwierigkeiten am Höchsten sind, die sich der Kindern annehmen, denen eine schlechte Zukunftsprognose gestellt wurde. Und noch mehr bewundere ich die Pflegefamilien, die sich gleich in unbegrenzter Zahl den Schwierigkeiten stellen. Egal wie jemand anderen Menschen hilft, die Hilfe ist etwas ehrhaftes und jede kleine Hilfe ist besser als keine!

Für mich kommt als Antwort auf die Frage, eigenes oder adoptiertes Kind, nur die Antwort: eigenes in Frage. Ein eigenes, weil meine Gene weitervererbt werden. Ein Teil von mir wird dadurch vielleicht in tausend Jahren noch existieren. Ich darf durch ein eigenes Kind die Qualen und die Freude der Schwangerschaft kennenlernen und es wird sich mir dadurch eine ganz neue Emotionsebene eröffnen. Ein eigenes auch, weil ich einfach neugierig bin wie ein Mensch aussieht, welcher aus den Genen von meinem Partner und mir gemixt ist. Bekommt es meine Nase (hoffentlich *gg*) oder seine Augenfarbe?

Sollte ich keine eigenen Kinder bekommen knnen, würde ich zuerst versuchen ein inländisches Kind zu adoptieren. Ob ich laut Vater Staat eines bekäme, ist natürlich die Frage. Und erst danach würde ich mich für eine Auslandsadoption interessieren. Ist es doch auch eine Kostenfrage und für mich als nicht 100% gesunder Mensch eine Frage der Möglichkeit.

Nachträgliche Anmerkung:

Bitte achtet darauf, dass ich hier nur meine Ansicht darlege, wie ich es machen würde oder sehe. Ebenso sind manche Dinge nur symbolisch gemeint wie z.b. dass das Spielzeugauto für Familie steht. Man muss manchmal bei mir ein wenig zwischen den Zeilen lesen. Ebenso versuche ich nur darzulegen, dass egal woher das adoptierte Kind stammt, es schwer sein kann und es nicht am Herkunftsland liegt. Auch will ich nur deutlich machen, dass wenn man anderen helfen möchte, dies nicht nur durch eine Adoption möglich ist.

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