Toleranz und Vorurteile

Toleranz – was ist das – wo sollte sie sein? Wo zeigt sie sich?

Mit meiner Mutter hatte ich ein sehr interessantes Gespräch. Ich erzählte ihr, dass jemand meinte, meine Eltern hätten in meiner Erziehung grobe Fehler begangen und dass ich wohl deswegen nen Knacks weg hätte. Wieso es zu dieser Aussage kam, ist hier unwichtig. Meine Mutter war erst erstaunt und musste dann lachen, denn ihr ist es genauso unbegreiflich wie mir, wie jemand das behaupten kann, der nicht ich ist. Nach dem Telefonat musste ich noch ein wenig darüber nachdenken und liess die Gedanken einfach mal rumwandern. Irgendwann kam ich dadurch auf den Gedanken was Toleranz ist und sinierte darüber ein wenig nach.

Die meisten Menschen predigen, dass man tolerant sein soll. Fragt man jemanden: „Bist Du tolerant?“, lautet die Antwort zu 99% „Ja sicher“. Aber wenn es auf Toleranz ankommt, da fehlt sie oft gänzlich. Statt sie zu zeigen und bei Unverständnis nachzufragen und andere Ansichten zu akzeptieren, ohne eine Wertung abzugeben, wird hineininterpretiert und eine Art Vorurteilbild erschaffen in welches der Gegenüber hineingepresst wird.

Toleranz gegenüber anderen Lebensweisen sollte akzeptiert werden, so lange niemand geschädigt wird. Sicherlich ist eine gesunde Intoleranz wichtig gegenüber Straftaten, Mißbrauch und all die weiteren Dinge. Das sollte eigentlich jedem klar sein, welcher gesunden Menschenverstand hat. Von diesem Dingen will ich hier auch gar nicht sprechen.

Wenn mir jemand erzählt, er hat in seinem gesamten Leben noch nie Schuhe getragen, weil er sich damit unwohl fühlt, dann akzeptiere ist es. Ich verurteile denjenigen nicht dafür, vor allem nicht, wenn er mir erzählt, wie gut es ihm mit dieser Entscheidung gegangen ist. Wieso sollte man so etwas auch nicht tolerieren? Wer nun „Wegen Fußpilz“ schreit, der hat zumindest für die kurze Zeit recht *grins* Aber selbst dann mssen es nicht Schuhe sein, es könnten ja auch 5 Plastiktüten übereinander sein, nicht sonderlich hautfreundlich, aber es würde gehen. *gg* Aber ich muss es diesem Menschen auch nicht gleich tun. Ich für mich habe ein Leben mit Schuhen (aber ohne hochhackige *gg*) gewählt und der Barfuss-Mensch akzeptiert das auch ohne mich deswegen zu beleidigen oder den Kopf über mich zu schütteln.

Wenn jemand A mag und ich B, dann ist sowas doch vollkommen in Ordnung. Ich weiß nicht, wieso mich öfters Menschen überreden wollen auch A zu mögen. Nur weil ich B mag, heißt es doch nicht, dass ich A verteufel.

Wenn ich keine Kinder will, bin ich deswegen ein schlechterer Mensch als wenn ich Kinder will? Ich denke nicht. Wieso wird dann jedoch die Nase gerümpft, wenn jemand keine Kinder will?

Wenn ich kein Organspender bin, weil ich nicht aufgeschnitten werden möchte, bin ich dann ein schlechterer Mensch als ein Organspender? Ich denke nicht, denn jeder sollte das Recht besitzen über seinen Körper bestimmen zu dürfen.

Wieso fehlt es bei solchen Dingen oft an Toleranz? Die Toleranz im Altag, die Toleranz bei kleinen Dingen, die Toleranz die manchmal nur in einem Sekundenbruchteil vorhanden sein sollte, die fehlt leider oft.

An was es jedoch nie fehlt, das sind die Vorurteile. Wenn ich jemanden erzähle, dass ich gern FKK mach, oh weh, so manche Reaktion hätte ins Fernsehen gehört. Es ist den Leuten nicht begreiflich zu machen, dass nicht alle die FKK mögen, am Liebsten eine Klamottenfreie Welt gern hätten. Ich mache gern FKK im Urlaub oder am See. Und daheim lauf ich gern im Sommer oben ohne rum. Was ist daran schlimm? Meine Eltern mögen FKK, meine Großeltern sind jedes Jahr mit in den FKK Urlaub gefahren und? Ist das etwas schlimmes? Ich kriege dann immer zu hören: Oh weh, ne das wär mir peinlich. Hab meine Eltern nie nackt gesehen. Männer können da doch nur auf dem Bauch liegen oder? Na das ist bestimmt geil mit den heißen Bräuten.. Das wär mir zu unhygienisch. Wieviele Kerle hast da schon flach gelegt. Und nun der beste Spruch: Wie kannst Du nur?….

All so ne Sprüche, die davon zeugen, dass man Vorurteile hat und sich mit dem Thema bisher nicht befasst hat. Ich versteh sogar wenn es jemandem peinlich ist, das akzeptier ich. Es muss ja auch niemand FKK machen, der nicht will. Aber wieso wird dann angenommen, dass FKKler z.B. nur FKK machen um zu Glotzen oder um was zum Poppen zu finden? Das ist totaler Schwachsinn. Sicher gibt es Fanatiker und Leute die Nacktheit als Fetish haben, aber das ist doch nur ein Bruchteil der Fkkler und dennoch ist deren Bild das Vorherschende.

Angenehm sind dagegen die Menschen, die ehrlich zugeben, dass sie keine Ahnung haben und dann lieb einen darüber ausfragen ohne einen spüren zu lassen, wie unnormal man wäre, weil man im Sommer gern FKK macht. Das nenn ich wirklich Toleranz.

Oder nehmen wir das Thema Swingen. Das Vorurteil der Menschen: Die lieben sich nicht. Die wollen nur Rudel****. Die wissen nicht was Liebe ist. Das ist ekelhaft. Die haben Geschlechtskrankheiten. Wär ich die Frau, würd ich mich so nicht behandeln lassen. Die wollen keinen Verkehr mit ihrem Partner sondern suchen sich das bei anderen und zwar jeden Monat 3589 Mal. Die denken nur an das eine.

Die Tatsachen sehen völlig anders aus. Um ein paar Beispiele zu nennen: Viele gehen in Clubs um nur zuzusehen. Viele gehen nur zum Essen und quatschen hin. Manche wollen vielleicht sogar nur gesehen werden, weil es ihnen den Kick gibt. Viele nehmen es als eine Bereichung ihres Sexuallebens. Und ehrlich gesagt, wissen gerade diese Menschen, was wahre Liebe ist. Eine Swingerin wird wohl kaum ihrem Mann bös sein, wenn er einer anderen Frau nachguckt. Soll er doch, er ist mit ihr verheiratet und nicht mit der anderen Frau. Wahrscheinlich guckt die Swingerin sich sogar die selbe Frau bewundernd an und zeigt eventuell noch ihrem Mann das hbsche Figürchen. Das nennt man wohl Selbstsicherheit. Aber ich komm vom Thema ab.

Dennoch wird beim Thema Swinger mit Intoleranz reagiert, wenn jemand öffentlich sagt, dass er so lebt und wird mit der vollen Breitseite der Vorurteile konfrontiert. Das ist mir unbegeiflich. Ich verurteile doch auch niemanden, weil er nur einen Partner im Bett hatte und monogam lebt.

Denkt einfach mal daüber nach, das Abweichungen von der Norm nichts Schlechtes sein müssen und dass diese Menschen Euch auch nicht dazu umpolen wollen, genauso zu leben wie Ihr.

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