Nächtlicher Putzteufel und Erinnerungen

Es ist eigentlich noch ein wenig früh für den Frühjahrsputz aber dennoch scheint sich bei mir einiges angestaut zu haben. Nach dem Tod meines Vaters liess ich alles ein wenig schleifen, zumindest was meinen Haushalt anging. Ich konnte mich nicht aufraffen. Die letzten 2 Nächte habe ich nun einiges nachgeholt. Papiere und Dokumente ein und aussortiert, Schränke umgeräumt, Bügelwäsche endlich weggeschafft und und und. Die Anfälle ereilen mich nur nachts, wenn ich eh wieder nicht schlafen kann. Auf der einen Seite ist es nervig nachts nicht schlafen zu können. Meist finde ich gegen 6 Uhr morgens Schlaf. Man verpennt dann den halben vormittag dadurch. Auf der anderen Seite hat man nachts mal seine Ruhe. Kein Telefon, keine Türklingel, nix. Einfach Ruhe.

Meine Schmerzen sind momentan wieder auf einen Höchststand. Dazu noch Gedanken, die mich innerlich bewegen, das ist alles nicht soooo fein.

Es ist immernoch merkwürdig. Vor 2 Monaten starb mein Dad. Ich erwarte immernoch oft, dass er auf seinem Bett sitzt, dass einer von oben einfach ruft. Mir fehlen seine dummen Sprüche mit denen er gern Andere auf den Arm nahm. Es fehlt mir vormittags einfach nach oben zu gehen, mich zu ihm ins Schlafzimmer aufs Bett zu setzen und mit ihm zu reden. Dabei mit den Hunden zu spielen und einfach beisammen zu sein. Ich kann es oft nicht wirklich glauben, dass ich ihn nie wiedersehe, nie wieder mit ihm sprechen kann. Es macht mich traurig, dass mein Dad nicht Opa sein durfte. Er wäre so ein verdammt guter Opa geworden. Er liebte Kinder über alles. Er brachte gerade kleine Kinder so zwischen 1 1/2 und 5 immer zum lachen und verzauberte sie irgendwie immer. Ob die eigenen Kinder oder von Freunden und Bekannten. Er wäre mit Leib und Seele Opa gewesen. Gerade bei der Kindererziehung wird mir später sein Rat sehr fehlen. Er wünschte mir immer ein Kind, was genauso würde wie ich war. Dann hätte ich mal richtig was zu tun. Er wollte mich damit aufziehen. Dabei war ich ein sehr umgängliches Kind, also darf sein Wunsch gern wahr werden. :)

Wäre er jetzt noch am Leben, ich würde vermutlich genau jetzt um kurz vor 3 Uhr morgens bei ihm oben im Treppenhaus sitzen während er eine rauchen würde. Leider hatte er kurz vor seinem Tode damit wieder angefangen. :( Wir hätten genau jetzt zusammen im Dunkeln gesessen und geredet. Egal wie kalt es im Treppenhaus gewesen wäre. In der Wohnung wurde nicht geraucht deswegen hätten wir draußen gesessen. Einzig die Lampe im Flur hätte einen kleinen Lichtstrahl geworfen. Vielleicht wäre Blacky sogar zu uns gekommen und hätte sich unter einem der Stühle zusammen gerollt. Und Susi hätte sich auf die Decke in der einen Ecke gelegt und weiter geschlummert. So wie es schon so viele Male in den Nächten zwischen August und November stattfand. Bei jedem Gang zur Toilette lauschte ich nach oben ob da jemand saß. Hörte ich ihn, ging ich zu ihm.

Aber es muss weitergehen und das tut es auch. Das Leben hat sich doch sehr stark verändert. Mein Bruder ist ausgezogen, mein Opa tot, mein Vater tot. Das Haus wurde in den letzten 5 Jahren sehr leer. Durch den Verlust meines Dads ist mir innerlich etwas weggebrochen. Ich fühle eine Leere. Man hat uns einen wichtigen Teil genommen.

Blacky und Susi sind momentan oft bei mir. Vor allem Abends lässt meine Ma die 2 bei uns. Sie können dann mit uns spielen, toben und kuscheln. Meine Ma hat momentan noch nicht die Kraft wieder richtig mit den Hunden zu spielen und hat auch in ihrer Wohnung noch viel zu tun. Sie holt momentan alle haushaltlichen Pflichten nach, welche in den letzten 2 Jahren liegen geblieben sind wo mein Vater schon eine recht zeitintensive Betreuung brauchte. Ich bin öfters bei meiner Ma oben. Hin und wieder esse ich oben oder sie hier unten bei mir. Wir bereden viel vor allem wegen der Formalitäten, Versicherungen und was so momentan alles wichtig ist. Meine Oma ist momentan klapprig auf den Beinen. Ihr wurde schon mehrfach schwindelig und ist deswegen auch schon umgefallen. Erst heute hatte es sie wieder hingelegt. Ich schickte sie sofort zum Arzt. Krankenwagen wäre übertrieben gewesen, hätte sie eh nie gemacht…. Morgen muss sie zum Doc und lässt sich Blut abnehmen. Ich mag ihre Ärztin nicht wirklich, die ist mir zu oberflächlich. Ich hoff dann dennoch mal das Beste. Sie sah nur heute sehr blass aus und klagt hin und wieder darüber dass sie kaputt sei und auch über Schmerzen mal hier mal dort. Sie übernimmt sich aber auch immer und lässt sich nichts sagen. Ihr Lieblingsspruch momentan ist: „Kann ich doch machen wie ich will“ Ich könnte jedes Mal aus der Haut fahren wenn ich diesen Spruch höre. Er hängt mir aus den Ohren raus…. Immerhin sagt sie jetzt oft nur noch: „Kann ich doch…“ und verkneift sich den Rest weil ich ihr nun schon 100 Mal sagte, sie soll diesen Spruch lassen.

Wie man sieht, das Leben geht weiter. Irgendwie jedenfalls. Ich frage mich ob ich eines Tages ohne Tränen in den Augen über meinen Dad sprechen/schreiben kann.

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