Rechtsschutzversicherung – sinnvoll oder nicht?

Ein altes Bild von mir ^^ Wie einige von Euch vielleicht wissen bin ich gelernte Versicherungskauffrau. Davon hat man jedoch hier im Blog bisher wenig gemerkt. Da ich erst gestern wieder mit jemandem ein Gespräch über sinnvolle oder unsinnige Versicherungen geführt habe, sah ich wieder einmal wie sinnvoll es sein kann sich da auch mal unterschiedliche Meinungen einzuholen.

Bei Vermittlern und Maklern hat man als Kunde sicherlich immer irgendwo im Hinterkopf dass diese “nur” Geld verdienen wollen. Und sicherlich gibt es auch einige Vermittler, die einem alles aufschwatzen nur um etwas zu verkaufen. Aber auch viele machen einen guten Job und beraten bedarfsorientiert. Und genau so soll es ja auch sein.

Und so werde ich hier im Blog zu einigen Versicherungen – nach und nach nicht alles auf einmal :) – mal meine persönliche Meinung veröffentlichen. Anfangen möchte heute mit der Rechtschutzversicherung.

Zu allererst: Der Idealfall einer jeden Versicherung für Schadensfälle (sowas wie Hausrat, Haftflicht, Autoversicherung und auch Rechtschutz) ist dass man über Jahre – teils ein ganzes Leben – Jahr für Jahr oder Monat für Monat Beiträge für die Versicherung bezahlt ohne sie je zu brauchen. Paradox? Was will man mit einer Versicherung wenn die nix bringt? STOP. Da ist der Denkfehler!

2013-10-21 20.02.32Betrachten wir es genauer:

Man bezahlt und bezahlt und genießt die Gewissheit, dass man geschützt ist WENN man es braucht. Hat man es jahrelang nicht gebraucht schreien viele auf, dass die Versicherung ja umsonst war und man nur Kohle vergeudet hat. Aber dem ist so nicht. Man hatte jahrelang Gewissheit im Fall der Fälle Sicherheit und Schutz zu haben!!!!!! Allein das ist schon den Monatsbeitrag wert!

Und wieso ist es der Idealfall wenn man immer bezahlt und nie was rausbekommt? Na ist doch einfach: Man hatte keinen Schaden! Man ist immer glücklich und ohne Beschädigung durchs Leben gekommen. Tun die wenigsten Menschen aber wenn es so ist wäre es der Idealfall.

Das Leben jedoch zeigt: So ist es fast nie. Und dafür gibt es Versicherungen.

So nun aber mal zum eigentlichen Thema von heute:

Rechtsschutzversicherung – sinnvoll oder nicht?

Die Rechtsschutzversicherung gehört mittlerweile für viele Menschen zu einer der notwendigen Versicherungen. Ist sie aber wirklich für jeden sinnvoll?

Was leistet die Rechtsschutzversicherung:

Die Rechtsschutzversicherung kommt für die anfallenden Gerichts- und/oder Anwaltskosten auf, die ein Streitverfahren nach sich zieht. Ebenso bietet sie anwaltliche Beratung.

Es gibt aber nicht nur “die” Rechtschutz. Die Gebiete der Rechtschutz sind breit gefächert, so gliedert sie sich zum Beispiel auf in Verkehrsrechtsschutz, Arbeitsrechtsschutz oder auch Wohnungs- und Grundstücksrechtsschutz. Welche Form der Rechtsschutzversicherung für den Einzelnen sinnvoll und ratsam ist, ist sehr individuell und sollte mit dem persönlichen Berater im Detail erörtert werden. Es wäre so zum Beispiel recht sinnlos einer berufsunfähigen Rentnerin wie mir eine Arbeitsrechtzuschutz zu empfehlen. Ich jedoch habe eine aber nicht für mich sondern für meinen Mann. Da wir als Paar eine Familienversicherung haben gilt so die Arbeitstrechtschutz für uns beide. Aber nicht nur diese nennen wir unser eigen. Wir nahmen für uns das große Paket wie ich es so gern nenne. Und wir brauchten es auch schon häufiger.

So stand René 2003 eines Tages morgens vor der Firma in welcher er angestellt war und kam nicht rein. Es öffnete niemand die Tür. Er fuhr nach 30 Minuten wieder nach hause. Er hatte währenddessen rumtelefoniert aber erfuhr nix. Später hieß es die Firma sei pleite. Ja was nun? Wie verhalten? Wir riefen unsere Rechtschutzversicherung an und bekamen sofort eine Schadennummer zugeteilt mit welcher wir bei einem Anwalt vorstellig werden konnten. Dort wurden wir beraten wie wir uns zu verhalten haben. René musste die nächsten Tage jeden Morgen pünktlich zu Arbeitsbeginn 30 Minuten vor der Firma sein damit er seinen Anspruch auf Lohn nicht verlor. Dann musste er zum Arbeitsamt und musste Übergangsgeld beantragen. Die Krankenkasse musste abgeklärt werden denn nach 4 Wochen ohne Gehalt wäre er ohne Krankenversicherung gewesen. Das muss man sich mal vorstellen. Jemand hat dann einen Unfall und liegt im Krankenhaus und er hätte keine Krankenversicherung! Der Anwalt half uns dann Renés Gehaltsansprüche gegenüber dem Insolvenzverwalter anzuzeigen und wir bekamen dann auch Insolvenzgeld vom Arbeitsamt. Ohne den Anwalt und das Beratungsgespräch hätten wir bestimmt nicht so “leicht” diese Hürden nehmen können. Wir hätten vermutlich nicht mal gewusst wie wo was zu machen gewesen wäre.

Oder wie es mir mit den Bücher passierte wo mich jemand bei einem Onlinekauf versuchte übern Tisch zu ziehen. Das selbe ist mir auch schon mal bei einem Kauf bei Ebay passiert. Jemand verkaufte einen Prozessor mit Lüfter als neu und es kam dann per Post ein gebrauchter Prozessor mit verbogenen Pins. Der Verkäufer verweigerte den Kauf rückabzuwickeln. Wir gingen zum Anwalt und dieser schrieb dem Verkäufer die Rechtslage und wir bekamen unser Geld PLUS die Mehrkosten für den dann woanders gekauften Prozessor vom Verkäufer erstattet. Ohne Anwalt hätte sich der Verkäufer einfach tot gestellt….
Oder momentan der Fall mit meiner Vollnarkose wo die gesetzliche Krankenversicherung sich weigert die Kosten zu übernehmen. Die Klage läuft…. Ohne Rechtschutz hätte ich nicht die Mittel gehabt mich da für mein Recht stark zu machen.

Und dann ist da noch die Verkehrsrechtschutz. Mein Fahrlehrer hatte es uns Fahrschülern schon vor 12 Jahren sehr einleuchtend erklärt:

Kreuzung ohne Schilder. Blaues Auto mit Rechtschutzversicherung fährt auf die Kreuzung und von rechts kommt ein rotes Auto ohne Rechtschutzversicherung. Die Autos knutschen sich mitten auf der Kreuzung. Wer hat Schuld?
Der Fahrer ohne die Rechtschutzversicherung……….

Wieso? Na weil dieser sich bei der Verhandlung keinen Anwalt leisten konnte. :lol:

Etwas überspitzt aber definitiv treffend.

Viele wehren sich auch nicht auch wenn es ihr recht ist weil man ja nie weiß ob man nicht eventuell doch verlieren könnte und auf den teuren Kosten sitzen bleibt. Mir gibt meine Rechtschutzversicherung die Sicherheit für mein Recht kämpfen zu können und vor allem mich auch mal kostenlos beraten lassen zu können.

Aber bei welchem Anbieter sollte man die Rechtschutzversicherung abschließen?

Letztlich sollte man sich dann für das beste Angebot und nicht für das billigste entscheiden. Und sicherlich haben gute, ausreichende und weitreichende Leistungen des Versicherungsanbieters im Schadensfall auch ihren Preis, deshalb kann ein guter Rechtsschutzversicherung Vergleich vor dem Abschluss im Endeffekt bares Geld sparen. Denn nichts ist wohl schlimmer, wenn man jahrelang die Beiträge zur Rechtsschutzversicherung gezahlt hat, und sich dann im Schadensfall herausstellt, dass dieses Risiko gar nicht mit abgedeckt war und die Versicherung nicht aufkommt. Damit sowas gar nicht erst passiert: Gründlich über die Leistungen informieren und den Vertrag abschließen der einem das beste für den eigenen Bedarf bietet!

Fazit: Ist die Rechtschutzversicherung sinnvoll oder nicht?

Wer genug Geld hat um große Gerichtsverfahren durch mehrere Instanzen bezahlen zu können, braucht sie sicherlich nicht aber vermutlich hat genau derjenige sie dann. Für Autofahrer definitiv  empfehlenswert. Für Familien allgemein ist es beruhigend wenn man sie hat. Die wichtigste Versicherung von allen ist sie allerdings nicht. Wer Geld übrig hat und ein sicheres Gefühl von Rückhalt haben möchte, dem ist sie ans Herz zu legen. Ich möchte nicht auf sie verzichten eben weil ich sie schon häufiger gebraucht habe.

5 thoughts on “Rechtsschutzversicherung – sinnvoll oder nicht?

  1. Danke für Deine Ausführungen!

    Wie schaut’s den inzwischen mit Rechtsschutz bei dem ganzen Online-Kram aus (Stichwort: kostenpflichtige Abmahnungen)?

  2. Mir ist keine Rechtschutzversicherung für sowas bekannt. Ich glaube auch nicht, dass es dafür je eine Rechtschutz geben wird und selbst wenn wäre sie wohl doch sehr kostspielig. Die Kosten die bei sowas auflaufen können sind einfach nicht kalkulierbar. Das Risiko für die Versicherung viel zu hoch. Das würde dann auch kein normaler Kunde bezahlen können.

    Man muss dabei auch bedenken, dass wenn es so eine Versicherung gäbe, sich viele Kunden darauf ausruhen würden oder sogar mit vertuschter Absicht manches machen würden. Man bedenke nur mal die Konsequenzen.

  3. Okay, dann kommt eine Rechtsschutzversicherung für mich derzeit nicht in Frage. In arbeitsrechtlichen Fragen bin ich über die Gewerkschaft abgesichert.

    Der 1. Teil zeigt aber sehr deutlich, daß im Onlinebereich immer noch sehr viel juristischer Wildwuchs vorherrscht – i.d.R. zum Nachteil der meisten Anwender.
    Die auf dem 2.0-Auge blinde Legilslative hat noch viel zu tun…

    Den 2. Teil Deiner Antwort kann ich so nicht nachvollziehen; Versicherungsbetrug gibt es in allen Bereichen und fast so alte wie Versicherungen selbst. Das Besipiel Toyota hat das gestern erst wieder sehr deutlich gezeigt. Deshalb ist das für mich kein stichhaltiges Argument.

  4. Ja es gibt im rechtlichem vieles was nicht einfach ist. Egal ob Web oder nicht Web. Für den normalen Durchschnittsbürger ist da fast kein Durchblick zu bekommen.

    Sicherlich gibt es viele die Versicherungen betrügen aber deswegen ist es nicht gesellschaftsfähig oder gar duldbar oder einfach hinnehmbar.

    Überlege mal es gäbe eine Versicherung, die Dich vor Schadensersatzansprüchen schützen würde. Dann könntest hergehen und von allen Menschen Dinge klauen und bloggen und veröffentlichen und verkaufen ohne dass Dir einer was kann. Einzig die Versicherung wäre am zahlen und zahlen und zahlen……… Das macht doch keiner. Oder gehen wir mal raus aus dem Web. Stell Dir vor die Versicherung gibt es. Du hast sie. Gehst hin und schlägst das Auto des neuen Freundes Deiner Exfreundin zu Schrott. Versicherung zahlt? Was so eine Versicherung für ein Quatsch ist, ergibt sich dadurch von selbst.

  5. Dem kann ich nur zustimmen. Ich halte den Abschluss einer Rechtsschutzversicherung ebenfalls für sehr wichtig, denn heute kann man nie sicher sein, dass man nicht doch durch einen Zwischenfall in einem Rechtsstreit verwickelt sein wird. Gerade diese Situation vor Gericht und mit dem Gesetz kann nicht nur verheerende Folgen mit nach sich ziehen sondern auch einen erhöhten Kostenfaktor darstellen. Da ist es besonders wichtig, dass man sich für einen derartigen Fall abzusichern weiß. Informieren wir uns aber über die verschiedenen Anbieter so lässt sich erkennen, dass nicht längst jeder Versicherer alle Rechtsschutzelemente in seinen Policen miteinbezieht. Deswegen scheint es umso wichtiger, dass wir als Kunden uns im Vorfeld Gedanken um unseren eigenen Versicherungsbedarf machen und gegebenenfalls Angebotsvergleiche anstellen um den für uns passenden Anbieter zu finden, der genau das Angebot unterbreitet, welches unseren Wünschen und Vorstellungen am besten entspricht.

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