Medikamentenentsorgung – der Stand der Dinge

Gestern war ich bei der Ärztin meiner Oma. Ich hatte ungelogen fast eine ganze Ikea Tüte voller Medikamente bei ihr gefunden. Diese schleppte ich zur Ärztin. Oma wollte ja eigentlich mit, erzählte mir aber sie hätte einen Gymnastiktermin und könne nicht. Dann wollte sie dauernd dass ich schon 1 Stunde zu früh zur Ärztin mit ihr gehe. Das lehnte ich ab und berief mich auf den Termin um 16:30 Uhr. Sie meckerte ein wenig, dann war sie wieder freundlich.

Als ich um 16:15 Uhr mit der großen Ikea Tüte das Haus verließ, traf ich auf Oma, die gerade heimkam. “Oh wieso so schick gemacht? Wo willst Du denn hin?” fragte sie mich. Ich sah ganz normal aus mit Hose und Shirt und eben der Tüte. “Ich geh einkaufen.” erwiderte ich ihr. Sie wünschte mir noch viel Spaß. Hatte sie vergessen, dass ich zur Ärztin ging? Vermutlich.

Bei der Ärztin angekommen, schlug diese die Hände über dem Kopf zusammen. Ob ich eine Apotheke überfallen hätte, wollte sie wissen. Sie sortiere die Tabletten aus. Ich hatte schon vorsortiert. Eine halbe Aldi-Tüte voll abgelaufener Medikamente brachte ich kurz später in die Apotheke zur Entsorgung. Eine kleine Tüte mit Nahrungsmittelergänzungen durfte ich Oma wieder geben. Eine Tüte behielt ich mit aktuellen Tabletten für Oma und eine Tüte war mit Schmerzmitteln gefüllt, die ich selbst nehmen darf oder entsorgen darf.

Die Ärztin veranlasste, dass ich per Post alle Rezepte für meine Oma zugestellt bekomme. Oma darf keine Medikamente mehr in die Hände bekommen. Es steht fest, dass sie allein nicht mehr richtig einnimmt und die Gefahr einer Vergiftung zu groß ist. Ich sollte dann auch gleich zum Orthopäden laufen, denn Oma hatte da einen Termin. Ich ging rüber zum Orthopäden und klärte die Arzthelferin vor Ort darüber auf dass auch dort Oma keine Medikamente mehr ausgehändigt bekommen darf und ließ mich eintragen als Kontaktperson. Oma saß im Wartezimmer und sah mich nicht.

Wieder daheim bereitete ich Omas Tabletten für die nächsten 2 Wochen vor und gab ihr abends die für heute. Und ich übergab ihr die Nahrungsmittelergänzungen, welche die Ärztin erlaubt hatte. Oma nahm sie und sagte danke.

10 Minuten später klingelte sie an meiner Tür. Wo ihre Tabletten seien. Sie wolle die wieder. Ich erklärte ihr ruhig dass sie schon alle wiederbekam die sie dürfte. Sie wolle heute zur Ärztin gehen und Ärger machen. Keine Ahnung ob sie da war.

5 Minuten später klingelte sie erneut. Sie hatte eine leere Dose zurück bekommen. Wo der Inhalt sei. Dass die Ärztin den weggeworfen hatte, hat sie sehr verärgert und wieder drohte sie damit der Ärztin Ärger zu machen. Das ginge ja nicht, sie habe die Pillen bezahlt. Dass die abgelaufen waren und die Kasse die bezahlte, das war ihr egal.

Nochmal 5 Minuten später klingelte sie erneut. Es fehle eine leere Plastikdose. Die sei noch aus dem Geschäft meines toten Opas, da wären mal minifilme drin gewesen. Für mich sah diese Dose aus wie eine wo man Sicherheitsnadeln drin aufhebt. Nix besonderes. Die ist jedenfalls auch weg weil Pillen drin waren und da regte sie sich auf, sie wolle die ersetzt haben.

Dann klingelte sie um 23 Uhr das letzte mal. Wo ihre Diclofenac Zäpfen seien. Sie wollte eines nehmen und keine seien da. Sie habe Schmerzen. Oma hat momentan ein Schmerzpflaster (sehr stark) auf dem Körper kleben und bekommt 3 mal täglich Ibu 600. Sie darf die Zäpfchen nicht. Ich verweigerte ihr das Zäpfchen. Die Ärztin hatte mir eh schon gesagt, dass die 4. Ibu ein Fehler war und ich das nicht machen darf und hart bleiben muss. Sie regte sich wieder auf. Ich wendete einen  Trick an, welchen ich in einem Magazin im Wartezimmer der Ärztin las. Man soll wenn die demenzerkrankten sich stark aufregen sie ablenken. Ich fummelte am Türkranz rum und meinte: oh was ist das denn, ach nur ein Fussel. Oma schaute auf den Kranz, guckte nochmal genau und meinte ne da ist nix. Dann war die Aufregung bei ihr etwas weg und sie sprach danach nochmal normal mit mir. Und sagte wieder sie wolle heute die Ärztin auf den Topf setzen und ihr die Meinung sagen. Das Zäpfchen hatte sie dann jedoch wohl vergessen als ihr Wauwau vom Gassi gehen wieder kam. Sie sagte nett Gute Nacht und ging schlafen.

Auf die Dauer, werden wir ihr auch das Hundefutter wegnehmen müssen. Ihr Hund hatte in den 2 Wochen Krankenhausaufenthalt 500 Gramm abgenommen. Sie war 4 Tage da und der Hund wiegt wieder 500 Gramm mehr. Das kann es nicht sein. Auch müssen wir wohl bald ihre Nahrungsmittel aussortieren. Dass es dort Packungen mit Sahnesteif von 1986 abgelaufen gibt, macht uns Sorge. Sie kann nicht mehr verstehen, dass abgelaufen auch gesundheitsschädlich sein kann. Sie schmeckt und riecht das nicht oder aber die Verknüpfung im Gehirn, dass das ungesund ist, ist einfach nicht mehr vorhanden. Da wird noch viel auf uns zukommen.

Was auf jeden Fall passieren muss, ist dass sie eine Patientenverfügung sowie eine Gesundheits- und Vorsorgevollmacht unterschreibt. Nur so können wir sichern, dass wir in ihrem Sinne handeln können. Hoffentlich macht sie das. :(


7 thoughts on “Medikamentenentsorgung – der Stand der Dinge

  1. Liebe Conny,

    ich will Dich nicht entmutigen, aber eine Patientenverfügung wird sie mit einer Demenz kaum mehr unterschreiben können, weil diese dann aufgrund ihrer Erkrankung angezweifelt wird. Für eine Vorsorgevollmacht gilt leider das gleiche (oder hat sie vielleicht vorher schon eine ausgestellt, z.B. für ihre Bankkonten?).
    Über kurz oder lang werdet Ihr vermutlich eine rechtliche Betreuung beim Amtsgericht beantragen müssen. Das klingt im ersten Moment sicher hart, wird sich aber wahrscheinlich nicht vermeiden lassen.
    Gute Basisinfos bietet zu Vorsorgevollmacht, Patientenverfügung und Betreuung das Niedersächsische Justizministerium
    http://www.mj.niedersachsen.de/live/live.php?navigation_id=3765&_psmand=13
    Alles Gute für Dich und Deine Oma!
    Steffi

  2. Danke für den Hinweis, aber soweit ist sie noch in der Lage zu entscheiden. :) Laut Ärztin kann sie diese durchaus noch unterschreiben. Ich habe heute schon mal mit ihr drüber gesprochen und sie hat auch verstanden wobei es darum geht.
    Teilweise existiert auch schon eine Vollmacht. Das ist also schon halb in trockenen Tüchern.
    Aber wer sollte später einmal diese Vorsorgedinger anzweifeln wollen? Sie ist zwischen leichter und mittlerer Demenz – würde ich mal sagen. Und in dem Stadium darf sie noch unterzeichnen. :)

  3. Die werden leider immer wieder angezweifelt, sei es bei Banken oder in Krankenhäusern, wenn sich bspw. der Zustand Deiner Oma verschlimmert hat und es um medizinische Eingriffe geht. Ich hab mal in dem Bereich gearbeitet und das war häufig so, dass gerade bei Menschen mit Demenz Vollmachten und Verfügungen angezweifelt und dann auch letztendlich nicht akzeptiert wurden. Aber wenn die Ärztin sagt, das Deine Oma das noch abschätzen kann, würde ich zeitnah eine umfassende Vollmacht mit ihr formulieren und dies in Anwesenheit der Ärztin unterzeichnen lassen, die dann gleichzeitig mit Datum abzeichnet, dass Deine Oma zum Zeitpunkt der Unterschrift dazu in der Lage war, ihr Handeln zu überblicken. Klingt jetzt wahrscheinlich etwas übervorsichtig, ist aber nur ein gutgemeinter Tipp.

  4. Edit: Unterzeichnen DARF sie natürlich immer, ob diese Unterschrift dann von Behörden, Banken und Ärzten als rechtskräftig angesehen wird, ist da eher das Problem.

  5. Das mit der Ärztin werde ich mal besprechen, dass sie gegenzeichnet oder so eine Bescheinigung ausstellt, dass sie dazu wirklich in der Lage war. Gute Idee. Danke für den Tipp :)

  6. Aber Sahnesteif von 1986 ist doch noch gut – ist das neue noch nicht von ab! :smifei:

    Ich wünsche euch ganz viel Kraft, es wird nicht leicht werden! Ich drück dir die Daumen… :yeahsm:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.