Oma und der Alkohol

Eben erwischte ich Oma zum zweiten Mal, dass sie Alkohol getrunken hat. :( Anscheinend müssen wir in ihrer Abwesenheit auch die Bar mal leer räumen. Gestern trank sie Wein, heute Likör. Sie versucht wieder – wie damals nach Opas Tod – ihre Trauer und negativen Gefühle zu ertränken. Durch die vielen Medikamente und ihre Demenz ist das jedoch alles andere als gut.

Außerdem haben wir heute mitbekommen, dass sie wieder heimlich Trockenfutter kaufte und den Hund heimlich fütterte. Auch hat sie Shira vom Mittagsessen abgegeben. Das gefällt mir gar nicht. Vermutlich müssen wir nun auch noch das kontrollieren. :(

Ich habe bei meinem Psychater ein Gespräch gesucht. Er gab mir ein Buch mit und gab Tipps für den Umgang mit Demenzkranken. Ende des Monats hat Oma einen Termin bei einem Doc welcher dann auch Medikamente wegen der Folgen von Demenz verschreibt. Apropos habe ich erwähnt, dass sie sich schon wieder heimlich versucht hat Zäpfchen zu besorgen?

Während ich eben noch an diesem Beitrag schrieb, klingelte Oma bei mir. Sie wollte mir spontan mein Heizkissen wiedergeben. Sie wolle nix von mir haben. Sie habe selbst eines – hat sie aber gar nicht mehr. Dann war ich wieder weggegangen und prompt klingelte sie wieder. Ich würde ihr Dinge unterstellen und sie sei enttäuscht von mir. Ich weiß null was. Ich fragte, worüber enttäuscht und als Antwort kam nur: “Da kannst Du mal drüber nachdenken.” Ja aber worüber denn? Das kann sie nicht benennen. Es ist eben so. Ich gebe es auf das verstehen zu wollen. Einfach nur noch zustimmen und beruhigen. Sie saß dann weinend im Treppenhaus auf dem Stuhl. Wir haben auf jeder Etage einen Stuhl stehen. Sie werde das ab jetzt ändern. Auf Nachfrage was kam: “Das weiß ich auch noch nicht.” Sie sprach dann davon dass sie ganz allein wäre und niemand mehr habe. Keiner wäre für sie da. Beteuerungen dass wir doch alle für sie da sind kamen bei ihr nicht an.

Ich lud sie dann einfach auf nen Cappu ein. Da war sie dann wieder normal. Ich weiß nicht wie schlimm ihre Demenz momentan ist, aber es ist erschreckend wie schnell es so wurde wie es jetzt ist. Ich fragte – angeregt durch das Buch – Oma dann so nebenbei was heute eigentlich für ein Tag wäre. Sie sagte der 2. Dann fragte ich nach dem Wochentag und sie sagte Donnerstag. Bei der Frage nach dem Jahr wich sie aus. Dann kam ein 2004. Als ich dann sagte: Oma, es ist 2010, da war sie verstört. Das hätte ich nicht sagen sollen. Man soll demente Personen nicht auf Fehler hinweisen. Sie meinte dann das kann nicht sein, dann wäre es ja schon 2020. 2010 kann nicht sein. Es wäre 2005. Ich fragte wann sie ihren Hund bekam und sie sagte 2005. Das stimmt übrigens. Dann sagte ich: Also dieses Jahr? Und Oma bejahte. Als ich fragte wie lange sie ihren Hund schon hat, sagte sie 5 Jahre – stimmt auch. Aber dass da ein logischer Fehler drin ist, konnte sie nicht erkennen. Ich hätte nicht gedacht, dass es schon so schlimm ist, dass sie nicht mal das aktuelle Jahr kennt. :(


One thought on “Oma und der Alkohol

  1. Das tut mir total leid, Conny! Das geht bei deiner Oma ja extrem rasant. Das alles hat bei meiner Tante Jahre gedauert. Bei euch ist das innerhalb von Monaten. Da habt ihr euch kaum auf eine Sache eingestellt, kommt gleich das nächste Ding. Man man man. Echt heftig!

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