Warum ich so offen über Oma schreibe

Einige werden sich fragen ob ich nicht die Persönlichkeitsrechte meiner Oma verletze oder ob ich meine Oma nicht bloßstelle wenn ich hier so offen über sie und ihr Verhalten und all die Vorfälle ihrer Krankheit berichte.

Dazu möchte ich einmal Stellung beziehen.

Ich antworte da ganz knallhart mit Nein.

Meine Oma wird nie merken, dass ich hier über sie schreibe. Sie hat keinen PC und weiß nicht wirklich was das Internet ist. Die meisten ihrer Freunde leben bereits nicht mehr oder haben keine Ahnung vom Internet. Eine Bloßstellung vor ihren Bekannten oder Freundeskreis ist somit schon mal nicht gegeben. Die Verwandtschaft weiß eh wie es um sie steht.

Meine Oma war immer jemand die ihre Erfahrungen mit anderen Menschen teilte. Man konnte sie immer fragen und sie half immer gern. Somit glaube ich ganz ehrlich daran, dass sie bei klarem Verstand genauso wie ich diese Erfahrungen weitergeben würde.

Für mich ist es ein wenig Ballast abwerfen, wenn ich über die Erlebnisse hier schreibe. Ich schreibe es mir sozusagen von der Seele. Es hilft damit nicht nur mit sondern auch meiner Oma weil ich dadurch wieder freier zu ihr gehen kann und ihr besser helfen kann.

Und vielleicht hilft es auch anderen Betroffenen dass sie nicht allein, mit ihrem Schicksal der dementen Verwandten welche sie pflegen, sind. Ich selbst lese aktuell ein paar Bücher mit Erfahrungsberichten über die Pflege von Demenzerkrankten. Das hilft mir sehr. Auch dass ich darin las, dass ich nicht die Einzige bin die unsicher im Umgang ist und die immer wieder auf neue Probleme stößt. Man hat als pflegende Person doch immer Angst etwas falsch zu machen. Immer der schmale Grad zwischen was sein muss und was grade noch so geht.

Somit kann ich deutlich sagen, dass meine Oma hier nicht verunglimpft wird oder ähnliches. Es ist die Krankheit über welche ich schreibe.


6 thoughts on “Warum ich so offen über Oma schreibe

  1. Du tust noch eines: Du brichst ein Tabu. Du sprichst bzw. schreibst darüber und bringst das Thema an die Öffentlichkeit, enttabuisierst.

    Ich finde, Du schreibst sehr schön über Deine Oma. Ehrlich. Respektvoll. Verzweifelt.

  2. Liebe Conny,

    ich lese ja noch nicht lange hier mit. Habe dich ja erst durch die Teilnahme an meinem Fotoprojekt jetzt kennen gelernt (was übrigens umgezogen ist nach http://fabi-fabi.de/) . Aber eines kann ich dir durchs nachlesen sagen:
    Du schreibst so wundervoll, so respektvoll von deiner Oma und brichst damit eine Schweigemauer. Ich finde man sollte Krankheiten online nicht immer schön reden. Demenz ist nun mal nicht lustig oder normal. Und dass du so offen darüber schreibst ermunternt andere bestimmt dazu auch offener mit der Demenz ihrer Großeltern/Eltern usw. umzugehen.
    Das andere es immer schön reden ist doch nur Lügnerei. Demenz ist kein Zuckerschlecken und das du so ehrlich darüber schreibst finde ich sehr wunderbar.
    Alles Liebe und einen guten Rutsch,
    Fabi

  3. Hallo Fabi,
    ich danke Dir für Deine lieben und aufbauenden Worte.
    Und freue mich Dich als Leser hier begrüßen zu dürfen :)
    Und natürlich wünsche ich Dir auch einen guten Rutsch.

    Es tut gut einmal zu lesen, dass ich es anscheinend doch respektvoll genug mache. Es ist immer so ein schmaler Weg zwischen „ist das nicht zu offen“ und „aber so ergeht es doch nun mal mit der Krankheit“.

    Manchmal gibt es mit der Erkrankung doch auch Situationen wo man auch mal lachen muss. Als Oma heute zu mir sagte: Der Kuchen war so dunkel und er musste doch noch 20 Minuten da habe ich den Herd hochgedreht, da musste ich irgendwie lachen und gleichzeitig hätte ich am liebsten geschrieben weil es so schlimm ist irgendwie. Aber ich versuche mich dann an dem surealen Humor festzuhalten – weil es einfacher ist. Der Altenheimblogger http://altenheimblogger.wordpress.com/ hat da auch eine schöne Art mit umzugehen die ich sehr gut finde und die mich auch erheitert und gleichzeitig aufbaut dass auch Andere es so erleben.

  4. Meine Eltern sind seit vielen Jahren tot und ich musste mich ein paar Jahre um meine Mutter kümmern. Glücklicherweise hatte sie keine Demenz, aber da ich in einem anderen Ort wohne, war das für mich auch eine große Belastung, da fast jeden Tag hinzufahren. Das hat mich physisch ganz schön fertig gemacht, denn ich stand so gut wie allein vor dem ganzen Problem.

    Im Laufe der Zeit musste ich feststellen, dass mein Vater ihr die Jahre zuvor alles abgenommen hat, eigentlich auch das Denken. Ich habe dann versucht, ihr Gehirn „wieder ein bisschen auf Trab“ zu bringen, indem ich ihr nicht jeden Denkprozess abgenommen habe.

    Meine Mutter hat dann auch mal gesagt ‚Guck mal, ob die Keulen schon gar sind.‘ Ich den Deckel vom Topf hochgehoben, geguckt und gesagt ’so kann ich das nicht sehen‘. Da hat sie dann auch nur drüber gelacht, ich sollte ja nur gucken und nicht probieren.

    Also, ich kann dir voll und ganz nachfühlen. Und sich was von der Seele schreiben hilft immer, auch in anderen Situationen.

    Jedenfalls, einen guten Rutsch ins neue Jahr

  5. Allein damit fertig zu werden ist grausam. Ich bin sehr froh meine Familie zu haben. Das muss für Dich sehr schwer gewesen sein.

    Ich hoffe Dein Start ins neue Jahr war schön. :)

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