Omas Besuch

Am Samstag habe ich mit Oma zusammen ihre Freundin vom Bahnhof abgeholt. Das war ein Erlebnis sag ich Euch. Kaum waren wir aus der Tür begrüßte Oma irgendwelche fremden Leute mit Guten Morgen und marschierte los. Irritiert – ohne was zu sagen – folgte ich. Da Oma immer einen guten Schritt am Leib hatte, hatte ich Sorgen ob ich hinterher kommen würde mit meinen Bandscheibenvorfällen und damit verbundenen Schmerzen. Unbegründete Sorge. Oma schlich langsamer als ich, was mir jedoch wieder einen Stich ins Herz versetzte. Wie ich jedoch mitbekam war das wohl durch Überlastung. Gestern zumindest flitzte sie mal wieder….Zurück zu Samstag.

Wir fuhren mit der U-Bahn zum Bahnhof. Natürlich sind wir VIEL zu früh los. In der Bahn setzte Oma sich für die 2 Stationen hin. Ich blieb stehen und beobachtete sie. Sie saß da, schaute raus und brabbelte sich irgendwas in den nicht vorhandenen Bart. Ständig war ihr Mund in Bewegung ohne dass ein Laut raus kam. Das hatte ich vorher noch nie bei ihr gesehen.

Bahnhof Hannover Am Bahnhof fragte ich sie, da wir ja noch Zeit hatten, ob wir eben zu Rossmann gehen könnten. Sie stimmte zu aber ich solle hinne machen. Sie wollte sofort zum Spielzeugregal um für ihren Urenkel was zu kaufen. Dabei greift sie immer zu Dingen, die er erst in 4 Jahren nutzen darf. Ich konnte sie dann davon abhalten es zwingend mitnehmen zu wollen. Als ich beim Make-Up war, begann sie zu drängeln und lief dauernd ein Stück vor und maulte von dort immer, ich solle hinmachen und nicht trödeln und sie ginge gleich. Schon vorher guckten mich die Leute im Rossmann mitleidig an, nun vollkommen mitleidig. Ich schaute ins Regal, zu Oma, ins Regal, zu Oma, ins Regal, zu Oma. Oma? OMA! Weg war sie. ARGH. Ich hinterher. Links und rechts geguckt und zur mir selbst gesagt: Wo ist sie denn nu? Links von mir stand ein Pärchen. Er – ein langer Kerl – hob wortlos den Arm und zeigte über seinen Kopf hinter sich in den Gang und grinste. Ich sagte danke und ging los. Oma stand hinter den Kassen. Ich stellte mich an und rief zu Oma rüber, dass ich nur eben zahle und sie solle warten. Oma rief wieder biestig zurück, ich solle hinmachen. Als wenn ich die Schlange vor mir beschleunigen könnte. Die Dame vor mir an der Kasse, drehte sich zu mir um und sagte: “Ich habe es Gott sei Dank gerade hinter mir, ich weiß wie es ihnen geht.” Ich war kurz verdutzt dann amüsiert, denn ihr Gesichtsausdruck war mitfühlend. Sie sagte dann noch, dass es mit der Zeit leichter würde und ich solle mir meine Kraft bewahren. Das war richtig lieb. Oma war währenddessen schon raus aus dem Rossmann und ich hatte dauernd meine Augen bei ihr dass sie ja nicht los läuft.  Danach gingen wir zum Gleis und setzten uns auf eine Bank.

Ihre Freundin kam an und Oma war happy. Wir fuhren heim. Oma meckerte im Gespräch immer wieder mal mit mir und ihre Freundin wies sie zurecht. Nicht unbedingt die richtige Art. Ich lasse Oma halt über mich meckern. Aktuell erzählt sie immer noch was für eine schlechte Hausfrau ich sei, weil sie mir backen zeigen müsste…. Mal sehen wann das wieder aufhört.

Oma hat übrigens daheim wieder das Heizunterbett abgezogen vom Bett. Es sei ja Sommer. Und sie wollte schon wieder das Schloss der Schlafzimmertür ausbauen weil die Schlüssel wieder weg sind. Ihre Freundin meint, sie komme gut mit Oma und Demenz zurecht. Im Umgang – wenn ich dann beim Frühstück dabei bin (da ich es ja für beide morgens mache) sowie beim Kaffe trinken dabei bin – zeugt jedoch eher nicht davon. Sie weist Oma dauernd zurecht und diskutiert mit ihr. Vollkommen falsches Verhalten. Auch droht sie Oma dauernd zu fahren, wenn sie nicht ruhig wird. Das macht Oma ein schlechtes Gewissen und sie wird unruhiger als vorher. Ihre Freundin meint, Oma sei doch noch gut drauf und könne sie doch locker in Hagen besuchen. Ich seh das etwas anders, wenn ich mir ansehe wie k.o. die Freundin immer wieder ist.

Gestern waren noch Omas Schwester und ihr Lebensgefährte zum Kaffe da. Da hat Oma behauptet mein Opa – ihr Mann – hätte im Rollstuhl gesessen kurz vor seinem Tod. Stimmt nicht. Mein Dad nutzte vor seinem Tod den Rollstuhl wenn er außer Haus war. Sie wollte es mit einem Foto beweisen, weil alle älteren Herrschaften mit ihr diskutierten egal wie sehr ich sagte sie sollen zustimmen und gut sei. Oma nahm ein Album und nahm ein Kinderfoto von meinem Papa und zeigte es ihrer Schwester: Kennst Du den? Schon war sie vom Thema weg und abgelenkt. Sie hatte vergessen was sie am Fotoalbum wollte. Meine Großtante fragte nochmal nach – grrr – aber Oma sagte nur, dass es so sei, sie müsse es doch wissen.

Die erhoffte Entspannung durch den Besuch von Omas Freundin habe ich leider nicht. Aber dafür habe ich dank eines Technikerbesuchs seit gestern wieder Internet und Telefon. Juhuuu :-D

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