Heimliche Entmüllung bei Oma

Momentan ist es ruhig um Oma hier im Blog. Der Alltag mit Oma ist jedoch weiterhin unverändert. Ich glaube dass die Pillen sie etwas ruhiger halten, sie regt sich immer noch schnell auf aber ist dann weniger aggressiv als viel mehr verzweifelt. Das Verzweifelt bekomme ich jedoch leichter bei ihr in den Griff.

Es hat sich halt alles irgendwie eingespielt. Doof ist, dass sich manche Dinge immer und immer wieder wiederholen. So war es 3 Tage wieder sehr schlimm dass sie überall Medikamente versteckt hatte und dann versuchte neue zu kaufen nachdem wir ihren heimlichen Vorrat entsorgt hatten.

Beim Hundefutter gab es auch eine Woche lang wieder Probleme. Sie hatte heimlich gekauft. Eine halbe Tüte mit allem möglichem Hundekram habe ich raus geschleppt. Sie behauptete sie habe nie welches gekauft. Ok, damit kann ich leben. Tags drauf jedoch kam die Beschwerde dass sie kein Hundefutter habe. Ich hatte ihr welches abgefüllt für den Hund. Ochsenziemer und so. Dinge wo Wauwau lange dran kaut. Das ist für Oma aber nix. Oma will geben und Hund muss es am besten sofort inhalieren. Schwierig schwierig da einen Weg zu finden. Sie versuchte dann eine Woche immer wieder Hundefutter zu verstecken. Diese Woche habe ich mit dem Thema bei ihr wieder Ruhe. Es ist aktuell nicht in ihrem Kopf vorhanden.

IMG_8822 Hingegen stinkt Oma momentan wie sonst was…. Ich muss – wenn ich ihr sehr nah stehe – die Luft anhalten. Es liegt nicht daran, dass sie sich nicht wäscht oder duscht. Duschen daheim geht sie eh nicht, wir halten sie aber zum morgendlichen Waschen mit Lappen an. Oma geht einmal die Woche in der Tagesbetreuung baden. Also liegt es nicht an mangelnder Hygiene. Es liegt an was anderem, welchem ich aber noch lange nicht Herr werden kann.

Oma hat schon immer einen Kosmetiktick gehabt.  Wer meinen Beautyblog kennt wird sich nun denken, ach deswegen hat Conny auch soviel Schminke und Kosmetik von wegen Vererbarkeit von Ticks – aber nein bei Oma liegt der Fall ein wenig anders. Oma hat über Jahre Kosmetik regelrecht gesammelt. Gehortet ist jedoch das bessere Wort.

Oma hat immer und immer und immer wieder bei Yves Rocher und anderen Kosmetikfirmen bestellt weil es Goodies dazu gab. Letztens zog ich eine Schachtel unterm Bett vor wo sage und schreibe 25 Geldbeutel drin waren…. Daneben stand eine Kiste mit lauter Billigtaschen. Dabei waren noch 4 Uhren und Fotoapparate und all so eine Schrott den es eben als Lockangebote bei Firmen dabei gibt. Oma fuhr auf “Kostenloses” immer ab. Ob nun beim Bestellen oder aber wenn sie was auf der Straße findet.

So hat sie also immer und immer wieder Kosmetik bestellt, meist angetrieben von einem “schönen” Billigzusatz dazu. Ein paar Dinge hat sie dann auch verwendet, aber der Großteil schlummert in Schränken, Kisten und Ecken. An den verrücktesten nicht verständlichen Orten. Egal wo ich eine Schublade öffne, mir kommt uralte Kosmetik entgegen. Sowohl gekaufte als auch in Pröbchenform. Ich glaube nicht mal alle Apotheken in unserer Straße zusammen haben SOO viele Proben im Laden wie Oma daheim…..

Und momentan hat Oma eine Phase in der sie besonders wieder auf Ihr Äußeres achtet. Das geht immer mal wochenweise und dann vernachlässigt sie ihre Kleidung und ihr Auftreten wieder. Ein ständiger Wechsel. Welchen wir nicht weiter beachten, da es sie nur unnötig aufregt wenn man sie darauf hinweist. Es ist besser da einfach einen lockeren Umgang mit zu haben. Es schont ihre und unsere Nerven.Und zu Omas momentaner Phase gehört aber nun auch die Pflege ihres Körpers dazu. Oma cremt und sprüht sich also wie verrückt mit allem möglichem Kram ein. Zu 99% würde ich sagen mit Dingen, die mindestens schon Volljährig sind. Und deswegen duftet meine Oma aktuell auch so verführerisch.

MD000940 Dies war der Zeitpunkt wo ich auf den Plan trat. Oma davon zu überzeugen, dass der Kram alt und unbrauchbar und eher ungesund für sie ist, ist praktisch genauso sinnvoll und einfach wie einer Katze das Bellen beizubringen. Ergo bleiben mir wieder nur die Dienstage und Donnerstage wo sie nicht da ist um heimlich ein wenig aktiv zu werden.

So gehe ich dann zu ihr und entsorge 2 Mal die Woche immer ein wenig. Nie alles auf einmal. Immer nur ein bisschen. ( Und bloß die leeren Ecken wieder mit irgendwelchem Schrott füllen. Leere Ecken und leere Taschen machen Oma wahnsinnig. )

Heute wurden 10 Eau de Toilette mit der Duftnote Schweißmauke entsorgt. Dazu bekam der Mülleimer noch lauter Cremes und ein paar Pröbchen. Es war sogar – ich habe es kaum geglaubt – ein noch haltbares Duschgel darunter. Dies jedoch stellte ich bei mir beiseite und fülle es nun bei Oma in ihr Badefläschen welches sie jede Woche zum Baden mitnimmt. So wird es wenigstens wirklich noch von ihr benutzt, wie erwähnt, duscht sie daheim ja nicht.

Nun bibber ich jedoch jedes Mal wenn Oma heimkommt. Wird sie es bemerken? Wird sie Aufstand machen? Wenn sie es bemerkt dann gehen die Thema wieder zur fehlenden Tür und weiteren alten Dingen über. Und von denen bekomme ich Oma nur schwer weggelenkt.

Letzte Woche trug ich einen lila Kulturbeutel raus. Ekelhaft kaputt und irgendwas was darin ausgelaufen. Ich habe ihn komplett weggeworfen. Abends machte Oma Aufstand. Sie kam jedoch nicht zu mir. Sie telefonierte mit ihrem Sohn, welcher mich dann anrief. Oma suche eine braune Tasche. Mhhh eine braune hatte ich nicht entsorgt. Ich ging zu ihr und sie war ziemlich wütend. Man habe sie bestohlen, die braune Tasche sei weg und so weiter. Sie wolle wieder ihre Schlafzimmertür und das Wohnungsschloss müsse gewechselt werden. Ich beruhigte sie und dann war auch erst mal Ruhe und Oma friedlich. 2 Stunden später fehlte dann wieder irgendwas. Die braune Tasche entpuppte sich dann als braunes Etui welches sie selbst wieder gefunden hatte.

Eigentlich müsste ich mir keine Sorgen machen wenn sie einmal entdeckt, dass wirklich etwas weg ist. Sie sucht eh dauernd Dinge. Teils sogar Dinge die schon vor Jahren kaputt waren und entsorgt wurden. Aber dennoch spielt mir mein Gewissen dabei einen Streich. Das Schlechte beschleicht mich dann nämlich. Ich weiß, dass ich zu ihrem Wohl den abgelaufenen Krempel raus schleppen muss, aber wenn sie genau den dann doch mal sucht, dann weiß ich dass ich an dem Dilemma in dem Moment Schuld bin und das setzt mir zu. Ich weiß rein logisch dass ich nicht daran schuld bin aber man fühlt es in dem Moment eben doch so.

Wie Oma es heute aber wieder schaffte bereits im April abgelaufene Lebensmittel in ihrem Kühlschrank zu haben, bleibt mir weiterhin ein Rätsel. Den Gefrierschrank hatte ich kontrolliert. Und letzten Dienstag hatte ich auch den Kühlschrank kontrolliert. Ich verstehe es nicht. Wo bekommt sie die her bzw. wo versteckt sie diese??? Ob sie heimlich im Keller ein Versteck hat? Aber da ist momentan durch Rattenbefall Sperrzone. Mhhh ich weiß es nicht. Das jedoch trau ich ihr eigentlich nicht zu. Aber bei Oma weiß man ja nie.

Man muss noch mehr vorsorgen und mitdenken wie bei einem Kleinkind. Kleinkinder handeln logisch unlogisch. Demenzkranke handeln absolut unlogisch. Im Endeffekt kann man sich bei Demenz nur darauf verlassen, dass man sich auf nichts verlassen kann.

Puh das war nun ja doch ein recht langer Beitrag, Hut ab an alle die bis zum Ende gelesen haben :)

3 thoughts on “Heimliche Entmüllung bei Oma

  1. Hallo Conny,
    ich kenne das Problem sehr gut, ich habe bis vor 1 Jahr unseren an Lewibody Demenz erkrankten Onkel gepflegt.
    Da war auch alles dabei von uhralt Lebensmittel, Körperpflege Artikeln usw
    Dazu hatte er wie es bei dieser Formn Demenz üblich schime Wahn/Angst atacken die immer schimmer wurden.
    Obwohl ich ihn sehr lieb habe, musste ich ihn in ein Pflegeheim geben.
    Der Psyhologe legete es mir nahe, es viel mir sehr schwer.Aber eine 24h pflege konnte ic ihm allein nicht geben.Der Pflegedinst kam 1xTag.Es geht ihm im Heim gut, ich habe ein kleines nettes ausgewählt,er sitzt nun im Rollstuhl, und dort ist immer Jemand da rund um die Uhr. Und ich kann ihn immer besuchen, das Heim ist 10min mit dem Ato entfernt.Ich kann dir auso gut nachempfinden was da so abgeht. Onkel Iist nun 92j und freut sich immer wenn ich da bin, .
    lg

  2. Hallo Tina,
    wie lange hattest Du Deinen Onkel daheim?
    Ich frage mich immer ab wann bei uns der Tag kommt wo wir Oma in ein Heim geben müssen. Wir sind zu zweit die Oma pflegen plus noch weitere Verwandte, die mal mit einspringen oder Oma mal rausholen damit wir Erholung haben.
    Ich hoffe so dass wir auch ein schönes Heim dann für sie finden. Wie findet Dein Onkel in dem Heim? War der Übergang schwer?
    Lg
    Conny

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.