Laute Musik brachte mich ins Krankenhaus

An diesem Wochenende fand das Lister Meilen Fest in Hannover statt. Buden und Bühnen erstreckten sich über einen Teil der Meile. Freitag ging es los. Die eine Bühne war schräg gegenüber meiner Wohnung und der Sound der Bands umging meine geschlossenen Fenster und übertönte meinen Fernseher. Ich kenne das seit Jahren, lebe damit, doch meine Babys in mir – für die war das was Neues. Sie reagierten prompt auf den Lärm indem sie die ganze Zeit und zwar wirklich die ganze Zeit in mir tobten. Sie traten und boxten als wären sie ein genervter Nachbar, der mit dem Besenstil gegen die Decke haut um für Ruhe zu sorgen. Mir setzte das zu. Dauerhaft geboxt und getreten zu werden, ohne Pause, war für mich eine Tortur. Als es dann gegen 22.30 Uhr immerhin etwas ruhiger draußen wurde, war ich schon ziemlich k.o. Ich begab mich dann in die Heia und kurze Zeit nach dem Hinlegen, ereilte mich ein Zitteranfall. Ich bibberte am ganzen Körper. Die Zähne klapperten mir. Der Blutdruck war von 120/80 hochgeschnellt auf 160/95 und ich war etwas ratlos, was los ist. Kurzerhand wurde ein Krankenwagen gerufen und ich in die MHH eingeliefert. Sicher ist sicher. Der Zitteranfall war dann nach mir unendlich erscheinen Minuten auch zurückgegangen, doch ein innerliches Unwohlsein und Zittern blieb erhalten.

Im Krankenhaus ging es in den Kreißsaal zur Kontrolle von Blutdruck und Blutwerten und es wurde ein CTG gemacht. Dabei kam ich in den Genuss gleich mehrere Damen beim Schreien zu lauschen, da sie mit Wehen kämpften. Schockiert hat es mich nicht. Es machte mir auch keine Angst. Glücklicherweise. Die eine Dame schrie bei ihrer ersten Presswehe doch ziemlich den Laden zusammen. :)

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Danach wurde ich stationär aufgenommen und durfte endlich 4 Stunden schlafen, bevor erneut mein Blutdruck gemessen wurde. Kurze Zeit später kam auch schon der Chefarzt vorbei. Er beschloss, ich solle mich den Tag mal ausruhen. Die Stille tat mir nach dem Tag davor wirklich gut, muss ich gestehen. Die Kids waren friedlich in mir und da ich ein Einzelzimmer hatte, schaffte ich es auch noch weiteren Schlaf nachzuholen.

Die schönste Überraschung war, dass eine Freundin aus Kindheitstagen, ein paar Tage vorher ihre Tochter hier zur Welt brachte und noch da war. Ich bin vormittags runter auf die Mutter-Kind-Station und konnte dies süße kleine neue Erdenwesen ansehen und erfuhr auch direkt ein paar Dinge über die Entbindung in diesem Krankenhaus.

2014-05-31 17.46.23Bei mir selbst wurde dann im Laufe des Tages noch einmal Blutdruck gemessen und ein CTG gemacht. Alles schien ok. Einzig am Nachmittag war ich unterzuckert, weil ich nach dem Mittagessen eingepennt war und mich bei den KE der Kartoffelsuppe verschätzt hatte. Und das war dann der Grund weswegen die Ärztin am Abend mich nicht heimgehen lassen wollte. Dabei ist es hier gar nicht so einfach für Zwischenmahlzeiten zu sorgen. Es gibt keine Säfte und auch kein Obst oder Joghurt, den man einfach so mal holen kann.

Ich muss mir von den normalen Mahlzeiten was abzwacken oder hoffen, dass irgendwer was übrig lässt um es mir einzuheimsen. Einzig Nutella und Marmelade sowie Honig sind immer verfügbar. Das ist nicht wirklich gut für eine Diabetikerin. Ich ging dann dazu über mich mit Kakao im Normalbereich zu halten. Die Schwestern waren durchaus bemüht mir hier und da Zusatzdinge für die Zwischenmahlzeiten zu besorgen, aber mir erschien, was Humaninsulin mit verzögerter Wirkweise angeht, sind sie nicht ausgebildet. Ich hatte es 2 Schwestern anfangs versucht zu erläutern, wieso ich die Zwischenmahlzeiten brauche, aber ihrem Blick nach zu urteilen, haben sie es nicht so ganz verstanden. Aber ist auch egal, denn sie brachten mir immerhin etwas Weißbrot und Erdbeermarmelade.

Abends brachte mir mein Mann noch ein paar Knäckebrot-Snacks vorbei, sodass ich dann besser über die Runden kam und mir weniger Gedanken machen musste. Die Nacht schlief ich mal lange, wenn auch immer mit Unterbrechungen. Ich werde eh jede 2 Stunden wach, teils jede Stunde um mich umzudrehen. Kein Wunder, schlafen mir doch dauernd die Hände und Arme ein und das Umdrehen im Bett ist eine schmerzvolle Angelegenheit, dass macht mein Körper schon lange nicht mehr im Schlaf sondern fordert vollen Wachzustand dafür.

Mir ging es heute dann ansonsten recht gut. Ich war zwar mit Kopfschmerzen erwacht, aber da die von einem verspannten Nacken kamen, war das nichts ungewöhnliches. Einzig dass seit Samstag Nachmittag mein rechter Mittelfinger taub war, wunderte mich, aber das scheint bei Schwangeren wohl mal vorzukommen. Das lasse ich dann dennoch lieber vom Neurologen nochmal abklären, wo ich sowieso noch versuchen muss einen Termin zu bekommen. Eine Überweisung liegt dazu nämlich hier schon.

Heute früh wollte man mir noch eine Thrombosespritze geben. Diese lehnte ich jedoch ab. Ich habe eh schon aufgrund der Schwangerschaft recht dünnes Blut und außerdem wusste ich ja, dass ich heute heim könnte. Samstag war ich auch viel auf den Beinen und lief rum, daher sah ich in der Spritze überhaupt keinen Sinn. Die Schwester war irritiert, doch fügte sie sich. Muss sie ja auch. ;) Wobei ich glaube, dass sie mich nur zur Hälfte verstand. Ihr Deutsch war sehr schlecht. Als ich um Nutella bat, wollte sie mir einen Teller reichen. Hey, kein Problem, kann passieren. Aber dafür war sie unheimlich freundlich und da sagt man Dinge dann auch gern 2 Mal. Wirklich herzlich die Dame. :)

Die Schwestern auf beiden Stationen waren sehr nett und freundlich. Der Chefarzt nahm sich durchaus Zeit und ich kann mich über die Behandlung nicht beschweren. Die Räumlichkeiten sagten mir zu und ich denke, hier kann ich meine Jungs durchaus auf die Welt bringen. Klar, wird es schwierig wegen den Zwischenmahlzeiten, aber nun bin ich vorgewarnt und in meinen Entbindungskoffer kommen eben Äpfel und Bananen rein. Wobei das mit den Zwischenmahlzeiten laut Aussage einer Schwester nur am Wochenende lag. Wenn Mo. bis Fr. frühabends jemand mit Diabetes eingeliefert wird, dann würden Zwischenmahlzeiten von der Küche geliefert. Am Wochenende jedoch kriege man das nicht mehr hin.

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Nach der Entlassung fuhren mein Mann und ich noch direkt bei einem Pärchen vorbei und kauften ein zweites Babybett. Das schöne alte Babybett aus meiner eigenen Babyzeit ist schraubenlos. 34 Jahre hat meine Ma das Bett aufbewahrt, aber dann die Schrauben verbummelt. Und da es Spezialschrauben sind, können wir die auch nicht einfach ersetzen. Ich bin etwas traurig drüber, denn ich fand den Gedanken echt schön, dass meine Jungs in dem Bettchen liegen, aber so ist es halt. Nun haben wir eben noch für 45 Euro ein zweites Ikea Bett von privat gekauft. Ist nur einmal aufgebaut gewesen und ansonsten unbenutzt. :)

Und jetzt bin ich wieder daheim. Ich musste das Lister Meilen Fest übrigens noch 2 Stunden bis ca. 20 Uhr ertragen, aber mit dem Verkriechen ins hinterste Zimmer und einer Decke über den Kopf, habe ich das hinbekommen. Es ist eben – egal wie – nirgends schöner als daheim. Und einen Vorteil hatte der Krankenhausbesuch dann doch: ich bin nun schon mal für die Geburt angemeldet und konnte das Krankenhaus ein wenig kennenlernen. :)

2 thoughts on “Laute Musik brachte mich ins Krankenhaus

  1. Ich bewundere dich für deine Ruhe, auch in stressigen oder unvorhergesehenen Situationen.

    Ich wünsche dir und euch alles Gute!

  2. Danke :)
    Je schlimmer etwas ist, umso ruhiger bin ich. Keine Ahnung wieso. Aber ist sehr nützlich, weil man einfach dann besser überdenken kann. Klar kann auch ich mal aus der Haut fahren, aber nie wenn es wirklich drauf ankommt. :)

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