Es ging wirklich los – Die Geburt meiner Jungs

Ich erwachte gegen 6:30 Uhr und sofort merkte ich die Wehen erneut. Aber dieses Mal wieder im 5 Minuten Abstand.  Der Hemmer wurde nach mehrfachem Bitten meinerseits hochgesetzt, doch es schien sich nichts zu besser. Die Schmerzen im Rücken, die Wellen, die von da kamen…. es war hart. Im Liegen nicht auszuhalten, im Sitzen wurden sie stärker und im Stehen ging es gerade so zu ertragen. Ich rief meinen Mann gegen 9 Uhr an und bat, er möge langsam eintrudeln. Ich bräuchte ihn hier. Ich hätte Schmerzen, fühlte mich aber wenig beachtet. Bei jeder Wehe wünschte ich mir wie tags davor die Hand meines Mannes als Gegendruck ins Kreuzbein…. doch ich musste es so aushalten…. ich biss die Zähne zusammen und atmete ruhig durch die Nase ein und aus dem Mund langsam aus. Jedoch ohne Schmerzlaute oder Stöhnen. Einfach nur ein ruhiges Atmen…. war es zu doll vom Schmerz, atmete ich manchmal zu schnell, dann besann ich mich aber fix wieder auf die ruhige Atmung, Ich klingelte immer häufiger nach den Hebammen, doch die 2 Kontrollen ergaben nur 3cm Muttermundöffnung. Ich verlangte nach Schmerzmitteln und es dauerte gefühlt ewig bis ich eine Tramalinfusion bekam, die mich für 30 Minuten ausknockte.

Die Wehen kommen schneller

2014-07-26 21.31.18Als ich erwachte, waren es wieder starke Wehen im 2 Minuten Abstand. Ich hatte einen riesen Druck nach unten. Ich wollte einfach nur auf Klo, wenn Ihr versteht was ich meine. Nachdem gegen kurz vor 10 Uhr noch immer niemand wirklich nach mir sah und ich mir ziemlich hilflos vorkam in dem Überwachungszimmer, bin ich einfach auf Klo gegangen. Ja ernsthaft…. zum urinieren war es mir eh erlaubt, aber ich dürfe eben nicht pressen…. Ich musste aber. Auf der Toilette fühlte ich mich echt erholt. Der Klositz ist aufgrund des Loches in der Mitte sehr entspannend, wenn man eine heftige Wehe hat. Ich verbrachte dort mindestens eine Viertelstunde, wollte am Liebsten gar nimmer runter…. doch ich wusste, das geht nicht. Ich schlich also wieder zurück und wollte mich ins Bett legen. Doch kaum berührte mein Hintern das Bett, kam eine so heftige Wehe, dass ich fast schon aufsprang und mich an einen Metalltisch vor mir klammerte und wegatmete.

Conny mag nicht mehr

Ich klingelte erneut und niemand kam… ich hatte die Schnauze voll davon, dass entweder niemand kam oder immer nur jemand kam, der sagte: Es kommt gleich jemand und dann kommt doch wieder keiner um wirklich was zu tun…. ich rief lauthals: “Ich hab die Schnauze so was von voll. Das wird schlimmer. Himmel nun tut doch mal ENDLICH jemand was. BITTE IRGENDWAS” Ich weiß nicht, ob es jemand hörte, ich weiß es wirklich nicht, ich grummelte ausatmend einfach nur noch vor mich hin, weil ich nimmer wusste was tun, wie stehen, wie aushalten. Mein Mann noch nicht da, keine Hebamme, die mich beruhigt, kein Arzt weit und breit…. Doch nach meinem Ausbruch kam dann jemand und ich sollte mich aufs Bett legen. Es gab für mich vom Gefühl her keinen Wehenabstand mehr. Berührten meine Beine meinen Bauch, durchzuckte mich der schlimmste Schmerz. Es war nur noch ein Dauerschmerz. Irgendeine Hebamme ertastete dann meinen Muttermund und ich sah die Augen der Hebamme groß werden, als sie zur Kollegin sagte: “Vollständige Öffnung.” Daraufhin fühlte die zweite Dame in mir rum und sorry bei einer Wehe ist das echt unangenehm….. Sie bestätigte die vollständige Öffnung.  “Ich wollte doch nur eine PDA und Schmerzlinderung, als ich klingelte und rief…” sprach ich noch vor mich hin, als die Schwester sagte: “Bei vollständiger Öffnung geht keine PDA mehr. Dafür ist es zu spät”. Mir verschlugs die Sprache, denn da wusste ich was gerade wirklich für ein Stündlein geschlagen hatte…..

Plötzlich ging alles sehr schnell

Ein Arzt tauchte fast sprunghaft neben mir auf.  Auch er fuhr in mich um den Muttermund zu prüfen. “Wer hat noch nicht, wer will nochmal….” schoss es mir durch den Kopf…. während schon die nächste Schmerzwelle mich überflutete. Ich wurde mit dem Bett sofort in einen größeren Kreißsaal geschoben, während ich nochmals versuchte per Handy meinen Mann oder meine Ma zu erreichen, erfolglos jedoch. Das setzte mir etwas zu, doch dann dachte ich mir: “Egal, Du packst es auch so, wenn es nicht anders geht…. Er ist außerdem sicher schon unterwegs zu Dir.“ Im neuen Kreißsaal musste ich mich umringt von lauter Hebammen auf eine Geburtsliege legen. Das war Qual pur, es war deutlich Hektik zu spüren und ich wurde gedrängelt, während ich eigentlich kaum noch wusste, wie mich bewegen und es aushalten.

Da tauchte schon wieder ein vollkommen neuer Arzt neben mir auf und wieder erfühlte jemand meinen Muttermund und ich hörte jemand sagen, dass die Fruchtblase schon “durchkäme”. “Nun können Ärzte aus dem Nichts erscheinen…. pfff…”, schoss es mir durch den Kopf…. Ich atmete so gut ich konnte, wusste nicht genau was nun von mir erwartet wird, spürte jedoch die Hektik und dass es nun wohl höchste Eisenbahn wäre…. wie ich die Zeit fand, dabei noch zu denken: “Ich sagte es ja wohl lang genug, dass es voran geht.” und ”Nu haben wir den Salat… “  weiß ich ehrlich gesagt selbst nimmer…… Der neue Arzt namens von K. tauchte erneut neben meinem Bett auf. Er sagte mir, dass eben alle mehrfach erfolglos versuchten meinen zweiten Zwillingen auf ein CTG zu bekommen. Er sei dabei sehr erfahren, aber auch er habe ihn nicht eindeutig finden können.

2 Optionen

Dr. von K. sprach laut und deutlich zu mir, ich war in dem Moment nur auf ihn fixiert. Er drang durch meinen Schmerz und ich wusste sofort, es ist wichtig. Sein Ton ließ keinen Zweifel aufkommen.

Wir finden Ihren zweiten Sohn per CTG nicht. Es gibt nun 2 Möglichkeiten. Entweder, sie gebären natürlich und es ist ein Blindflug. Wir wissen dabei nicht, wie es dem Zwilling geht. Das erste Kind können wir per Kopfsensor überwachen. Den Zwilling nicht.

Oder wir machen sofort einen Not-Kaiserschnitt, bei dem ihre Kinder sofort rauskommen und wir wissen, wie es den Kindern geht.

Es ist ihre Entscheidung und ihre Verantwortung.

Da lag ich vom Schmerz geplagt, ohne Mann an meiner Seite, und musste entscheiden. Bedenkzeit – nein die gab es nicht, wie auch…. Mutter Natur hat Bedenkzeit nicht in ihrem Wortschatz. Ich brauchte aber auch keine, wenn ich ehrlich bin. Mein erster Gedanke war: “Sicherheit für die Kids” und mein zweiter Gedanke “Lasst den Schmerz aufhören verdammt.” Ich sagte dem Doc sofort, er solle den Kaiserschnitt machen.

Ab in den OP

doctor-79579_1920Nun hieß es unter Hilfe der rumstehenden Leute runter von der Gebärliege und wieder ab auf das Krankenbett. Ich sog die Luft ein… es war schmerzhaft. Wie viele Menschen waren da um mich rum? 5 oder 6? Ich wusste es nicht. Für mich bestand alles nur aus Körpern und Armen, die mich stützten. Jedes Bein hochziehen um wo runter oder hoch zu kommen, ließ mich vor Schmerz zucken. Ich wollte nicht mehr, ich steckte eindeutig in der sogenannten “Austreibungsphase”. Mit dem Krankenbett fuhr man mich in den Not-OP im Kreißsaalbereich. Mein Bett wurde hochgefahren und ich sollte von dort auf den OP-Tisch rüber rutschen. WTF? WAS? Ich rief spontan aus: “Wie soll ich das denn machen?” Ich wusste gar nicht mehr wie mich bei all dem Schmerz noch bewegen. Sie zogen mich dann halb auf den Tisch und ich half so gut ich konnte mit. “Rutschen Sie noch etwas tiefer bitte” – WAAAAAHHH – rief ich innerlich… und schob mich dann tiefer auf der Liege, während ich innerlich vor mich hin fluchte. Nach außen atmete ich einfach so gut ich konnte.

Nun lag ich dort, um mich rum wurde gewuselt und vorbereitet. Irgendwo mittendrin, ich glaube bei der Gebärliege bereits, hatte man mir mein Shirt gegen ein Krankenhaus OP Hemd getauscht. Diese hocherotischen Dinger, die hinten offen sind…. Man legte mir eine Maske aufs Gesicht. Nahm sie kurz danach weg, damit ich irgendeine Flüssigkeit zu mir nehmen konnte, legte sie wieder drauf und fummelte irgendwo rum. Ich hörte Geklapper, Gesprächsfetzen und dann wie jemand sagte, er mache nun die Narkoseinfusion dran. Ich atmete durch die Nase ein, und durch den Mund aus, versuchte ruhig zu atmen und fühlte puren Schmerz und Druck. “Gleich hast Du es geschafft, gleich geht es Deinen Jungs gut, gleich ist der Schmerz vorbei, gleich….”

Und da wurde es dunkel um mich…..

Fotoquelle OP Bild tpsdave /pixabay

5 thoughts on “Es ging wirklich los – Die Geburt meiner Jungs

  1. Oh mein Gott, das liest sich ja wie eine Horror-Story… Aber hauptsache es geht euch allen gut!!!
    Ich bin schon gespannt, wie es weitergeht.

  2. Oh je, schön ist diese Geschichte bis jetzt wirklich nicht.
    Aber ich bin ganz sicher, dass sie gut endet, denn sonst würdest du nicht so locker darüber schreiben können, stimmt´s?!!
    Das hoffe ich jedenfalls sehr!
    Liebe Grüße,
    Wiege

  3. Ich finde es schlimm, dass dein Mann abends heimgefahren ist.. Du hättest ihn sicher gut an deiner Seite brauchen können. :-/

  4. Ich finde es viel schlimmer das dich keine Hebamme begleitet hat und dir immer gut zugeredet hat! Das hätte einiges leichter gemacht, die haben ja gesehen das dein Mann noch nicht bei dir war! Und auch eine absolute Sauerei das vorher keiner zu dir gekommen ist. Für die ist das zwar Routine aber für eine Frau die zum ersten Mal schwanger ist doch nicht!
    Und dann noch zu verlangen von Liege zu Liege herumzurutschen und selbst mit den Schmerzen klarzukommen…

    Bin aber sehr gespannt wie’s weiter geht!!!

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