Die Anfangszeit mit Zwillingen – So überlebst Du die ersten 12 Wochen

“Herzlichen Beileid”
“OMG na da haste Dir ja was aufgehalst.”
”Hätte nicht eines gereicht?
“Na dann viel Spaß auch…”

Was kriegt man als Zwillingsschwangere nicht alles an Reaktionen zu hören. Man muss schon ein dickes Fell haben, um nicht sofort voller Panik zum Telefonhörer zu greifen und die Freigabe zur Adoption einzuleiten. Wer Zwillinge bekommt, wird nie mehr schlafen, nie mehr Geld haben, wird nur noch aussehen, wie aus dem Müll gezogen, kann seine Hobbys vergessen und überhaupt darf nie mehr 5 Sekunden sitzen und das von Anfang an. So ist die landläufige Meinung, wobei…. unterscheidet die sich überhaupt wirklich von normalen “1-Kind-Vorurteilen”?

Meine Zwillinge sind nun 8 Wochen alt. Noch lebe ich und das sogar gut.

Doch wie habe ich das gemacht?

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Anni hat eine Blogparade gestartet, welche wie die Faust aufs Auge zu mir passt, weswegen ich nun auch hier sitze und die Worte niederschreibe, welche Du gerade liest. Wie überlebt man als frisch gebackene Zwillingsmama die ersten 12 Wochen – das fragen sich alle Zwillingsschwangere. Auch der Papa stellt sich diese Frage und rätselt darüber, wie man das überhaupt hinbekommen soll.

2014-09-20 08.06.01Du wirst Fehler machen – akzeptiere es

Babys kommen nicht mit einer Gebrauchsanweisung auf die Welt. Es gibt nicht “den perfekten Weg zum richtigen Großziehen eines Kindes”. Alle werden Dir erzählen, dass Du gar nichts falsch machen kannst, aber das stimmt nicht. Du wirst Dinge falsch machen. Aber das ist in Ordnung. Du wirst aus diesen lernen und es dann richtig machen. Du bist keine schlechte Mutter, nur weil Dir Fehler unterlaufen. Du bist ein Mensch, Menschen machen Fehler. Akzeptiere das.

Vertrau Deiner Intuition

Du wirst aber auch viele Dinge instinktiv richtig machen. Gesunder Menschenverstand und ein wenig Selbstvertrauen genügen da vollkommen. Unbewusst hat man über Jahre Mütter im Umgang mit ihren Kindern gesehen und ihr Verhalten irgendwo in den Gehirnwindungen abgespeichert. Auch das Verhalten der eigenen Eltern ist in den Tiefen des Brains gespeichert. Dies unbewusste Wissen wird Dir in vielen Situationen helfen. Glaube daran.



Hör auf perfekt sein zu wollen

Perfektionismus – den kannst schon bei dem ersten Zwillingsultraschallbild in die Mülltonne werfen. Vergiss es, dass alles perfekt sein muss. Die Wohnung muss nicht aussehen, wie von Meister Propper persönlich gewienert. Der Abwasch wird nicht gleich zu Leben beginnen, wenn er mal einen Tag rumsteht. Die Kinder müssen keine Schönheitswettbewerbe in niedlichen Klamotten gewinnen. Es reicht wenn sie trocken sind und nicht schon dank getrockneter Spuckreste von allein stehen können. Und auch Du selbst musst nicht jeden Tag wie aus dem Ei gepellt aussehen. Es ist ok dem Postboten im Schlafanzug, mit einer Frisur die Tina Turner neidisch machen würde, die Tür zu öffnen. Mach Dir bewusst, dass Du nur ein Mensch mit 2 Händen und Armen bist. Ein Kind wird immer mal schreien müssen. Und Dein Kind wird nicht gleich einen Therapeuten brauchen, nur weil Du es 2 Sekunden zu lange hast schreien lassen, weil Du noch zu ende pinkeln wolltest oder Kind 2 gerade aus einem riesen Haufen in der Windel befreist.

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Vergiss den Übermama-Shit

5-stöckige Bob der Baumeister Torten, eine Mega-Monster-Barbietorte und dazu Stillkekse und die halbe Wohnung dekoriert? Dazu gehst Du 3 Mal die Woche in die Stillgruppe und den Krabbelkurs und das Babyschwimmen beginnt dann nächste Woche. Forget it. Wenn Du Lust auf sowas hast und mal die Zeit dazu findest und es Dich entspannt: Go. Ansonsten lass es bleiben. Es reichen normale Kuchen, Wasser lernen die Kinder früh genug kennen und auch Still- und Krabbelgruppen sind kein Zwang. Wenn Du sonst nicht rauskommst, sind das alles tolle Lösungen, doch mach Dir darüber noch keine Gedanken. Die Anfangszeit daheim ist Eure Zeit. Du musst auch nicht jeden Tag mit dem Kinderwagen eine Ehrenrunde drehen. Lass “Die Kinder brauchen aber frische Luft”- Sprüche an Dir abprallen. Geh so raus, wie Du es möchtest. Ein Spaziergang kann gut tun, doch wenn Du nicht fit bist, dann lass es. Und hör auf zu denken, dass andere Mamas das doch auch alles schaffen. Fotos auf Facebook können viele tolle Sachen zeigen, doch wie fix und alle die Mamas dahinter vor Stress sind, das sieht man keinem Foto an. Lass es Dir gutgehen und übertreibe es nicht mit Babyprogrammen und Co..

Die liebe Verwandtschaft – wehe Ihr kommt ohne Kuchen!

IMG_6430Verwandte wollen die Babys angucken. Freunde wollen die Babys angucken. Die ganze Welt will die Zwillinge angucken. Lass sie alle gucken, doch begrenze die Besuche. Teilt sie Dir ein und nimm Dir auch das Recht raus, mal nein zu sagen. Und wehe jemand kommt ohne Kuchen oder Kochutensilien zu Dir. Dann stelle Dich an die Tür und mach einen auf “Du kommst hier nicht rein.” Wer kommt, soll was zu futtern mitbringen, damit man sich als ausgehungerte Mama, die durchs Stillen eh Dauerkohldampf hat, draufstürzen kann, während die Gäste ihre “Ohhhh” und “Ahhh sind die süß”- Sucht befriedigen. Und falls Du jemanden hast, der sogar nen Putzlappen mitbringt, dann lass ihn gleich einziehen. Übrigens ist es keine Schande um Hilfe zu bitten. Locke mit der Bezahlung “Babykuscheln”. Wer es gut macht, dem backst sogar Du dann einen Kuchen, denn dann hast Du Zeit dafür.

Schlafe wann immer Du kannst

Im Stehen im Türrahmen, im Sitzen auf dem Sofa und wenn es klappt sogar im Bett. Schlafe wann es nur geht, wo es nur geht, wie es nur geht. Nimm mit an Schlaf was Du bekommst. Ernsthaft! Und wenn Du die Oma im Haus hast, die dann mal aufpasst, besorg Dir Ohrenstöpsel und penn mal 3 Stunden am Stück. Manchmal wirst das brauchen.

Wenn einer schreit – geh pinkeln

Sobald einer Deiner Zwerge mit Schreien beginnt, renne auf Klo. Nutze die Chance nochmal pinkeln zu gehen. Die nächste Chance wird sich erst in 2 Stunden bieten. GLAUB MIR!



Bau Dir eine Futterstelle

IMG_6145Wer voll stillen kann und will, dem seien die Füße geküsst und er sei beneidet. Aber nicht jede Mama kann das. Daher muss man erfinderisch werden. Jeden Morgen gehe ich in die Küche und koche knapp 2 Liter mit dem Wasserkocher und fülle das abgekochte Wasser in verschließbare Kannen. Ich fülle 4 Nuk Flaschen mit der benötigten Wassermenge und stelle davon 2 verschlossen beiseite und die restlichen 2in die 2  ausgeschalteten Avent Flaschenwärmer. Ich habe 8 Milchpulverportionierer von DM gekauft, welche ich mit der passenden Grammzahl an Milchpulver bestücke. Wenn nun die Zwerge schreien, ist die Zubereitung der Milch ein Klacks, da alles schon bereit steht. Für den morgendlichen Notfall, besitze ich noch 2 Cool Twister, die immer im Kühlschrank bereit stehen, um frisch abgekochtes Wasser auf richtige Milch-Misch-Temperatur in Sekunden runter zu kühlen.

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Sei allzeit vorbereitet

Vorsorge ist besser als Nachsorge – ja da spricht die Versicherungskauffrau aus mir. Ich bin jemand, der gern vorbaut. Ich plane, bewahre mir dennoch die Spontanität. Lieber habe ich von irgendwas zu viel als zu wenig. Ich bestelle das Milchpulver beispielsweise online. Auch die Pampers kaufe ich online. Kein Schleppen. Kein Organisieren. Einfach ordern und das sogar dann günstiger eingekauft als im Laden. Praktisch. Von Feuchttüchern und Spucktüchern kann man übrigens nie genug haben. NIEMALS! Und habe IMMER, wirklich immer, was für den kleinen Hunger zwischendurch für Dich daheim! Manchmal geht nur eine Banane, ein Fertiggericht oder eben eine Portion Müsli als Mahlzeit. Alles was man mit einer Hand zubereiten und essen kann, ist ideal. ;)

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Bleibe Frau / bleibe Mann

IMG_6436Man ist nun Mama und Papa. Mit allem was dazu gehört. Vollen Pampers, Kotzflecken auf der Kleidung und den tiefen Augenringen. Doch darf man nicht vergessen: Man ist auch Frau / Mann. Lass den Partner einfach mal rausgehen. Freunde treffen. ins Kino oder was auch immer. Ruhig die Oma oder den Opa mal zum Aufpassen verdonnern. Ja auch so früh ist das schon für ein paar Stunden möglich. Und dann schau nicht aufs Handy. Hab es mit, hab es an, falls was sein sollte – doch schau nicht drauf und ruf schon gar nicht daheim an, ob alles ok ist und was die Kleinen machen. Sei einfach “kinderlos” für 3 oder 4 Stunden. Und wenn die Kids dann mal irgendwann vollgefuttert schlafen, dann sei ein Paar und vergiss nicht, wie die Kinder entstanden sind. ;)



Setz Dich nicht unter Druck

Take it easy. Niemand erwartet derzeit, dass Du 100% pünktlich wo aufläufst. Nicht mal Ärzte. Schon gar nicht Ärzte. Am Anfang lernst Du, dass alles länger dauert als gedacht und dann kommt es nochmal ganz anders. Das ist so. Bleib ruhig. Deine Ruhe wird sich auf die Kinder übertragen und Dein Leben VIEL angenehmer machen. Hektik und Unsicherheit ist tödlich für die heimische Kinderruhe. Es nützt Dir nichts Dich in die schiefgelaufenen Dinge hineinzusteigern. Bewahre Dir stattdessen Deinen Humor. Mache Fotos, schreib es nieder, halte es irgendwie fest. Später wirst Du nochmal darüber schmunzeln.

Beschaffe Dir eine oder zwei elektrische Babyschaukeln

IMG_6391Du willst doch mal duschen? Mal in aller Ruhe auf die Toilette gehen? Die Kinder wollen aber nur getragen werden? Ab in die Schaukel, Musik an und los kannst flitzen und in dem kleinen Zeitfenster alles erledigen, was sein muss. Meine Kleinen halten es gut mal 30 Minuten in den Dingern aus und das gibt mir echt Luft. Der beste Kauf, den ich bisher tat.

IMG_6441Besorg Dir ein Zwillingsstillkissen

Ich habe mir sogar 2 Zwillingsstillkissen besorgt. Die sind super für Dich zum Anlehen und auch zum Drauflegen der Kids, wenn Du z.b. synchron füttern oder stillen willst.

Mache Dir Genuss bewusst

Wenn die Kinder nach dem Stillen oder Füttern einschlafen, dann nimm Dir 5 Minuten Zeit sie in Ruhe zu betrachten, bevor sie wieder ins Bett wandern. Streichle sie, kuschel mit ihnen. Genieße den Moment der Stille nach dem vielleicht vorher lauten Schreien. Spüre wie zufrieden sie in dem Moment sind. Das wird auch Dir gut tun und Dich runterfahren lassen. So kannst Du wundervoll entspannen.

Lass Dich nicht verunsichern

IMG_6167Wer im Web unterwegs ist, der wird die haarsträubendsten Dinge lesen. Jede Mama weiß es am Besten. Jede hat DIE Ideallösung. Da wird man schon unendlich mit Medikamentennamen zugeworfen, weil die Babys pupsen. Babys pupsen nun mal. Nein, die haben Blähungen – ganz schlimm. Nein, sie pupsen nur. Nein, Du musst da Globoli X63203453 geben….. Kind muckelt im Bett…. es hat Schmerzen ohne Ende…. nein es verarbeitet nur…. nein es schreit doch….. ja hat eben mal schlecht geträumt, ist ja schon wieder ruhig….. nein es ist schlimm gequält…..

HÖR AUF DEINE BABYS KRANK ZU DIAGNOSTIZIEREN!
Lass Dir keine Angst machen. Sei aufmerksam was die Kinder angeht, achte auf wunde Stellen, ob sie Schmerzen haben, Fieber oder komische Beulen bekommen, Pickel – was auch immer. Und dann geh zum Arzt. Wenn Du eh ein ängstlicher Typ bist, lass die Finger von Google, lass die Finger von anderen Mamagruppen weg. Wenn Du jedoch logisch denken kann, auch mal über überfürsorgliche Ratschläge lachen kannst, dann googel ruhig mal und schmunzel.

Und ansonsten…

Lass Dir von keiner anderen Mama einreden, wie es zu sein hat, wie Du zu sein hast. Nicht mal von mir und diesem Artikel ;) Schließlich hab ich die ersten 12 Wochen noch nicht komplett überlebt….. ;)

6 thoughts on “Die Anfangszeit mit Zwillingen – So überlebst Du die ersten 12 Wochen

  1. Sehr lieb geschrieben, liebe Conny!

    Ich verfolge deinen Blog sehr gerne, und freue mich auch immer über Videos von dir.
    Du hast vollkommen recht, man darf sich von anderen nicht verunsichern lassen.
    Sicherlich sprichst du vielen Jungmamas von der Seele. Ich musste sehr schmunzeln beim lesen, ich selbst hab zwar keine Zwillinge aber auch zwei Kinder (beides Mädels) aber selbst mit einem Kind ist es manchmal nicht leicht.
    Du machst das super- weiter so, und spät aber doch- Herzlichen Glückwunsch zur Geburt deiner Söhne.

    Liebe Grüsse aus Wien.
    Tini

  2. Hallo conny,
    ich heiße Denise und habe letzte Woche erfahren, dass ich zwei Babies bekomme. Da ich zur Zeit im Krankenhaus liege hatte ich viel Zeit zum lesen. Ja, was soll ich sagen, eigentlich habe ich fast nur unqualifizierte Kommentare gefunden, bis ich deine Geschichte las.
    DANKE, Du hast mich zum lachen gebracht und mir Mut
    gemacht.
    Eine schöne Zeit wünsche ich euch und alles gute!

  3. Hi Denise,
    na da herzlichen Glückwunsch. :) Ich hoffe, Du bist wegen nix schlimmen im Krankenhaus.
    Es freut mich, dass Dir mein Artikel ein wenig Hoffnung gibt. Man überlebt es wirklich und es ist toll Zwillingsmama zu sein. Es macht unheimlich Spaß :) Meine Jungs sind nun *nachrechne* 17,5 Wochen und ich lebe noch ;) Sie schlafen mittlerweile sogar teilweise recht lang in der Nacht und die Flaschenmengen haben sich reduziert aber vom Inhalt erhöht.
    Und nun wo sie lachen und spielen, gibts immer mehr zu entdecken. Genieße Deine Schwangerschaft und freu Dich auf Deine Kids. Es wird toll. Manchmal anstrengend, aber toll. :)
    Alles Gute für Euch. Und meld Dich, wie es Dir geht. Würde mich freuen von Dir zu lesen. :)

  4. Hallo Conny,
    endlich finde ich die Zeit zu schreiben.
    Ich hoffe euch geht es gut!
    Ich hatte mich letztes Jahr im November gemeldet, als ich schwanger war und im Juni sind meine Zwillinge Liese und Michel geboren.
    Soeben habe ich wieder deine Zeilen gelesen und wieder musste ich lachen und es hat mich aufgeheitert. Seit gestern habe ich eine elektrische Schaukel – oh ja, was besseres kann einem nicht passieren. Ich habe gesagt, am besten wäre es, wir hätten in jedem Zimmer eine☺
    Es ist wirklich eine tolle Erfahrung Zwillinge zu haben auch wenn man manchmal ganz schön erschöpft ist. Ich freue mich auf die kommende Zeit, in der sie beginnen die Welt zu entdecken.
    Ich wünsche euch eine schöne Zeit und von Herzen alles Liebe

  5. Hallo Denise, herzlichen Glückwunsch zur Geburt Deiner Zwillinge. Die Schaukel ist wirklich praktisch. Wir müssen unsere nun aufgeben, da sie das Maximalgewicht erreichen und Basti sogar selbst sich befreien kann. Nun heißt es Alternativen finden. :) Aber die Zeit, wo sie alles anfangen zu entdecken ist wundervoll. Genieße es. :) Alles Gute für Euch. :)

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