Die Begegnung mit der Freundlichkeit

9.20 Uhr – da sollte die Trauung meines Bruders im Standesamt Hannover losgehen. Wer Kinder hat weiß, dass das pünktliche Verlassen der heimatlichen Wohnung nicht einfach ist. Mit Zwillingen ist es doppelt schwer. Wir schafften es. Wir waren pünktlich am Parkplatz. „Parken nur mit Parkschein“ – Verdammt. Ein Blick in unsere Geldbörsen förderte nur einen Euro zu tage. Einen 20-Euro Schein hatte ich, doch es fehlte das nötige Kleingeld um den Hunger der Parkuhr zu stillen. Es waren nur noch 10 Minuten bis zur Trauung, es wurde knapp….

park-ticket-vending-machine-502964_1920Ich sprach ein freundlich aussehendes, den Bürgersteig entlang schlenderndes Paar an. „Entschuldigung, können Sie mir wohl einen 20-Euro Schein wechseln?“ Ein Blick in die Geldbörse des Herren zeigte jede Menge 50er und 20er aber leider nichts, um einen 20er in Kleingeld zu verwandeln, nicht mal anteilig. Ich bedankte mich und schaute mich weiter um. Da sprach mich das Paar nochmal an. „Nehmen Sie diese zwei Euro. Ich kann zwar nicht wechseln, aber so können Sie parken.“

In dem Moment sprach eine Frau hinter mir: „Diese Idee hatte ich auch gerade. Hier bitte, nehmen Sie auch meine zwei Euro.“

Ich bedankte mich von Herzen. Diese Freundlichkeit half uns sehr. Mein Mann löste schnell den Parkschein und ich setzte die Kinder in den Bollerwagen. Mit nochmaligen Dankesworten verabschiedeten wir uns Richtung Standesamt.

Oft höre ich, dass alles kalt wäre und niemand auf den anderen achten würde. Oft beklagen sich die Menschen über Ignoranz und fehlende Anteilnahme. Doch genau dieser Moment – als wir ohne Kleingeld an der Parkuhr standen – da trafen wir die Freundlichkeit. Wir begegneten Anteilnahme. Freundliche Menschen sind überall. Man konnte anhand des Parkplatzes und unserer Kleidung erraten wohin wir wollten. Sie wussten, dass wir zu einem besonderen Moment unterwegs waren. Sie halfen ohne zu zögern. Es war nur Kleingeld für eine Parkuhr, aber ich würde darauf wetten, dass genau diese Menschen auch anderen in viel tieferer Not helfen würden.

Das Wichtigste ist sich daran zu erinnern, dass einem solche Hilfe widerfuhr und sie auch anderen zukommen zu lassen. Wir alle stecken mal in einem Schlamassel – egal ob klein oder groß –  und sind froh, wenn jemand eine hilfreiche Hand reicht. Dank den hilfreichen Händen erreichten wir die Zeremonie pünktlich. :)

© Foto plickpixel / pixabay

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