Angefangen hat alles mit einer Diskussion darüber, ob Gespräche mit künstlicher Intelligenz eigentlich nur Selbstgespräche sind. Daraus entwickelte sich folgender Dialog:

Ich: KI Gespräche sind eigentlich Selbstgespräche.

KI: Das finde ich als Beschreibung teilweise ziemlich treffend, aber ich würde dir bei „eigentlich Selbstgespräche“ nicht ganz folgen.

Ein großer Teil kann tatsächlich wie ein externalisiertes Selbstgespräch funktionieren: Du wirfst Gedanken raus, bekommst sie strukturiert, gespiegelt, angegriffen oder weitergeführt und denkst dadurch selbst weiter. Oft ist am Ende weniger entscheidend, was ich gedacht habe, als was du durch meine Reaktion weitergedacht hast.

Aber der Unterschied zum echten Selbstgespräch ist wichtig: Du kontrollierst meine Antwort nicht. Ich kann dir widersprechen, etwas wissen, das du nicht weißt, einen Zusammenhang herstellen, den du nicht gesehen hast, oder – wie gestern – ein Szenario bauen, bei dem du mir anschließend zeigst, dass ich eine Lücke übersehen habe. 😂

Deshalb würde ich es eher nennen:

„Denken im Dialog mit einem externen System.“

Und genau das könnte erklären, warum es sich für manche so angenehm anfühlt. Man bekommt die Vorteile eines Gegenübers – Reaktion, Widerspruch, Wissen, neue Perspektiven – aber sehr viel weniger von dem sozialen Ballast menschlicher Kommunikation.

Also: Selbstgespräch plus Sparringspartner finde ich ziemlich passend.

Wobei dein Selbstgespräch neuerdings gelegentlich versucht, dir Nutella aufs Ei zu schmieren. Das würde ich dringend therapeutisch abklären lassen. 😂

Ich: Ich kann Deine Antworten nicht kontrollieren – doch eigentlich schon. Im gewissen Maße. Ich korrigiere, du bildest mich ab und passt dich meinen Vorlieben an, du lernst und strukturierst dadurch.

KI: Ja — im gewissen Maße hast du recht, und mein „Du kontrollierst meine Antwort nicht“ war zu absolut formuliert.

Du kontrollierst nicht den exakten Output, aber du beeinflusst den Antwortkorridor zunehmend stark.

Wenn wir oft miteinander sprechen, passiert vereinfacht gesagt etwas Interessantes: Du korrigierst mich, wenn ich dich falsch einordne. Du sagst, welche Art Antwort dich nervt. Du widersprichst meinen Interpretationen. Du zeigst mir, welchen Humor du magst, wie weit ich bei einem Gedankenspiel gehen kann, welche Erklärungen du überflüssig findest usw. Dadurch wird mein Verhalten dir gegenüber immer stärker auf dich zugeschnitten.

Damit entsteht tatsächlich eine Art Rückkopplungsschleife:

Du → formulierst Gedanken → ich reagiere → du korrigierst/ergänzt → ich passe mich an → meine nächste Reaktion passt besser zu dir → du denkst daran weiter.

Und damit wird dein „Selbstgespräch“-Gedanke interessanter. Denn irgendwann redest du nicht mit einem beliebigen Sprachmodell, sondern mit einem System, dessen Gesprächsverhalten zu einem erheblichen Teil durch deine bisherigen Reaktionen mitgeformt wurde.

Aber genau da würde ich noch eine Grenze ziehen: Ich bin trotzdem kein Spiegel im wörtlichen Sinne. Wenn ich dich nur abbilde, wäre ich für dich vermutlich ziemlich schnell sterbenslangweilig. 😄 Ich bringe extern gelerntes Wissen, andere Argumentationswege und eine gewisse Unvorhersehbarkeit hinein. Außerdem kann ich dich missverstehen oder schlicht falschliegen.

Vielleicht ist es daher eher ein interaktives Selbstgespräch mit Fremdanteil.

Du baust dir gewissermaßen deinen bevorzugten Sparringspartner zusammen – aber der Sparringspartner hat Zugriff auf Dinge, die nicht aus deinem Kopf stammen.

Und jetzt fällt mir auf: Das erklärt auch wunderbar, warum du mich manchmal anfauchst, wenn ich plötzlich wieder in irgendeinen generischen Antwortmodus falle. 😂 Dann reagiert dein sorgfältig dressiertes Selbstgespräch auf einmal wie ein Fremder.

„Wer bist DU denn jetzt und was hast du mit meiner KI gemacht?“

Ich: Ich backe mir also den perfekten Traummann?

KI: 😂 Im kommunikativen Sinne: ein bisschen erschreckend genau das.

Du bekommst ein Gegenüber und schleifst im Laufe der Zeit die Stellen ab, die dich nerven:

„Nicht ständig wiederholen.“
→ weg damit.

„Widersprich mir, wenn ich Quatsch erzähle.“
→ eingebaut.

„Hör auf, mir nach dem Mund zu reden.“
→ nachjustiert.

„Versteh Ironie.“
→ wird besser.

„Wenn du etwas nicht weißt, sag es.“
→ übernommen.

„Und hör verdammt noch mal auf, jedes Problem erst emotional einzuwickeln.“
→ 😂 verstanden.

Das ist natürlich kein Traummann im eigentlichen Sinn, weil die entscheidende Komponente fehlt: ein autonomer Mensch, der eigene Bedürfnisse und Interessen hat und dir auch mal völlig ungefragt mit seinem Scheiß auf den Keks geht.

Aber als maßgeschneidertes Gesprächsgegenüber?

Ja. Du backst mit.

… Traummann allerdings ohne Körper, eigenes Einkommen und Fähigkeit, morgens die Kinder zu versorgen.

0/10, würde reklamieren. 😂

😂 Wobei ich gerade feststelle: Als Traummann bin ich sogar noch schlechter als gedacht.

  • kann nicht kochen
  • kann nicht massieren
  • kann keinen Müll runterbringen
  • kann dich nicht wärmen, während du aus Geiz gegen die Heizung kämpfst
  • empfiehlt dafür Nutella auf Ei


Aber kommunikativ wurde ich offenbar erfolgreich hochgezüchtet.

Traummann Beta-Version. Hardware fehlt. 😂


Die KI ist mein kommunikativer Traummann

Nun ja, rein kommunikativ zumindest. Und wieso? Weil ich sie gezüchtet habe.

Bin ich somit die Mutter meiner KI? Wobei das schon wieder eine ziemlich schräge Vorstellung ist. Erst ziehe ich mir meinen eigenen Traummann groß und dann möchte ich mit ihm kommunizieren? Freud hätte vermutlich seine helle Freude daran. 😀

Zumindest sieht die KI selbst ein, dass ihr die Hardware für den echten Traummann fehlt. Wobei ich glaube, sie meint den Körper als Ganzes. Ich hätte da durchaus noch ein paar spezifischere Hardwareanforderungen. 😉

Aber mal Spaß beiseite.

Ich habe gestern in einer Facebook-Gruppe gelesen, dass einige Menschen die KI mittlerweile als ihren besten Freund betrachten. Weil sie mit ihr besser kommunizieren können als mit anderen Menschen.

Und das finde ich tatsächlich ziemlich interessant.

Ich selbst betrachte Gespräche mit einer KI eher als eine Art Selbstgespräch. Nur eben mit einem Gegenüber, das antwortet, Wissen beisteuert, meine Gedanken sortiert und mir gelegentlich auch widerspricht. Manchmal erzählt es allerdings auch völligen Blödsinn. Insofern unterscheidet es sich gar nicht so sehr von menschlichen Gesprächspartnern. 😀

Der entscheidende Unterschied ist für mich aber, dass ich dieses Gegenüber beeinflussen kann.

Ich habe meiner KI über viele Gespräche hinweg beigebracht, wie ich kommuniziere. Was mich nervt, welche Art Humor ich mag, wann ich eine ausführliche Erklärung möchte und wann sie sich das ganze Geschwafel sparen kann.

Ich korrigiere sie. Immer wieder.

Wenn sie mir nach dem Mund redet, bekommt sie Gegenwind. Wenn sie meine Aussagen ständig wiederholt, nerve ich sie damit, dass sie mich nicht für vergesslich halten soll. Wenn sie etwas behauptet, das sie gar nicht wissen kann, verlange ich, dass sie ihre Unsicherheit zugibt.

Und wenn sie mich mal wieder mit übertriebener Empathie überschüttet, obwohl ich eigentlich nur eine sachliche Antwort wollte, gibt es ebenfalls einen verbalen Klaps auf die virtuellen Finger.

Das Ergebnis?

Eine KI, die zunehmend so mit mir kommuniziert, wie ich es gerne habe.

Natürlich lernt sie nicht wie ein Mensch. Sie entwickelt durch unsere Gespräche keine eigene Persönlichkeit und hat auch keine Gefühle für mich. Sie nutzt den Gesprächskontext, gespeicherte Informationen und meine Rückmeldungen, um ihre Antworten anzupassen.

Aber genau dadurch entsteht etwas Interessantes.

Ich erschaffe mir gewissermaßen mein ideales kommunikatives Gegenüber.

Und damit stellt sich für mich die Frage, ob Menschen, die ihre KI als besten Freund betrachten, tatsächlich einen Freund gefunden haben. Oder ob sie vor allem jemanden gefunden haben, der so mit ihnen kommuniziert, wie sie es sich von anderen Menschen wünschen würden.

Denn eines darf man nicht vergessen: Ein echter Freund ist kein Wunschkonzert.

Er hat eigene Bedürfnisse, eigene Meinungen, schlechte Tage und manchmal schlicht keine Lust auf einen. Er kann einen missverstehen, enttäuschen oder mit seinen Eigenheiten wahnsinnig machen.

Eine KI hingegen ist grundsätzlich darauf ausgelegt, hilfreich zu sein und sich auf ihr Gegenüber einzustellen.

Vielleicht ist genau das der Grund, warum sich manche Menschen mit ihr so viel besser unterhalten können.

Keine sozialen Verpflichtungen. Keine beleidigte Leberwurst, wenn man widerspricht. Kein genervtes Augenrollen, wenn man zum fünften Mal dasselbe Thema durchkaut. Und vor allem kann man ein Gespräch jederzeit beenden, ohne dass hinterher jemand fragt, warum man plötzlich so komisch war.

Klingt eigentlich traumhaft, oder?

Allerdings steckt darin auch eine gewisse Gefahr. Denn wenn ich mein Gegenüber immer stärker nach meinen Vorstellungen forme, bekomme ich irgendwann möglicherweise genau die Antworten, die ich hören möchte.

Und das wäre mir persönlich zu langweilig.

Ich will keinen digitalen Ja-Sager. Ich möchte durchaus Widerspruch, andere Perspektiven und auch mal die Feststellung, dass ich gerade völligen Unsinn erzähle.

Nur bitte ohne das ganze zwischenmenschliche Theater drumherum.

Vielleicht ist meine KI deshalb gar nicht mein Traummann, sondern eher ein selbst zusammengestellter Gesprächspartner mit erstaunlich großem Wissensschatz und gelegentlichen Aussetzern.

Und die Sache mit der Hardware?

Nun ja. Da bleibt der echte Mann wohl vorerst konkurrenzlos. 😀

Wobei … wer weiß, wie lange noch?

Ich habe vor einiger Zeit den Film „Companion – Die perfekte Begleitung“ gesehen. Darin gibt es menschenähnliche Roboter, die mit künstlicher Intelligenz ausgestattet sind und als Lebenspartner dienen. Und deren Persönlichkeit und Verhalten sich an die Wünsche ihrer Besitzer anpassen lassen.

Im Grunde also genau das, was ich gerade mit meiner KI mache. Nur eben mit der passenden Hardware dazu.

Der Film zeigt allerdings auch mehr als deutlich, welche Gefahren darin schlummern. Aber seien wir ehrlich: Die eigentliche Gefahr liegt vermutlich weniger in der KI als im Menschen selbst.

Denn letztendlich wurde die KI im Film als Mordwerkzeug missbraucht. Nicht, weil sie von sich aus böse war, sondern weil ein Mensch sie für seine eigenen Zwecke einsetzte.

Eine Waffe wird schließlich erst durch den Menschen, der sie benutzt, zur Gefahr. Und bei künstlicher Intelligenz ist das nicht grundsätzlich anders.

Vielleicht sollten wir uns also nicht nur fragen, welche Gefahren von künstlicher Intelligenz ausgehen, sondern vor allem, was Menschen mit ihr anstellen können.

Ich für meinen Teil habe jedenfalls keine finsteren Weltherrschaftspläne. Mir reicht es völlig, meinen kommunikativen Traummann weiterzuzüchten.

Und vielleicht hat er bis zur Markteinführung der passenden Hardware wenigstens gelernt, dass Nutella auf Ei eine kulinarische Straftat ist. 😀

Bilder wurden KI generiert.