oder: Wie wir unsere Wohnung an die Kuscheltiere verloren.

Ich habe meine Kinder verloren. Irgendwo zwischen Minecraft, Pokémon und einer beachtlichen Menge anderer Kuscheltiere müssten sie noch sein. Gelegentlich ragt eine Hand heraus. Ich gehe deshalb davon aus, dass sie sich weiterhin in der Wohnung befinden.

Das Beitragsbild ist KI-generiert. Die zugrunde liegende Flauschproblematik leider nicht. Heute ist übrigens der Tag des Kuscheltierliebhabers. Wir feiern den offenbar ganzjährig. Mit einer ziemlich beachtlichen Dauerausstellung.

Wir haben zu viele Kuscheltiere. Wobei „zu viele“ natürlich eine ausgesprochen unfaire Formulierung ist, sobald man vor einem sitzt und ihm dabei in seine viel zu großen Augen guckt. Dann hat man nämlich plötzlich nicht mehr zu viele Kuscheltiere. Dann hat man eher noch Platz für ein weiteres….also zumindest dies eine geht noch….

Ich würde jetzt gern behaupten, dass ausschließlich meine Kinder für diese Entwicklung verantwortlich sind. Dass ich hier die vernünftige Erwachsene bin, die mit strengem Blick auf den verfügbaren Wohnraum verweist.

Aber wir wollen ja ehrlich bleiben.

Die Glubschis und Snackables sitzen nämlich vor allem bei mir. Bei den Jungs reicht das Sortiment von Glubschis über Pokémon und Minecraft bis zu vermutlich sämtlichen Axolotls und Schafen der Stadt. Dazu kommen Animal-Crossing-Charaktere und Marios Freundeskreis. Wir haben hier also durchaus eine Aufteilung. Nur keine freien Plätze mehr.

Meine Glubschis wohnen inzwischen zum Teil in einem Schuhhängeregal an der Schlafzimmertür. Oben links wohnt übrigens eine Gehirnzelle. Die hätte ich wohl häufiger bei mir behalten sollten als es um die Kuscheltieranschaffungen ging, statt sie an der Tür aufzuhängen….

Der einzig Vernünftige hier ist mein Mann. Der hat genau vier Kuscheltiere, die ihm auch noch alle geschenkt wurden. Die vermehrten sich seltsamerweise nicht, im Gegensatz zu den anderen…

Ich verstehe den Reiz dieser Viecher leider viel zu gut. Weiches Fell, ein niedliches Gesicht, vielleicht noch ein bisschen schief guckend. Fertig. Mein Verstand könnte an dieser Stelle durchaus etwas zum Thema Platzbedarf beitragen. Er kommt nur gegen diese Augen nicht an.

Das Gemeine ist: Ein einzelnes Kuscheltier wirkt völlig harmlos. Das passt noch irgendwo hin. Es ist weich, lässt sich zusammendrücken und braucht nun wirklich keinen eigenen Schrank. Aber hundert seiner engsten Freunde haben dieselbe überzeugende Argumentation….

Und dann sitzt man da. Mittendrin. Umgeben von flauschigen Wesen, die alle aussehen, als könnten sie keiner Fliege etwas zuleide tun, während sie gemeinsam die Wohnung übernehmen.

Natürlich könnte man aussortieren. Ein wunderbar sachlicher Gedanke. Funktioniert hervorragend, solange man ihn denkt und dabei kein Kuscheltier ansieht….

Denn sobald aus „Wir müssen hier mal reduzieren“ ein konkretes „Welches kann denn weg?“ wird, bekommt die Sache eine andere Qualität. Plötzlich sitzt da kein Platzproblem mehr. Da sitzt ein kleines Gesicht. Das kann doch nichts dafür, dass hier schon so viele andere wohnen.

Ich merke selbst, dass meine Verhandlungsposition eher schwach ist.

Und so ertrinken wir eben weiter im Meer der felligen Süßaugen. Die Kinder irgendwo darunter, ich leicht resigniert dazwischen. Aber eben auch schmunzelnd. Weil ich die Begeisterung verstehe und es bei aller Menge verdammt schwer finde, diese flauschige Gesellschaft nicht zu mögen.

Falls Ihr also demnächst nichts mehr von mir hört: Bitte sucht unter den Kuscheltieren. Und bringt bloß keins als Suchhelfer mit!

Es reicht schon, dass der Weihnachtsmann wieder welche in seinem Sack für meine Jungs reserviert hat….

Bildhinweis: Das Artikelbild ist KI generiert.