Der Gutachter und das verschwundene Geld

Gestern war Oma bei der Bank. Sie hat 700 Euro abgehoben. Ich dachte nur: Oh mein Gott. Nicht gut. Gar nicht gut. Sie brauchte für Weihnachtsgeschenke plus dem Geburtstagsgeschenk für meinen Bruder ca. 400 Euro. Mit Kleinigkeiten und einer kleinen Rückzahlung die sie tätigen wollte waren es nochmal 150 Euro. Somit brauchte sie 550. Der Rest soll wohl zum Einkaufen sein. Jedoch hat sie eher so gerechnet: 7 Personen bekommen Weihnachtsgeschenke also brauche ich 700 Euro. Ich unterrichtete per E-Mail meinen Onkel davon. Ich äußerte in der E-Mail noch, dass ich ziemlich sicher bin, dass das Geld bis Weihnachten verschwunden ist. Nicht unbedingt ausgegeben aber so gut versteckt, dass es keiner findet.

Ich war eh schon verwundert über Omas Zustand, da sie morgens mit ihrer Heizdecke vor mir stand (meine Ma hatte ihr diese zum Geburtstag geschenkt und sie genießt es jeden Abend drauf zu liegen) und überreichte mir selbige mit den Worten: “Hier kannst Du Deine Heizdecke wieder haben, der Winter ist ja vorbei.” Was machte sie einen Aufstand als ich die wieder aufs Bett zog und sie bat ein Laken aufzuziehen. Sie wollte sie immer wieder runter reißen. Wer sich nun fragt wieso ich es nicht abgelassen habe, dem sei gesagt dass sie prompt heute Abend schon wieder ihre Heizdecke lobt wie gut diese ihrem schmerzenden Rücken tun würde….

Nun denn. Heute sollte um 18 Uhr der ärztliche Gutachter kommen um Oma zu untersuchen. Um 17:30 Uhr war Oma sehr aufgeregt und verstört. Sie fand ihr Geld nicht mehr. Hatte ich es nicht in der E-Mail schon vermutet? Der Gutachter kam und Oma futterte nebenbei ihr Abendbrot. Er stellte ihr Fragen und unterhielt sich mit ihr. Er testete sie mit Fragen. Durch einige kam sie durch, durch andere Fragen fiel sie komplett durch. Er sagte später zu uns, dass sie anfangs einen sehr guten Eindruck noch macht aber dann schnell die Fassade bröckelt wenn man genauer hinsieht und er die Betreuung für angebracht hält. Es tut gut wenn man einmal gesagt bekommt, dass man es nicht übertreibt sondern es wirklich angebracht ist was man da macht.

Nachdem der Gutachter dann weg war, haben Mama, Oma und ich uns aufgemacht das Geld zu suchen. Mama fand es und gab es mir. Es waren noch 550 Euro. Ich habe dann bis auf 200 Euro das Geld einbehalten. Genau das Geld was sie für Weihnachten braucht. Oma war aufgebracht. Sie wollte mal wieder die Polizei rufen. Sie war aggressiv. Ich hätte sie beklaut. Jedes Zureden dass sie das Geld an Weihnachten zur Bescherung bekommt halt nicht. Wir saßen es aus, sprachen mit ihr, lenkten sie ab. Ich gab ihr die 200 Euro und der Rest bleibt nun bei mir bis Weihnachten ist. Wieso der Ärger, wieso der Stress? 1. gibt die das Geld sonst aus und/oder sie verlegt es schon wieder und sitzt am Ende an Heilig Abend weinend da, während wir Ostern nach dem Geld spielen…. Nein danke. Nicht an Weihnachten. Dann hab ich den Ärger lieber jetzt aber an Weihnachten nicht. Nein bitte nicht. Keine weinende Oma weil sie sie schämt, dass sie keine Geschenke hat. Nein nein nein.

Es war ein anstrengender Tag und ich bin froh, dass sie jetzt im Bettchen liegt.


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