Neuer Tag – Farbwechselspiel

Also bei einem Punkt kann mir selbst das Alzheimertelefon nicht helfen. Was tun wenn meine Oma was sucht. Laut deren Aussage müsste ich 16 Stunden am Tag zusammen mit Oma suchen. Aber das geht ja nun mal nicht.

Heute Morgen ging es schon los. Um kurz vor 8 Uhr – ich hatte gerade das Frühstück fertig und wollte rüber gehen – da klingelte Oma, ich solle dringend kommen. Ich kam – samt Frühstück – und hatte dann 45 Minuten das Gesprächsthema dass irgendwelche kleine Dosen aus dem Fenster verschwunden seien. Das war ich jedoch wirklich nicht. Sie wollte eine Leberwurst in so eine Plastikdose tun und die muss exakt die Größe für die kleine Leberwurst haben. Sonst nimmt es ja viel zu viel Platz in ihrem (leeren) Kühlschrank ein. Das ginge nicht. Und wer denn  ihre Dosen geklaut habe. Das kann es ja wohl nicht sein. Egal wie ich versuchte vom Thema wegzukommen, Oma kam immer wieder drauf zurück. Sie stand auf und suchte, sie war in Rage, sie war verzweifelt. Immer ein Wechselbad der Gefühle. Selbst Ablenken hat null funktioniert. Angebote zum Suchen nahm sie nicht an. Erklärungen gehen ja nicht. Da sie keinerlei Krankheitseinsicht hat klappt das nicht. Ihr sagen dass sie es verlegt hat, darf man nicht, weil sie sich sonst schuldig fühlen könnte. Außerdem schreit sie einen dann nur an dass man ihr was einreden will. Sagen dass es sich wieder anfindet, tut sie ab dass nie sich irgendwas anfindet. Dass keiner in ihre Wohnung kann und niemand was klaut – um sie zu beruhigen – wird auch nur abweisend aufgenommen mit dem Kommentar wo es denn sonst sein soll. Da bin ich echt ratlos. Ernsthaft. Ich kriege Oma nicht aus diesem Kreisel dann raus. Nach einer Stunde bin ich dann zu mir und sagte Oma sie solle erst mal ihren Kleiderschrank aufräumen. Das ist ihre neuste Obsession… Sieht danach alles genauso aus wie vorher aber sie ist beschäftigt.

Knapp eine Stunde später klingelte Oma wieder. Ich solle schnell kommen. Ich kam und sie führte mich in ihr Esszimmer. Dort stand eine Schublade offen in welchem Werkzeug liegt. Oma war ganz aufgebracht. Da lag zuunterst ein Papiereinschubhalter in schwarz. So ein schwarzer Plastikkasten halb so groß wie ein DINA4 Blatt. Keine Ahnung was das ist. Könnte ein defekter halber Ablagekasten sein.Nun stand Oma also davor und sagte zu mir: “Kannst Du mir mal erklären wieso da ein schwarzer Kasten drin ist? Der war immer weiß.” Ich stand ziemlich perplex da. Was soll ich dazu sagen? “Keine Ahnung” ja ich weiß, ich war unkreativ. Oma war richtig aufgebracht “Der war gestern noch weiß. Ich hatte nie einen schwarzen. Wieso tauscht den jemand aus. Was hat derjenige denn davon?” Ich: Oma, vielleicht hast nur umgeräumt und der weiße ist woanders?” Böser Fehler. Sehr böser Fehler. Indirekt ihr vorgeworfen somit. Wann lern ich das. Man muss aber auch immer so schnell reagieren. Oma wetterte los: Ach hör mir auf. Dass ihr mir was unterschieben wollt, das weiß ich doch schon lange. Hör mir auf mit Deinen dummen Sprüchen.” ARGH und nu? “Oma, ich weiß es nicht. Oma Du räumst doch momentan viel um und auf. Mach doch erst mal den Kleiderschrank. Dann gehst danach weiter. So kannst alles in Ruhe durchsehen. Ich muss noch arbeiten, ok?” Oma war dann etwas ruhiger und ließ mich gehen. Ich wollte in dem Moment nur noch raus. Ich weiß nicht wie auf dieses “Verschwinden” von Sachen reagieren. Vor allem kommt sie zu 99% immer mit Dingen, wo wir wirklich nicht bei waren. Die Dinge, die wir entfernt haben, merkt sie nicht. Komisch oder?

Heute kommt jemand von der ambulanten Pflege und lernt Oma mal kennen. Sie bleibt 2 Stunden. Dann kann ich in aller Ruhe mich mal ein wenig hinlegen oder aber was anderes machen. Ich bin gespannt wie Oma die Dame finden wird. Bisher ist Oma dieser Art von Beschäftigung abgeneigt. Sie hätte Besseres zu tun, sie habe keine Zeit, sie wird ja nie fertig, was das denn soll, so ein Blödsinn. Ich will aber dass sie noch zusätzlich andere Erfahrungen macht und so ein oder 2 Tage mal über andere Dinge nachdenkt als über schwarz oder weiße Schubladen.


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