Manchmal möchte man einfach nur weinen

In solchen Momenten wenn man zur Ruhe kommt. Oma ist heute wieder bei der Tagesbetreuung. Wir nennen es bei Oma immer Seniorentreff. Das klingt netter. Ich nutzte die Chance die Wohnung durchzusehen. Im Kühlschrank waren Omas selbstgekochte Kirchen mit Buttermilchgrießvanillepuddingextragemisch. Obendrauf ein weißer Schimmelüberzug. Am Dienstag war ich noch unsicher ob ich sie rausnehmen soll und ließ sie drin. Nächstes Mal direkt auf den Instinkt hören. Heute war der Schimmel deutlich. Rausgenommen, weggeworfen, abgewaschen und irgendwo dezent in der Küche die Schale deponiert. Restliche Wurst und Käsebestände kontrolliert. Einen Pudding entfernt – war Sahne oben drauf und da sind 5 Tage übers Verfallsdatum dann doch zu viel. Für diejenigen die meinen: “Kann man doch noch essen” – sicherlich. Wenn ich es öffne und es riecht gut und schmeckt ok dann könnte ich es essen. Ich kann aber vorab genau das beurteilen. Oma nicht. Und ich muss rechnen, dass ich erst am Dienstag wieder ungehindert kontrollieren kann. Bei den Kirschen hatte ich Glück, dass Oma sie nicht gegessen hat von Dienstag bis heute.

Oma und ich hatten gestern gebacken. Na ja sie hat gebacken, ich hab gefilmt und mich mit ihr unterhalten. Es hat ihr Spaß gemacht. Ich begann wieder einen Fehler. Wir stellten den Herd auf 150 Grad. Nach 40 Minuten kam ich wieder zu ihr. Der Herd stand auf 0 Grad. Das wäre die ideale Backtemperatur. Ich stellte ihn wieder hoch auf 150 und lenkte Oma ab so dass der Kuchen noch weiterbacken konnte. Sie nahm den Kuchen heute mit zum Seniorentreffen. Möge es ihnen schmecken. Ich möchte ihn nicht essen. Da sind Pflegekräfte die wissen wie man ältere Menschen vom Kuchenessen notfalls abhalten kann.

Oma hatte Donnerstag ein paar Backzutaten gekauft um eben am Mittwoch mit mir zu backen. Ja weit im voraus. Am Dienstag wollte sie diese abends zurecht stellen. Keine Backzutaten auffindbar. Bis auf die Dinge, welche ich in den Kühlschrank gestellt hatte, waren alle anderen Dinge weg. Futsch. Nirgends zu finden. Oma kaufte erneut Backzutaten. Heute suchte ich nach den Backzutaten. Ich fand sie nirgends. Ich habe keine Ahnung wo diese noch sein könnten.

Beim Suchen stolperte ich jedoch über was Anderes. Shira wurde in den letzten 3 Wochen wieder dicker. Sie nahm deutlich zu und wiegt nun wieder 7,4 Kilo. Wir waren so stolz als wir sie auf 6,8 Kilo runter hatten. :( Wir wussten nicht woran es lag. Meine Ma warf mir schon vor zu viele Leckerli zu geben. Aber ich gab nie viele bzw. nur fettarme und dosiert. Kriegen alle Leckerli bekommt Shira ein halbes. Dafür hat sie freien Zugang zum Trockenfutter. Hungern muss sie nie. Und Ochsenziemer darf sie ohne Begrenzung. Ich hatte nichts verändert zu vorher wo sie abnahm aber sie nahm zu. Die letzte Zeit fand ich immer ein paar Krümel bei Oma. Mal hier mal dort lag ein Trockenfutterrest oder ähnliches. Ich grübelte ob sie noch alte Reste habe. Oma drauf angesprochen sagte immer sie habe nix, das seien alte Dinge die noch rumlagen. Ich glaubte ihr nicht wirklich. Ich suchte schon einmal fand jedoch nichts. Shira hat die letzte Woche dann auch beim Frischfutter mittags gemäkelt und abends das Trockenfutter komplett ignoriert. Ich dachte schon sie hat es vielleicht mit den Zähnen und wollte zum Tierarzt fahren. Heute stolperte ich dann über Omas Hundefutterversteck. Alles voll mit Dreckszeug was richtig fett macht. Frolickram wovon Shira dünne Haufen macht. Dann diese dämlichen Streifen von Pedigree die auch schön ansetzen bei Shira. Und dazu noch Trockenfutterleckerlis. Ich entfernte alles. Stellte dafür ein paar wenige Kauartikel hin welche Shira ruhig futtern kann ohne dass sie dick davon wird.

Nun sitze ich hier und weine im Inneren darüber dass Shira unter Omas Krankheit leiden musste – erneut. Ok sie leidet nicht wirklich. Ist für sie ja ein Paradies vollgestopft zu werden mit allen möglichen Leckereien. Aber das Gewicht ist eben nicht gut für sie.

Gestern war es auch zum ersten Mal eingetreten, dass Oma zur Bank ging und kein Geld ausgezahlt bekam. Das hatte sie noch nie in ihrem Leben erlebt. Sie hatte von mir 250 Euro für den Monat zugeteilt bekommen für ihre freie Verfügung. Sie darf ihr Geld ja ausgeben. Aber wir müssen eben zusehen, dass sie monatlich zurecht kommt. Dass Miete und alles bezahlt ist. Was übrig bleibt bekommt sie auf ihr Taschengeldkonto. Sie hatte am 18. am 20. und 21. April jeweils 50 Euro abgehoben. Vor dem 18. hatte sie auch schon 100 Euro ausgegeben. Somit war sie blank. Sie war total verwirrt darüber. Der Bankangestellte schickte sie zu mir. Sie kam auch. Fragte wer ihr Geld abgehoben habe. Sie natürlich. Es ist ihr Taschengeldkonto. Die Bank ist angewiesen nur ihr am Schalter direkt Geld auszuzahlen. Klappt auch super. Oma meint, sie habe an 4 Tagen nicht 150 Euro geholt. Was solle sie mit soviel Geld. Wofür sie es ausgegeben habe. Woher soll ich das wissen? Ich konnte nur raten. Frisör, Backzutaten, Lotto, Zeitschriften und Nahrungsmittel? Die 5 Euro Ostereier für jeden in der Familie? Da kommt das schon hin. Ich zählte es ihr auf. Da fuhr sie mich an sie könne mit ihrem Geld doch machen was sie wolle, das ginge mich nichts an. Ich guckte entgeistert. “Oma, Du hast mich doch gefragt wofür Du es ausgegeben hast. Ich mache Dir keine Vorwürfe. Ich sage es Dir nur wo Deine 150 Euro hin sind.” Da begann sie wieder sie habe nicht so viel ausgegeben. Ich habe es ihr dann einzeln mit ca. Werten vorgerechnet. Ja das komme hin. Damit war sie zufrieden. Telefonierte dennoch in der ganzen Weltgeschichte rum und erzählte jedem sie habe kein Geld und müsse bis Monatsanfang warten. Ich hab ihr nun 150 Euro vorab überwiesen. Sagte ihr dass sie schon am nächsten Tag wieder was drauf hat. Als Vorschuss sozusagen. Abgeholt hat sie es bisher nicht. Da merkte ich dann doch dass die Betreuung eindeutig die richtige Wahl war. Eindeutig war es die richtige Entscheidung und anscheinend auch der richtige Moment.

Dennoch möchte man manchmal einfach weinen. Allein im stillen Kämmerlein kann man das machen oder in den Armen des Liebsten. Aber vor Oma muss man stark sein egal wie schwer es einem manchmal fällt. Man darf weder seinen Kummer noch seine Sorgen noch seinen Ärger an ihr auslassen. Vielen fällt das schwer. Nicht umsonst liest man immer wieder dass Menschen ins Heim kommen weil die Angehörigen Angst haben aggressiv auf diese zu reagieren und ihnen womöglich was zu tun. Mir fällt es recht leicht bei Oma ruhig zu bleiben und nichts an ihr auszulassen. Ich gehe dann einfach kurz raus – der Vorteil von meiner Wohnung nebenan. Und dort darf ich dann auch mal kurz zusammen klappen und mich sammeln bevor ich wieder zu ihr gehe.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.