Ich weiß nicht, wann ich Frank das erste Mal gesehen habe. Ich war noch ein Kleinkind als wir zum Campingplatz kamen. Haben wir irgendwann zusammen in der Sandkiste gebuddelt? Vermutlich. Vielleicht sind wir sogar Seite an Seite gesessen und haben unsere Schaufeln in den Sand am See gesteckt und gelacht. Beide noch in Pampers. Vielleicht. Ich weiß es nicht, aber möglich wäre es.

Als wir dann Schulkinder wurden, fuhren wir gemeinsam mit unseren Rädern über den Platz. Wir spielten Tischtennis miteinander und ich sah Frank und Benni beim Basteln mit Spielzeugautos zu. Ich glaube, sie wollten sie zu Hoover-Autos umbauen. 

Als Teenager hingen wir auch unter der Woche miteinander ab. Wir erlebten die ersten Lieben und Frank und seine Mutter trösteten mich bei meinem allerersten richtigen Liebeskummer. Wir saßen vor seinem CB Funk und machten Unsinn. Und ich weiß nicht wieso, aber wenn ich an Ravioli in der Dose denke, denke ich immer an die Küche von Franks Elternhaus. Ich weiß wirklich nicht wieso, ich glaube, weil er sie dort aß. Er hatte zumindest als Teenager einen sehr seltsamen Geschmack. Ich erinnere mich daran, dass er Ketchup in die von mir gekochte Puddingsuppe spritze und sie auslöffelte. Oder als wir bei seinen Eltern im Vorzelt saßen und er den Belag der Pizza runter futterte, um ihn danach mit Nutella und ich glaube auch mit Leberwurst zu bestreichen. 

Je länger ich dasitze und mich an früher erinnere, umso mehr kleine Begebenheiten fallen mir ein. So hatten wir alle eine kurze Zeit seltsame Spitznamen. Er wurde Chucky und später auch Timon genannt. Ich weiß nicht mehr wieso Chucky, aber Timon lag an Sebi, der Pumba genannt wurde. Oder ich erinnere mich, wie er mit dem Fahrrad und Handtuch zum See fuhr, um schwimmen zu gehen. Wie oft haben wir unterm Haus gehockt oder auf der Tischplatte gesessen und geredet. Oder Fanta 4 oder Rödelheimhartreim Projekt gehört – es waren halt die 90er… wir saßen bei Torsten daheim rum, zelteten auf dem Zeltplatz, besuchten gemeinsam das Osterfeuer und schwammen im See. Wir saßen in meiner Dachbodenwohnung und schwitzten und lachten. Später saßen wir dann auf seinem Platz und grillten, quatschten und hatten einfach eine gute Zeit.

Einmal hatte ich zu meinem Geburtstag eingeladen und Frank kam und gratulierte mir nicht. Er setzte sich auf mein Sofa und fragte irgendwann Lonse, wieso so viele Leute kommen würde. Er kam zu meinem Geburtstag, zu dem ich ihn auch eingeladen hatte, spontan vorbei und hatte vergessen, dass ich Geburtstag habe. Was habe ich darüber gelacht und es war ihm sau peinlich. 😀

Ich weiß nicht wie viele Stunden ich mit Frank in meinem Leben verbracht habe, aber es waren verdammt viele. Und wie es halt manchmal so im Leben ist, entwickeln sich Leben auseinander und so kam es, dass Frank und ich immer weniger miteinander zu tun hatten. Der Kontakt brach nie ganz, doch blieb er irgendwann auf Social Media und Whatsapp beschränkt. Man tauschte hier und da mal ein Foto, wünschte sich ein frohes neues Jahr und dabei blieb es. Als er mir Ende 2024 von seiner Krebserkrankung berichtete, war ich erschrocken. Doch er war hoffnungsvoll und so war auch ich es.

Aber Krebs ist ein Arschloch und er holte sich am 07. Juni einen der nettesten und lustigsten Menschen, den ich je kennenlernen durfte. Ich werde mich stets an den jungen Mann erinnern, in den ich als Teenager kurze Zeit ein klein wenig verguckt war. Und ich werde mich immer an den jungen Mann erinnern, der mir einst so nah wie ein Bruder war und mit dem ich viele Geheimnisse teilte. Und ich werde es immer scheißen finden, dass er viel zu früh mit nur 45 Jahren gehen musste.