Samstag, April 21st, 2012 | Author:

Das bekam ich in letzter Zeit häufiger zu hören. Conny sei froh dass Du Rentnerin bist. Da musst nicht arbeiten, hast nur Freizeit und kannst tun und lassen was Du willst und musst Dich nicht der ach so harten Arbeitsmarktlage stellen. Ich wünschte wir könnten tauchen.

Ich dachte mir dann nur: WTF, WIE BITTE?

457309_web_R_K_by_Thorben Wengert_pixelio.deWie kommen diejenigen denn auf so einen Mist? Ich soll froh sein krank zu sein? Man möchte mit mir tauschen? Ja ich weiß, so ist die Aussage bestimmt nicht gemeint gewesen. Und trotzdem! Soll ich froh sein dass ich immer Schmerzen habe und eingeschränkt bin und dafür dann nicht arbeiten brauche und kann? Ich würde sofort tauschen. Schmerzfrei sein und arbeiten gehen wäre mir deutlich lieber. Ich war gern in meinem Beruf tätig.

Ja ich hatte jeden Tag heftige Arbeitszeiten von bis zu 16 Stunden und musste dauernd im Auto unterwegs sein und ja auch das Gehalt wäre auf Dauer nicht immer 100% gesichert gewesen sondern wäre nach einiger Zeit erfolgsabhängig geworden aber ich hatte Spaß an dem Job. Ich bin vermutlich nicht die geborene Verkäuferin gewesen aber die beratende Tätigkeit und der Umgang mit den Kunden machte mir Freude und lag mir. Und da störte mich dann auch die lange Arbeitszeit nicht.

Und immer Freizeit? Nein ich habe nicht immer Freizeit. Sicherlich unterliege ich nicht einem Job und den damit verbundenen festen Arbeitszeiten aber auch nur weil ich es nicht kann. Ich muss stattdessen bei Ärzten hocken, Entspannungsübungen machen und mich meinen Schmerzen anpassen. Selbst im Haushalt macht sich meine Erkrankung bemerkbar. Rentnerin und krank sein bedeutet nicht ein Leben im ewigem Spaß und Freiheit zu leben. Wer das denkt, der hat nicht alle Tassen im Schrank….

Ich muss mich nicht dem harten Arbeitsmarkt stellen? Gut, ich habe nun schon seit 2008 keine Bewerbungen mehr geschrieben aber wenn ich mich an 2008 zurück entsinne, zu der Zeit wo ich Jobs Hannover auf der Webseite vom Arbeitsamt in die Suche tippte, da war es nicht viel anders als heute. Die Arbeitsmarktlage war nicht soooo anders aber ich bekam viel positive Rückmeldungen auf meine Bewerbungsschreiben. Wäre meine Erkrankung mit den Einschränkungen nicht gewesen, hätte ich sicherlich so manche Anstellung bekommen können. Mit den Einschränkungen jedoch – keine Chance. Selbst wenn es mit einem Job geklappt hätte, ich hätte es gesundheitlich nicht geschafft. Wenn ich mich zurück erinnere wie schlimm die Schmerzen damals zur Berufszeit noch waren im Vergleich zu heute – da gruselt es mich. Da ging es mir auch von den Erschöpfungszuständen viel schlimmer. Auch seelisch war ich damals doch sehr angeschlagen. Der Druck einen Job zu haben und nicht volle Leistung bringen zu können, das war nicht so leicht für mich zu akzeptieren.

Nein ich bin nicht froh in Rente zu sein, ich würde gern voll arbeiten, aber es geht aktuell eben nicht. Ich kann mir nur schwer vorstellen dass ein kranker Mensch gern in Rente ist und kann nur den Kopf darüber schütteln wie manche Menschen das als erstrebenswert ansehen………

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14 Responses
  1. Kiwi sagt:

    Was hast du denn für eine Krankheit?

  2. katrin sagt:

    Ich bin hin und wieder auf Deinem Blog, und entschuldige bitte wenn ich jetzt ehrlich bin, aber wenn man so oft einkaufen geht und so oft irgendwelche Videos dreht, dann frage ich mich schon warum man nicht arbeiten kann?!

  3. Conny sagt:

    Ich hab Fibromyalgie und noch ein paar andere Sachen.
    @Katrin
    Da sieht man, wie schnell man einer Falscheinschätzung unterliegt. Wenn ich 10 Tage lang jeden Tag ein Video veröffentliche, heißt es nicht dass ich 10 Tage jeden Tag ein Video gedreht habe.
    Ich bin erwerbsunfähig, bedeutet ich kann täglich nur unter 3 Stunden am Stück arbeiten – nur mal so rein formell formuliert. Und ich kann auch nicht so lange Zeit am Stück irgendwas machen. Ich muss immer viele Pausen machen.
    Und oft einkaufen? Na ja ist ja nun auch sehr extrem zeitraubend mal kurz vor die Tür zu gehen und 2 Häuser weiter in den DM einzufallen…. Das ist eine Sache von vielleicht 5 bis 10 Minuten – jenachdem wie lang die Kassenschlange ist…. Und das mach ich ca. einmal die Woche wobei das noch nicht mal gezielt sondern meist nur dann wenn ich sowieso einen Termin hatte, husch ich mal eben im DM rein bevor ich heimgeh.

    Da wird mehr Zeit reininterpretiert als wirklich von mir aufgebracht wird bzw. man denkt ich würde das alles auf einmal und am Stück machen.

  4. Su-Mu sagt:

    @ Katrin, Videos drehen und einkaufen macht
    a) Spass
    b) lenkt ab
    c) kann man machen, wann man will und kann

    Arbeiten ist was anders, du musst zu pünktlich von z.B. 8 bis 16 Uhr oder viel länger deine Leistung bringen, das schaffen Kranke eben nicht.

  5. Spottdrossel sagt:

    Ich glaube, diese Sprüche kommen daher, daß man bei anderen immer das Positive sieht. Ich vergleiche das gerne mit dem Neid zwischen Singles und Verheirateten. Die einen sind neidisch auf die (theoretisch) große Auswahl, die anderen darauf, daß wenigstens 1 menschliches Wesen verfügbar ist… Wer sich grade vom Chef anschnauzen lassen mußte, denkt beim Stichwort “Rente” nur: “Geld für Freizeit”. Daß aber grade die EU-Rente mit erheblichen Einschränkungen verdammt teuer “bezahlt” wird (und außerdem das Geld hinten und vorne nicht reicht), daran wird nicht gedacht.
    Besonders nicht, wenn die Krankheit “unsichtbar” ist.
    Ich möchte nicht wissen, wie viele Leute im Dorf mich für einen stinkfaulen H4-Kandidaten halten… ich kann mir ja schlecht ein Transparent ans Haus hängen mit der Aufschrift “würde gerne arbeiten, geht aber nicht!”
    Und was den Kommentar von Katrin angeht, kann ich bestätigen, daß es ein gewaltiger Unterschied ist, ob man morgens zur Uhrzeit X an der Arbeit erscheinen muß, oder ob Aufsteh- und Pausenzeiten der jeweiligen Tagesform angepaßt werden können, genauso der Wechsel zwischen sitzen, stehen und liegen.
    Grade wer angeschlagen, aber motiviert ist, macht auf der Arbeit oft mehr, als er gesundheitlich könnte, auch, weil man sich blöd vorkommt, “kann ich nicht” zu sagen.

  6. Conny sagt:

    Da hast Du recht.Und das mit dem Transparent-Wunsch kenn ich nur zu gut. Im Endeffekt ist dies hier aktuell mein Transparent xD
    Ich weiß noch dass ich mich damals oft übernommen habe und damit die Schmerzspirale hochschraubte.

  7. Marcus sagt:

    Wenn ich mir anschaue, was Du da hast – den Begriff kannte ich nicht, bzw. nicht dessen Definition – möchte ich nicht wirklich mit Dir tauschen.

    Bis auf vielleicht einen Punkt: Du musst Dich – wahrscheinlich – nicht mit der ARGE respektive dem Jobcenter herumquälen. Was ich da gerade erlebe – und das nur weil ich ein Nebengewerbe angemeldet habe – spottet jeder Beschreibung und jeder Logik!

    Da stellt man einfach mal eben die ALG II Zahlungen (vorläufig) ein, und teilt das dem ‘Kunden’ / Betroffenen eine Woche vor Monatswechsel mit! Klasse, oder?

    Aber ich bin wahrscheinlich auch selbst Schuld, warum melde ich es am 16. und nicht am 1. an!

  8. Conny sagt:

    Ich musste mich früher auch mit der Arge rumschlagen bis die Arge mich zwang Rente einzureichen. Nun schlage ich mich eben mit dem ganzen Rentenprüfverfahren rum. Ist im Endeffekt das Gleiche.
    Oha mit dem Nebengewerbe ist natürlich übel. Die wollen ja genau wissen was verdienst damit sie es anrechnen können.

  9. Sarah sagt:

    Ich schaue deine Videos und mir ist oft auf gefallen, dass du über deine “Krankheit” sprichst. Zufällig las ich heute in deinem Blog, was es ist. Nun ich kann mir vorstellen das manche Menschen das nicht nachvollziehen können, dass du schon in Rente bist. Meine Mutter ist 47, hat seit 12 Jahren Fibromyalgie, die sie nur unter Psychopharmaka erträgt. Auch sie hat dazu noch diverse Nebenerkrankungen. Sie ist schon immer allein erziehend und ihr kleiner Sohn hat das Asperger Syndrom und ist depressiv. Seit Jahren wird ihr gesagt sie solle doch endlich in Rente gehen – naja sie tut es nicht. Sie geht weiterhin einem Halbtagsjob nach und jammern höre ich sie sehr selten. Dies ist nur ein Beispiel wie andere Menschen ihr Leben mit dieser Krankheit gestalten müssen. Ihr würde ich wünschen ihren Stolz bei Seite zu legen und in Rente zu gehen.

  10. Conny sagt:

    Über meine Erkrankung sprech ich in den Videos meist nur wenn in den Tags irgendwas gefragt wird wo meine Antwort damit zusammen hängt. Deiner Mutter würde ich die finanzielle Unterstützung auch wünschen. Nicht jeder hat Anspruch auf die Erwerbsunfähigkeitsrente. Man muss 5 Jahre vorher gearbeitet und in die Rente eingezahlt haben. Meine Mutter hat zum Beispiel keine Chance die Rente zu bekommen obwohl auch sie die gleiche Erkrankung wie ich hat.
    Ich selbst wäre nie auf die Idee gekommen Rente zu beantragen. Aber ich wurde vom Staat dazu gezwungen sie zu beantragen. Ich bekam damals Harz 4 und dann musste ich von der ARGE aus die Rente beantragen andernfalls wäre mir die Grundsicherung gestrichen worden. Wobei man als Rentner nicht auch automatisch erwerbsuntätig ist. Man kann weiterhin was dazu verdienen. Verdient man mehr als bestimmte Beträge wird die Rente um den mehr verdienten Betrag gekürzt.

  11. Melli sagt:

    Hi Conny.. ich finde es immer so schade.. das man sich erklären muss, warum man Rente bekommt !!!.. Ich denke ohne irgendeine Erkrankung bekommt man diese nicht. Muss es zur zeit am eigenen Leib erfahren, wie schwer es ist, solche zu erhalten.. Kämpfe jetzt schon drei Jahre, mit den gleichen Symtomen wie du.. nähere will ich hier net schreiben.. sonst ist mein Eintrag länger als der Blog.

    Leute, glaubt uns.. ich rede in der mehrzahl für alle Fibropatienten.. ihr wollt nicht mit uns tauschen.. Es gibt von 7 Tagen, 6 Tage an denen es uns schlecht geht.. und dann genau an diesem 1, an dem es so geht.. geniesen wie ein wenig unseres Lebens.. und gehen einkaufen, Video drehen oder oder oder.. und genau an diesem Tag seht ihr uns.. und was ist mit den restlichen 6 Tagen.. an denen es uns nicht gut geht.. wo seit ihr da.. wisst ihr dann was wir für Schmerzen habe… nee.. also bitte..

    Ich weiß wie sich Conny fühlt, und ich fühle es so klasse, dass sie das so macht wie es ist.. !!! Mach weiter so, du bist klasse!!!!

    LG
    Melli

  12. Conny sagt:

    Danke Melli. :)
    Du hast es gut zusammen gefasst. Von 7 Tagen geht es einem 6 Tage schlecht und an dem einem guten Tag da reißt man sich zusammen und macht was man kann um tags drauf wieder in sich zusammen zu fallen.
    Es tut mir leid, dass Du momentan kämpfen musst. Ich wünsch Dir alles Gute dabei. :)

  13. Biene sagt:

    Ich muss Katrin schon recht geben. Ich habe selbst nur drei Bandscheibenvorfälle in der Lendenwirbelsäule und kann mich nicht annähernd so bewegen, wie du in deinen Videos ( z. B. Einparkchallenge)…ist schon merkwürdig und du solltest überlegen ob eine erhebliche Gewichtsreduktion und eine Psychotherapie nicht schon wesentlich helfen würde.

  14. Conny sagt:

    Bei manchem würde eine Gewichtsreduktion sicherlich helfen…. aber meine Erkrankung begann bereits als ich 13 Jahre alt und SCHLANK war…. Sicher die Diabetes würde weggehen, ohne Frage aber die Schmerzen blieben. Und wie ich erwähnte, in Vollanstellung in meinem Beruf waren die Schmerzen noch heftiger als heute. Heute habe ich die Zeit gegenzusteuern, das hatte ich im normalen Berufsleben nicht.
    In meinem Einparkchallenge Video sieht man mich ja auch so ausgiebig…. vor allem wo ich in der Nacht vor dem Einparkwettbewerb im Krankenhaus war und auf eigene Verantwortung mich selbst entlassen habe.
    Eine Psychotherapie soll mir Deiner Meinung nach helfen? Wenn man meine Erkrankungen “wegreden” könnte, wäre ja mal ein medizinischer Durchbruch. Sorry aber von der Ferne sowas beurteilen zu wollen, ist wirklich weit aus dem Fenster gelehnt…..

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