Bücher sind doch auch nur Altpapier, wenn man sie durchgelesen hat

In der Brigitte Ausgabe 8 vom 1. April 2015 schrieb Hennig Hönicke über seine Platzprobleme mit Büchern und seine Ansichten zu diesen. Er stellt die These auf, dass Bücher, nachdem man sie ausgelesen hat, nur Altpapier seien, wie eben auch die Tageszeitungen. Er kenne Wohnungen, in denen sich die Bücher wie Silberfische unter Betten und Sofas vermehren. Er denkt, dass offene Bücherschränke sogar nur deswegen existieren, weil nicht alle Bücher so gut sind, dass wir ihnen einen Platz im Herzen und unseren Regalen überlassen.

Geht das nur mir so? – fragt er in der Kolume.

Lieber Henning, nein es geht nicht nur Dir so.
Jedoch kommt man manchmal doch zu einem anderen Schluss.

Ich liebe Bücher. Ich inhaliere Bücher. Die letzte Seite eines sehr guten Buches zu lesen und es zuzuklappen, gleicht der Trennung von einem guten Freund. Bei einem schlechten Buch grenzt es eher an die Befreiung aus 100 Tagen Einzelhaft. Aber Du hast recht. Besitzt man zu viele Bücher, ohne den passenden Platz zu haben, fesseln sie Einen nicht mit dem Inhalt sondern mit den Stapelproblemen. Ich hatte tausende Bücher. Auf eine Such-Annonce von mir meldete sich ein Mann, der nach Indien auswanderte. Er überließ mir eine ganze Garage voller Bücher. Wir mussten 3 Mal mit einem Anhänger und 2 Autos fahren, um alle Bücher zu uns zu transportieren. Ich schaute jedes Buch in Ruhe an. Wählte aus, welche ich behalten wollte und welche nicht. Es waren Viele. Noch mehr jedoch verkaufte ich. Noch mehr jedoch verschenkte ich an die Familie. Noch mehr landeten nach einem Wasserschaden im Schuppen im Papiermüll.

Dennoch…. ich hatte nun Unmengen an Büchern und kaufte von meinen Lieblingsautoren weiterhin nach. Die Bücher vermehrten sich wie Silberfische unter einem Schreibtisch, hinter einer Tür und in Regalen. Ja so erging es mir.
Irgendwann landeten sie auf dem Dachboden in einer eigenen kleinen Minibibliothek. Doch mit den Jahren platzte diese aus allen Nähten. Die Regale quollen über. Ich stappelte in Doppelreihen und davor bildeten mehrere Bücherkisten einen Wall der Undurchdringlichkeit. Um ein bestimmtes Buch zu finden, musste man sich zuerst als Regalfreipacker betätigen.

So setzte ich mich vor kurzem hin und ging alle Bücher durch. Ich wählte erneut aus, mit harter Hand, welches Buch bleiben durfte und welches nicht. Hunderte Bücher wurden danach erneut geprüft, ob ich sie verkaufen kann oder nicht. Gut 500 Bücher machten sich in Paketen zu Amazon zum Eintausch auf den Weg. Andere, deren Zustand nicht gut war, fielen dem Papiermüll zum Opfer. Und der Rest landete bei meinem Nachbar, der ebenso wie ich ein Bücher-Fan ist. Dabei musste ich ehrlich zu mir selbst sein: Klingt das Buch nach “muss ich lesen” oder nur nach “na ja könnte ja mal spannend sein”. Nur Kategorie 1 blieb. Man kann nicht alle Bücher aufbewahren, nur weil es Bücher sind und diese einen Sonderstatus innerhalb der Papiererzeugnisse genießen. Man mietet keine Wohnung von 120qm um nur auf 5qm zu leben, weil die Bücher den Rest bereits eingenommen haben…. Aber sie einfach blind wegwerfen?

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Die Bücher, die bei mir in den Papiermüll landeten, wanderten in einem offenen Karton hinaus, auch wenn der Zustand nur mittelmäßig bis schlecht war. Hier bei uns gibt es keine Papiercontainer. Wir stellen den Papiermüll einmal die Woche vor die Tür. Und so stell ich die Bücher immer offen und gut sichtbar hin. Am Morgen bevor die Müllabfuhr sie abholt, ist die Kiste schon halbleer. So läuft es hier immer. Wir hatten einst einen Buchladen nebenan, der jeden Dienstagabend die Bücher in den Papiermüll stellte, die er nicht verkaufen konnte/wollte. Am Abend traf sich der halbe Stadtteil an der Stelle und suchte sich frischen Lesestoff heraus.

Meine Mutter trägt immer wieder Bücher zum Bücherschrank. Nicht weil diese schlecht waren, sondern weil sie tauscht. Sie hat die Bücher von dort und bringt sie dorthin zurück. Und natürlich holt sie direkt was Neues heraus. Tauschen muss nicht heißen, dass nur Schrott in den Schränken ist. Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten, so dass für den Einen ein Buch Schrott ist, er es in den Schrank stellt und jemand Anderes nimmt es heraus und findet es grandios. Ob derjenige es zurückstellen wird, wer weiß. Vielleicht.

Man ist kein schlechter Mensch, wenn man Bücher entsorgt und dem Altpapier zuführt. Doch es schadet auch nicht, sie anderen Menschen zu schenken. Es zumindest zu versuchen, diese zu verschenken. Von mir aus auch verkaufen. Ich finanzierte mir einen Teil meiner Hochzeit mit dem Verkauf von den mir geschenkten Büchern.

Ja im Grunde ist ein ausgelesenes Buch nur Altpapier. Doch auf der anderen Seite ist ein ausgelesenes Buch für jemand Anderen ein neues Buch und damit eine neue Geschichte, die Vergnügen und Entspannung bringt. Eine Chance auf eine tolle Auszeit.
Warum diese achtlos in den Altpapier-Container werfen?

© Foto condesign / pixabay

3 thoughts on “Bücher sind doch auch nur Altpapier, wenn man sie durchgelesen hat

  1. Liebe Conny,

    ich bin begeistert, dass du dein „Bücherproblem“ so viel besser gelöst hast als ich, bravo! Trotz meiner Kolumne freue ich mich ja in Wahrheit über jedes Buch, das doch noch in einem anderen Regal, statt in der Altpapiertonne landet.

    Viele Grüße

    Henning

  2. Hallo Hennig,
    schade, dass es die gleiche Lösung nicht auch für die Speicherplatzprobleme mit dem E-Book Reader gibt, die ich mit Dir übrigens ebenfalls teile. ;)

    Viele Grüße
    Conny

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