Meine Jungs werden Kindergartenkinder

Vor einem Jahr genau teilte ich mit Euch meine Gedanken zum Thema Kindergarten oder kindergartenfrei. Ich berichtete von einem Besuch in einem Kindergarten und meinem eher schlechtem Bauchgefühl was diesen betraf. Von dem Kindergarten hörte ich übrigens nie mehr was. Beim kleinen Kindergarten um die Ecke stand ich schon zwei Jahre auf der Liste und hörte auch nichts, also hatte ich mich eigentlich schon damit abgefunden, dass wir schlicht keine Plätze bekommen würden. Anfang des Jahres nahm ich das Thema letztmalig in Angriff und erkundigte mich, ob es irgendwo halbtags noch Plätze gäbe. Ich bekam eine negative Antwort nach der nächsten. Für mich stand fest, dass ich meine Kinder nicht ganztags hinschicken wollte. Ich möchte am Leben der Kleinen teilnehmen und möchte mit ihnen zusammen sein. Und ich möchte keinen Eltern, die dringend Arbeiten gehen müssen, einen Platz bzw. direkt zwei Plätze wegnehmen. Das stand für mich fest. Und dann fand ich einen Kindergarten, der 3/4 Plätze anbot. Was ich über den Kindergarten recherchierte machte einen guten Eindruck. Also schickte ich eine E-Mail hin. Ich sollte mich direkt anmelden, was ich tat. Absagen kann man ja immer noch – dachte ich mir.

kindergarten-206883_1920© geralt / pixabay

Nach nur zwei Wochen erhielt ich einen Anruf.

“Haben Sie schon Kindergartenplätze gefunden?”
“Nein, bisher nicht.”
“Wollen Sie welche? Dann können Sie die haben.”
Ich war perplex und überrumpelt. “Öhm, ich würde mir den Kindergarten erst mal gern ansehen.”
“Kein Problem, wie wär es mit übermorgen. Bringen Sie die Kinder ruhig mit.”

Die Stimme am Telefon klang so entspannt und locker, dass ich zusagte. Und so machten die Jungs und ich uns den übernächsten Tag auf in den Kindergarten. Der Fußweg war nicht weit und die Kinder neugierig. Klingeln, eintreten, Jungs Jacken abnehmen, Hallo sagen. Alles ganz entspannt. Die Kinder rannten umher und überall war irgendwer am Spielen. Aha, das ist also ein offenes Konzept. Geordnetes Chaos oder so, dachte ich bei mir. Es gibt mehrere Gruppen und zugehörige Räume. Themenräume. In einem wurden Kinder geschminkt und in einem Miniraum las eine Erzieherin mehreren Kindern eine Geschichte vor. Das sah urgemütlich aus. In jedem Gruppenraum gibt es zusätzlich noch eine Hochebene. Insgesamt wirkte es wirklich wie chaotische Ordnung oder geordnetes Chaos. Das gefiel mir ungemein. Ich ging mit der Leiterin und meinen Jungs einmal durchs Haus und auch nach draußen in den Außenbereich. Alex hatte sehr flott einen Jungen gefunden mit dem er von dannen war. Ich sah ihn nur hier und da an mir vorbei flitzen. Basti hingegen meckerte mich bei jedem Raum an, dass er in den Zug Raum wolle. Tja direkt im ersten Raum sah er ne Holzeisenbahn. Nach dem Rundgang war somit auch er verschwunden während ich noch mit mehreren Erzieherinnen quatschte.

Die Gespräche und was ich sah hinterließen in mir ein verdammt gutes Bauchgefühl. Als ich erwähnte, dass die Jungs zwar immer mal auf Toilette gehen aber immer noch Windeln tragen, antwortete die eine Dame mit einer Wegwischbewegung: “Ach, die kriegen wir schon irgendwann trocken.” Als ich fragte, wie es mit der Brotdose aussieht, hieß es: “Wir halten zu guter Ernährung an.” Ich fragte nach, wie es denn mit Nutella Broten aussehe. “Wenn es ein Vollkornbrot ist, ist doch super.” Als ich erwähnte, dass mein einer derzeit nur Weißbrot mit Nutella futtern mag, sagte die Dame: “Ja gibt so Phasen. Ist halt so.” Also völlig entspannt bei dem Thema. Und das ist heute echt viel wert!

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Ich sah wie ein Mädchen zur Leiterin kam und sie ansprach. Sie Leiterin beugte sich zu dem Mädchen herunter und strich ihr über den Kopf und sagte dabei ihren Namen. Das war eine so natürliche und liebevolle Art, dass sich mein gutes Gefühl nochmal verstärkte. Während wir durchs Haus gingen, versuchte ich darauf zu achten, ob irgendwo Kinder völlig vergessen rumsaßen. Vielleicht einfach allein verkrochen ohne, dass jemand es bemerkt. Aber nein, nirgends konnte ich Kinder sehen, die ausgeschlossen wirkten. Alle waren irgendwo am Spielen. In einem Raum wurde geschminkt (Vorbereitung auf Karneval war das), in einem Raum vorgelesen, in einem Raum bastelte eine Erzieherin und in einem anderen Raum half eine Erzieherin bei einem Spiel, eine Erzieherin war draußen im Außengelände und die Leitung plus zwei Erzieherinnen unterhielten sich zuletzt mit mir. Vermutlich waren noch weitere Erzieherinnen mit einer Gruppe Kinder draußen unterwegs.

Die Jungs und ich verabschiedeten uns und begaben uns wieder heimwärts. Die Jungs fragten mich, wann wir wiederkommen würden und damit war meine Entscheidung gefallen. Ich nahm die Plätze. Das wird somit ab August ausprobiert und dann schauen wir mal, wie es den Jungs gefällt. Sie freuen sich drauf und ich bin einfach nur gespannt. Werden sie mir fehlen oder genieße ich die neue “Freiheit”? Vermutlich beides. Aber das Fehlen wird überwiegen. Die Verträge sind unterzeichnet und es fühlt sich richtig an. Wer hätte das vor einem Jahr noch gedacht. 🙂

Der erste Infoabend war ebenfalls schon und auch da festigte sich mein Gefühl “richtige Entscheidung” nochmal. Alles was ich hörte, sagt mir zu. Alle Erzieherinnen wirken auf mich total sympathisch. Null Antipathie gefühlt. Nicht wie in dem anderen Kindergarten, wo ich letztes Jahr war. Es scheint einfach zu passen. Bei dem Elternabend fiel mir eine Mutter auf. Sie stand draußen vor der Tür und wartete, wie ich auf den Start. Kennt Ihr das, wenn Ihr jemanden seht und irgendwie direkt fühlt, dass die Chemie stimmt? Ich unterhielt mich mit der Mutter nach dem Infoabend noch eine halbe Stunde vor der Tür. Wir fanden uns einfach sympathisch und tauschten Nummern. Ab dem Sommer – sie zieht erst hierher – wollen wir uns treffen und mal schauen, ob unsere Kids sich leiden können. Schon verrückt wie man manchmal jemanden kennenlernt, oder? 🙂

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