Schwere Entscheidungen in der Pandemie

Nun ist er also da, der zweite Lock-down – wenn auch nur in einer Light-Version. Die Kosmetikgeschäfte schließen, Sportstudios schließen, Restaurants schließen für das Vor-Ort-Essen. Der Zoo ist dicht, die Bücherei – alles zu. Kritiker schreien herum, wie unsinnig es sei. Mama Merkels Prognose wurde schneller wahr als uns allen lieb war und wir sind bei 20 k Neuinfektionen pro Tag. Wir leben in einer Zeit des Chaos. Wohin man blickt…. niemand ist mit der Situation happy. Wie könnte man auch….

Natürlich geht das Thema Corona auch an meiner Familie nicht spurlos vorbei. Die Einschränkungen sind hart. Für alle von uns. Keiner von uns weiß, was ist der richtige Weg. Wir wissen allerdings, da die meisten aus meiner Familie Vorerkrankungen haben oder schon sehr alt sind, dass wir vorsichtig sein müssen. Wir wissen, dass wir uns an die Vorgaben halten, denn sie haben unserer Meinung nach Hand und Fuß und bestechen durch Logik und Erfahrung.

Maskenpflicht

Wir dürfen nicht mehr durch unsere Haustür nach draußen treten ohne eine Maske aufzuhaben. Wir wohnen auf einer Fußgängerzone und da herrscht nun rund um die Uhr Maskenpflicht. Ich finde das gut. Schon vor 3 Wochen war es nach dem Abholen vom Kindergarten teils so eng auf unserer Straße, dass ich nicht wusste wie ich mit Kindern und Rollator genug Abstand zu Anderen halten soll. Ich nahm die Kids teils auf den Rollator, damit ich besser herumfahren konnte um die Menschenansammlungen. Dazu noch die verschiedenen maskenlosen Bettler, die einen stets zu nah kamen…. das will man als Mama einfach nicht, schon gar nicht während einer Pandemie. Deswegen begrüße ich das Gebot der Maskenpflicht auf Einkaufsstraßen. Schaue ich hingegen aus dem Fenster, so erblicke ich leider ziemlich viele maskenlose Gesichter. Egal um welche Uhrzeit. Die Menschen verstehen es einfach nicht. Die Zeitung titelte: Erster Tag immerhin 50% trugen Maske und lobten die Quote. Ich verurteile die Quote. Nur die Hälfte der Menschen machen mit? Das reicht einfach nicht! Klar ich schaue nur ab und an kurz raus, aber meine Stichprobenblicke ergaben bis heute keine andere Quote als 50%.

Krank daheim

Seit dem 23. Oktober sind meine Kids nicht mehr im Kindergarten gewesen. Das lag zunächst daran, dass an dem Wochenende beide mit Husten anfingen. Mal wieder eine Erkältung, dabei hatten sie gerade erst eine auskuriert. Mein Mann und ich zogen dann 5 Tage später mit Erkältung nach. Ich bin noch mittendrin und durfte deswegen erneut Arzttermine verlegen. Niemand will einen mit Erkältung in seiner Praxis sehen. Verständlicherweise in dieser Zeit.

So betrachteten wir die explosionsartige Vermehrung der Infektionszahlen von daheim und uns wurde immer grummliger im Bauch. Das ungute Gefühl wollte nicht mehr weichen. Der Gedanke die Kinder wieder in den Kindergarten zu schicken, wenn die Zahlen so aussehen….. nein… da fühlte ich mich nicht mit wohl.

Die Entscheidung fiel

Als dann der Lock down light angekündigt wurde, fiel unsere Entscheidung. Ich rief im Kindergarten an und stellte meine Kinder für unbestimmte Zeit frei vom Besuch. Die Leitung hatte natürlich Verständnis und wir sind wohl auch nicht die einzige Familie, die sich so entschieden hat. Ich habe mitgeteilt, dass ich die Entscheidung überdenke, wenn es wieder zu geschlossenen – sicher geschlossenen – Gruppen kommt. Die Entscheidung fiel uns nicht leicht, aber wir fühlen uns besser damit.

Warum diese Entscheidung?

Wir sind noch immer krank. Müssten also sowieso noch daheim bleiben. Der Hauptgrund ist jedoch das offene Konzept des Kindergarten. 100 Kinder können sich frei über den Weg laufen. Auch wenn derzeit es versucht wird auf 50 Kinder je Ebene zu begrenzen, ist der Hof für alle Kinder zeitgleich offen und somit kann jedes Kind auf jedes Kind treffen. Ein Infektionsschutz ist somit nicht gegeben und niemand kann eine sichere Gruppe definieren. Man hat das Risiko von 100 Haushalten somit. Bemühen zu trennen und sicher zu trennen sind für das Infektionsrisiko sehr heftige Unterschiede in der Wahrscheinlichkeitsrechnung.

Hinzu kommt, dass ich selbst zur Risikogruppe gehöre. Genau wie meine Mutter, mein Opa, meine Großtante, mein Onkel – ach fast alle. Kürzen wir das mal ab. Wenn ich mir die Frage stelle, ob die Kinder besser ohne mich oder ohne Kindergarten auskommen, fällt die Antwort leicht.

Die Zahlen sind fern von Gut und Böse. Sie sind zu hoch. Ja angeblich sind Kinder keine Infektionstreiber – aber bei der Studie waren die Zahlen weit weg vom heutigen Stand. Es wurde ebenfalls gesagt, dass man bei 75% der Infektionen gar nicht weiß, wo die Ansteckung war. Und ebenso ergibt die Untersuchung der Blutproben vom Diabetes 1 Test von Kinder aus dem Pandemiezeitraum, dass die Dunkelziffer unentdeckt infizierter Kinder vierfach so hoch ist, wie man wusste. Das alles ergibt kein gutes Bild für Kindergärten und Schulen.

Weiterer Punkt ist meine traurige Luxussituation. Ja so muss ich es durchaus nennen. Ich bin krank, ich bin erwerbsunfähige Rentnerin und bin sowieso daheim. Ich kann mich um meine Kinder kümmern. In dieser Zeit ist mein bescheuertes Schicksal mal vorteilhaft für die Sicherheit meiner Familie.

Unter’m Strich ist es sowieso egal wie ich mich entscheide, denn egal wie man es macht, es wird immer für jemanden verkehrt sein. Ja ich habe ein sauschlechtes Gewissen, dass sie ihre Freunde im Kindergarten nicht sehen können. Ja, mir tut das unendlich leid. Und ja der Kindergarten würde für sie beide soziale Vorteile bringen. Ich stimme dem allem zu. Aber all das steht in keinerlei Verhältnis zu einer vielleicht toten Mutter, wenn sie sich dort infizieren. Infizieren kann man sich überall – ohne Frage. Aber man kann Risiken minimieren. Nun kann man sagen, dass ich übertreibe. Aber hey, wir fahren gerade unsere Wirtschaft gegen die Wand und das nicht aus Langeweile…..

Wie kommen meine Kinder damit zurecht?

Überraschend gut. Sie freuen sich auf das Spielen zuhause. Sie finden es schade ihre Freunde nicht zu treffen. Aber sie haben dennoch Spaß. Es ist ein Vorteil, dass sie Zwillinge sind. Ein gleichalter Spielpartner ist somit immer vorhanden und da sie sich ausgesprochen gut miteinander verstehen, kommen sie somit gut zurecht. Ja sie schauen gern TV, sie zocken auch gern Konsole und sicherlich mehr als andere Eltern ihren Kids erlauben würden. Aber sie lassen von sich aus all den Kram auch den ganzen Tag aus und machen andere Dinge. Sie denken sich gemeinsam Spiele in ihrem Zimmer aus. Spinnenwürfeln fand ich interessant. Es ging drum dass derjenige dran ist, den die Spinne (Kuscheltier) nach dem Werfen ansieht. Ich bekam nur nicht mit, was derjenige dann tun musste. Oder sie sitzen stundenlang im Esszimmer und malen und schneiden Dinge aus und kleben irgendwas zusammen. Sie lieben das gemeinsame Basteln mit mir und auch Spielen und Lesen sie gern mit mir zusammen. Wir haben da eine riesige Auswahl an Beschäftigungsmöglichkeiten und wir nutzen sie. Vormittags beschäftigen sie sich meist selbst und nachmittags ist eher so die gemeinsame Zeit. Das funktioniert gut.

Solange wir noch husten und sniefen, bleiben wir daheim. Wir sind viel drinnen derzeit oder maximal mal auf dem Hof. Mit Husten will niemand draußen auf der Straße rumrennen oder sich auf einem Spielplatz aufhalten. Da wird man sehr böse derzeit angeschaut…. Das tu ich uns nicht an. Sobald der Husten nachlässt, werden wir zu bestimmten Uhrzeiten auch die Umgebung wieder erkunden gehen. Ich passe da gern Zeiten ab, wo nicht viel los ist. So weiß ich beim Spielplatz um die Ecke genau, wann die Kindergartengruppen kommen und wann wir dort Ruhe vor ihnen haben.

Das Leben geht weiter… irgendwie

Für uns bleibt es jetzt erstmal so, dass ich die Kids daheim betreue. Wir werden sicherlich nicht komplett auf Kontakte verzichten, aber wir schränken sie weiter wie gehabt ein. Ich treffe meine Familie nicht sondern telefoniere viel mit ihr. Gerade für meine Großtante ist es schwer uns nicht zu besuchen. Ein Freund der Kinder geht derzeit auch nicht in den Kindergarten, da wären Treffen möglich. Die Tochter einer Freundin geht zwar zur Schule, aber sie ist in ihren jungen Jahren sehr verlässlich und hält sich an alle Regeln, da sehe ich auch weniger Probleme mit Treffen. Somit werden wir nicht zu Heidis Opa und die Kinder bewahren wenige gute gleichalte Kontakte. Aber ansonsten fällt hier alles aus. Weihnachten bleiben wir unter uns. Familie nur per Telefon oder Webcam. Halloween – nope. Wir bastelten nur. Matten Matten Mähren – Nope. Werden meine Kinder dies Jahr auch nicht kennenlernen. Laterne laufen – vielleicht ganz allein. Derzeit haben wir unsere Laternen ins Fenster gestellt. Eine schöne Alternatividee zum Martinsumzug. Ähnlich der Regenbögen.

Ich bin gegen Grippe geimpft, meine Kinder werden nächste Woche gegen die Grippe geimpft und für meinen Mann suchen wir noch eine Impfdosis. Da müssen wir auf den Nachschub beim Doc warten.

Und so manche Reglung ist mir unbegreiflich. Ich verstehe nicht, wieso der Kontakt so stark eingeschränkt wird, aber offene Kindergartenkonzepte solange offen bleiben dürfen bis die Einrichtung einen Infektionsfall hat. Da muss das Kind bei dem Wert 100 erst danach in den Brunnen fallen bevor man die große Menge schützt. Das begreife ich einfach nicht. Nur zwei Haushalte bitte zusammen sein, aber Kinder aus 100 Haushalten dürfen sich kreuz und quer über den Weg laufen und werden erst auf 25 Haushalte begrenzt, wenn ein Kind oder Erzieher in Quarantäne kommt. Diese Regelung ist doch Irrsinn! Denn kommt es zu dem Fall müsste man theoretisch sofort alle in Quarantäne schicken, denn man weiß doch überhaupt nicht mit wem das Kind oder der Erzieher direkten Kontakt hatte. Wenn sich die Reglung nicht ändert, werden meine Kinder wohl lange daheim bleiben….

Wo auch ich Kritik übe, ist die Schließung der Büchereien. Egal wann ich dort war, es war nie voll und mit den Körben stets gut gelöst, um den Besucherstrom zu kontrollieren. Abstand war stets da und so gut, dass ich sogar meine Kinder mit hin nahm. Warum diese dicht machen mussten, erklärt sich mir nicht. Dort wurde stets mehr Abstand gehalten als beim Aldi oder anderen Einkaufsläden.

Nun würde mich interessieren: Wie hättet Ihr an meiner Stelle entschieden? Es geht dabei nicht darum mich umzustimmen, denn unsere Entscheidung ist gefallen und wir fühlen uns gut mit ihr. Aber mich würde interessieren, wie Ihr das Ganze seht. Und bitte, falls Ihr Coronaleugner oder ähnliches seid: Eure Antwort interessiert mich nicht und wird hier auch nicht freigegeben. Dem biete ich keine Plattform. Sorry…. not mein Weltbild.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.