Ich habe heute einen Artikel in der BILD gelesen und bin zutiefst erschüttert. Eine 37jährige Frau geht kurz vor 22 Uhr nochmal mit ihrem 3 Monate alten Säugling um den Block zu Rewe etwas einkaufen. Die Stadt Renningen hat um die 20.000 Einwohner, man könnte sagen eine durchaus ländliche Kleinstadt in schöner Lage. Der Rewe liegt etwas abseits am Stadtrand. Es ist Sommer, es ist ein lauer Abend, ein Neugeborenes, was vielleicht nicht schlafen mag – da ist frische Luft doch genau das Richtige. Dabei noch schnell etwas einkaufen, wieso nicht?
Und ich höre schon die Stimmen, die ausrufen: „Wieso muss man auch so spät abends noch unterwegs sein und dann mit Kind?“. Doch ignorieren wir diese und schauen was weiter passierte.
Die Mutter kauft ein und verlässt den Rewe zur Ladenschlusszeit und begibt sich auf den 15 Minuten Rückweg. Ob ihr jemand folgte? War es spontan? War sie vorher schon beobachtet worden? Sie läuft gemütlich heim mit ihren Taschen und dem Kinderwagen und kommt auch daheim vor dem Mehrfamilienhaus an. Sie wohnt in der 2. Etage und stellt den Kinderwagen kurz neben der Eingangstür ab. Sie wird sich sicherlich gefragt haben, wie sie alles auf einmal hochtragen soll und sich dann dafür entschieden haben, nur schnell die Tüten hochzubringen, um danach Ihren Sohn zu holen.
Und wieder höre ich die Stimmen: „Wie kann man nur sein Kind allein im Kinderwagen draußen stehen lassen?“
Doch ignorieren wir auch diese und schauen was weiter passierte.
Die Mutter kommt herunter und ihr Sohn ist weg. Er ist drei Monate, er wird nicht selbst abgehauen sein. Jemand nutze die Gelegenheit und entführte ihr Kind aus dem Kinderwagen. Unerträglich ist die Vorstellung dessen, was die Mutter in dem Moment fühlte. Unerträglich ist es, sich auszumalen, was sie dachte und sich vorwirft. All die Stimmen können schweigen, denn keine Stimme wird lauter sein als ihre eigene.
Darauf folgte ein Großaufgebot der Polizei. Alles mögliche wurde unternommen, um das Baby zu finden. Und sie fanden ein Baby. Ein totes Baby. Derzeit läuft noch die Identifizierung, doch da die Suchmaßnahmen eingestellt wurden, ist das wohl nur noch eine Formsache.

Wie unerträglich ist der Schmerz dieser Mutter. Wie unerträglich ist die Vorstellung, dass wir in einer Welt leben in der jemand willkürlich ein Baby entführt und tötet. Ein unschuldiges Wesen. Wie unermesslich der Schmerz dieser Familie.
Ich will nicht akzeptieren, dass wir in einer Welt leben, in der Menschen der Mutter vorwerfen, dass sie unverantwortlich ihr Kind mit raus nahm und es kurz vorm Haus allein ließ. Ich will nicht, dass wir in so einer Welt leben, wo man so etwas nicht tun darf, denn es würde bedeuten, dass die gesamte Menschheit verkommen wäre und es nichts Gutes mehr gäbe.