Von der Hose zum Kleid – wie sich mein Kleidungsstil wandelte

Wie Ihr wisst, wurde bei mir vor einem Jahr die Diagnose Lipödem gestellt. Seitdem hat sich in meinem Leben doch einiges verändert. Ich nahm einst innerhalb einer Woche 10 Kilo zu und ab. Einfach so. Mein Hausarzt verschrieb mir daraufhin ein niedriges Blutdruckmittel mit kombinierter Wassertablette. Die Folge war, dass ich nur noch 2 bis 3 Kilo je Woche ab oder zunahm und mit etwas zu niedrigem Blutdruck rumlief. Leider sind Wassertabletten kontraindiziert bei Lipödem, doch wusste da noch keiner, dass ich darunter leide. Nach Diagnosestellung setzte ich die Tabletten sofort ab und erhielt meine erste Flachstrickkompression.

20883051_10214636730132326_5016347354967085479_nVon Rundstrick zu Flachstrick

Die Umgewöhnung war hart. Meine Hände waren ständig aufgerissen, blutig und wund und das trotz Handschuhen. Der feste Flachstrichstoff ist sauschwer anzuziehen. Im Sommer ist es verdammt heiß darin, im Winter war es eine Wohltat. Mein Gewicht sank sofort um knappe 8 Kilo und ist seitdem stabil. Täglich wasche ich die Kompressionsversorgung in der Waschmaschine und zwänge mich Tag für Tag hinein. Es bewahrt meine Beine auseinander zu gehen wie ein Hefekloß.

Kleidungsumstellung

26167406_10215785528171559_6751597861417225167_nMein erstes Problem waren meine Hosen. Durch die Abnahme waren sie zu weit. Und die, die zu eng waren, passten auch mit der Flackstrickkompressionskleidung nicht mehr. Ich bestellte 8 Mal im Onlineshop um immerhin 3 Jeans zu finden, die halbwegs saßen. Na ja gut aussehen ist dennoch anders….

Ich befasste mich also mit Kleidern. Ewigkeiten trug ich superselten ein Kleid. Es waren die typischen Dicken-Probleme, die mich davon abhielten. Aufgescheuerte Oberschenkelinnenseiten und keine passenden flachen Schuhe waren meine Hauptprobleme mit Kleidern. Dank der Kompression war die Zeit der aufgescheuerten Oberschenkel eh vorbei. Die Schuhe blieben ein Problem, doch ich schraubte einfach meine Ansprüche runter. Mein Fersensporn geht vor dem gut aussehen. Und als ich vor zwei Wochen im orthopädischen Schuhgeschäft ein nettes Paar Sandalen für Einlagen für lediglich 40 Euro erwischte, schlug ich zu und war happy.

Hallo Kleider

Nun hieß es Kleidungskauf. Ich legte mir im vergangenem Jahr um die 10 Kleider und sogar zwei Röcke zu. Ärmellose Kleider kombiniere ich mit einem schwarzen Chiffon-Bolero. Das versteckt die Lioödem geplagten Oberarme ein wenig und ich mags optisch einfach. Ob knielang oder bis zu den Knöcheln, ich fühle mich durch die Kompressionsstrümpfe einfach wohl in Kleidern. Sogar ein ewig nicht getragenes Longshirt mit Fransen, was mich fast wie eine Indianerin aus früheren Zeiten aussehen lässt, traue ich mich lediglich mit der Kompression kombiniert zu tragen. Das hätte ich vor einem Jahr noch nicht so angezogen. Niemals. Doch ich fühle mich heute so wohl.

Auch mein Mittelalterkleid habe ich wieder hervorgekramt und trage es im Herbst und Winter sehr gern. Verspielte Kleider waren schon immer mein Ding, auch wenn ich sie früher nie trug. Heute trage ich sie gern und werde sicherlich noch einige dazu kaufen. Einen wunderschönen Shop für Mittelalterkleider und Gothic sowie Steampunk Sachen habe ich auch schon in meinen Favoriten gespeichert. Da werde ich mich zum Herbst hin nochmal in Ruhe umsehen und schauen, was mich die kommenden Monate begleiten darf. Ich mag die Art der Kleider einfach. Sie wirken elegant und sind meist dennoch bequem.

Gewöhnungssache

Ich habe für mich festgestellt, dass die Kompressionskleidung und die Modeauswahl dazu eine Gewöhnungssache ist. Meine Hände bluten schon lange nicht mehr und bildeten auf den Fingerknöcheln Hornhaut, die mich schützt. Das Anziehen gelingt einfacher und wenn ich nach dem Ausziehen merke, wie abends meine Knöchel und Beine anschwellen, bin ich dankbar dass ich tagsüber die Kompression trage. Für den Sommer entwickelt man kleine Hilfsmittel, um die Hitze zu überstehen. So klage ich zwar über die Wärme, doch dank Wasserspritze in der Handtasche verwandelt sich die Kompression zur angenehmen Dauerkühlung. An das Wusch Wusch Geräusch beim Laufen muss man sich gewöhnen und sicherlich wundert sich so mancher Begleiter über das mich begleitende Geräusch, doch komische Blicke bekam ich deswegen noch nicht.

Da ich bisher stets schwarze Kompressionsstrümpfe wählte, suchte ich mir vor allem Kleider mit Muster aus. Je bunter, umso besser. Nur weil man dick ist, muss man nicht als graue Maus rumlaufen. :) Ich fühle mich so sehr wohl und trage die Kleider gern, auch wenn meine Schuhe nicht immer so toll dazu aussehen, aber wie sagte ich bereits: Gesundheit geht vor Schönheit. Und wen mein Anblick stört, der muss halt weggucken. :) Soviel Selbstbewusstsein habe ich dann auch noch. :)

Zuhause nur noch mit Longshirt

Daheim bin ich übrigens sehr pragmatisch. Ich trage stehts nur die Kompression und ein T-Shirt oder Longshirt. Manchmal auch ein Hauskleid. Bequem, einfach und man kann jederzeit Besuch die Tür öffnen. Es ist nicht alles schlecht an der Flachstrick-Kompression. Dass ich nun Kleider tragen kann und mich damit sogar wohlfühle, ist definitiv was Gutes an der ganzen Krankheitsgeschickte. Und dazu bewahrt sie mich vor dem Druckschmerz – meistens zumindest. Mir bleibt eh nichts übrig als mich mit der Flachstrickkompression gutzustellen, sie wird mich bis zu meinem Lebensende begleiten. Tag für Tag, Monat für Monat, Jahr um Jahr…. bis ich in die Kiste hüpfe. So ist das eben, wenn man Lipödem hat. Also warum damit hadern, dann mache ich es mir lieber zu etwas Gutem. :)

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