Adieu Shira

Mitte Oktober wurde Shira operiert. Von da an sorgten wir uns sehr um sie, denn wir erfuhren dass es ein bösartiger Tumor war. Sie war noch gut drauf und lebendig. Jedoch musste sie fast ständig die Halskrause tragen. Nach der Op nahmen wir sie ab und erstmal war alles gut. Doch die Beule fing hinten wieder an zu wachsen und plötzlich leckte sie sich blutig. Also musste die Krause wieder drauf. Einen Tag spielte sie mit mir und war recht wild, am Tag darauf sprang sie nirgends mehr hoch, kam schwer auf die Beine und lief wie eine alte Frau. Da hatte sie sich wohl kurzzeitig was verzerrt. Sie bekam eine Spritze und es wurde besser. Doch die Beule wuchs und wuchs und schon hatte sie sie wieder blutig geleckt. Wir verbanden sie, desinfizierten und kümmerten uns. Solange sie gut drauf war und wache Augen hatte, schien alles gut zu werden.

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Mitte Dezember hingegen war nichts mehr gut. Shira war nicht gut drauf. Sie hatte neue Medikamente bekommen und zog sich von uns zurück. Sie wirkte als habe sie Schmerzen. Meine Ma fuhr mehrfach mit ihr zum Tierarzt. Ich wollte ganz sicher sein, ob es der Krebs ist oder die Medikamente dran schuld waren, dass sie sich mehrfach übergab und zurückzog, kaum noch frag und viel schlief. Sie lag im Waschraum und beobachte mich. Normalerweise wäre sie sofort zu mir gekommen, wenn ich irgendwo am Boden sitze. Doch sie blieb mir fern. Sie nahm auch immer weiter ab. Sie wog zuletzt knapp über 5 Kilo.

Am 18. fuhr meine Ma morgens zum Tierarzt und per Ultraschall wurde ein neuer Schatten gesehen. Sie bekam Kontrastmittel und sollte nachmittags nochmal geröngt werden. Meine Mutter musste mit ihr hinfahren, weil ich mit den Kindern beim Kinderarzt war. Alex Husten war schon zu lange da und ich wollte es unbedingt abklären lassen vor den Feiertagen. Als meine Ma nachmittags hinfuhr, erhielt ich den Anruf, der mich vor eine schwere Wahl stellte.

 

Shiras Schleimhäute im Maul und in den Augen waren hell und farblos. Das deute auf innere Blutungen hin. Zusätzlich ist die Haut am Tumor aufgeplatzt. Der Tierarzt nahm an, dass auch im Innern der Tumor aufgegangen sei. Das Röntgen wolle er nicht mehr machen. Er sagte, der Zustand habe sich so radikal verschlechtert, dass er sie nicht heim mehr gehen lassen will. Er selbst ist krank gewesen und wäre normalerweise gern am Abend gekommen um sie daheim bei uns zu erlösen, aber dazu war er krankheitsbedingt nicht in der Lage. Ich könnte mich in die Bahn schwingen und zu ihm kommen, er würde dort warten oder er mache es mit meiner Ma direkt. Es tat ihm sehr leid, aber er wolle sie nicht weiter leiden lassen.

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Ich sprach danach noch mit meiner Ma. Wir gingen die Optionen durch. Ich wäre sehr gern bei ihr gewesen, hätte sie gern im Arm gehalten, doch bis ich mit den Kindern – eines davon schwer am Husten – dort gewesen wäre, wären locker 1,5 Stunden vergangen. 1,5 Stunden in denen Shira in fremder Umgebung hätte weiter leiden müssen. Schweren Herzens gab ich mein Einverständnis, dass sie im Beisein meiner Ma eingeschläfert wird. Ohne mich. Es war für mich eine sehr schwere Entscheidung, doch laut meiner Ma war Shira nicht mehr wirklich da zu dem Zeitpunkt. Sie wirkte apathisch und teilnahmslos, gab nicht mal mehr einen Laut bei der Betäubungsspritze von sich.

Die Entscheidung fiel mir sehr schwer, aber mein Bedürfnis bei ihr zu sein darf nicht schwerer wiegen als ihre Erlösung von den Schmerzen.

Meine Ma brachte Shira mit heim. Eingebettet in einer Kiste. Ich holte sie aus dem Auto und trug sie zu uns. Am Abend nahm ich mir – nachdem die Kinder schliefen – viel Zeit um Abschied zu nehmen. Am nächsten Tag wurde sie zum Einäschern abgeholt. Sie wird von uns in einer kleinen Urne beigesetzt werden.

Die Kinder verstehen nicht wirklich, was passiert ist. Sie wissen, dass Shira weg ist. Sie wissen, dass sie sehr krank war und nun gestorben ist. „Dann ist Shira nun ein Hundeengel und spielt mit Onkel Robert auf der Wolke“, was die Aussage von Alex dazu. Ein schöner Gedanke.

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