Wie der Corona Verdacht meinen Geburtstag killte, mein Arm rot wurde und ich dennoch Käsekuchen aß

Ja Ihr lest richtig. Corona killte meinen Geburtstag, aber ich will von vorn beginnen.

Da ich zu der gefährdeten Menschengruppe gehöre und dazu gerade erst die Erfahrung machte, wie wichtig es ist einen gut gefühlten Gefrierschrank zu haben….. der Fieberzeit sei Dank….. musste ich meine Vorräte wieder auffüllen. Dieses tat ich jedoch einige Tage BEVOR Deutschland zu hamstern anfing und daran tat ich gut. Meine Vorräte waren wirklich zum größten Teil aufgefressen. Ich verfolgte die Nachrichten. Eigentlich wollte ich den Gefrierschrank richtig leer machen, um ihn abzutauen, aber die Versicherungskauffrau in mir schrie „GEH EINKAUFEN. Du weißt wie das wird….. Du kennst Dich mit Wahrscheinlichkeitsrechnungen aus…..“ Und ich folgte dem Ruf. Als überall in den sozialen Medien das Gelächter über das Hamstern losging, saß ich da und schüttelte den Kopf. „Es kann so flott gehen“ , dachte ich nur und besah meine Vorräte. In einem weiteren Blogartikel werde ich Euch ein wenig darlegen wieso ich was geholt habe, aber ich bin keine der 50 Kilo Nudeln und Reis Käufer und schon gar keine 500 Pakete Klopapier Käufer gewesen. Ich habe mir ausgerechnet, dass ich für 20 Tage versorgt sein will zusätzlich zu dem was ich aktuell eh verwende, was im Schnitt für 5 bis 7 Tage nochmal gerechnet ist. Denn das war die Zeit, die wir beim Fieber der Kids überbrücken mussten, mit flottem Essen, verschiedenen Alternativen und keiner Lust noch Kraft einkaufen zu gehen.

Der Hamster lässt grüßen

Doch genug von den Vorräten, auch wenn ich bei Ebay Kleinanzeigen extra eine Schrankwand noch von meinem Bruder und meinem Mann gratis abholen ließ, um alles ordentlich zu verstauen. Wobei ich eh auf der Suche nach einer solchen war. Das war nur gutes Timing.

Die Hamster hamsterten, die Menschen lachten über sie und ich verteidigte in Privatgesprächen immer wieder, dass es so schnell gehen kann….

Mein 40. Geburtstag

Und dann kam mein 40. Geburtstag. Es war ein Dienstag und wer feiert schon gern Dienstag. Nein, ich wollte Samstag mit Freunden und Familie nachfeiern. Am Geburtstag selbst kam nur Steffi vorbei und wir tranken gemütlich Kaffee und aßen Erdbeerkuchen mit meinen Jungs. Das war entspannt und schön.

Am Donnerstag plante ich den normalen Wocheneinkauf für den nächsten Tag plus ein paar Extras für meinen Geburtstag – das meiste hatte ich schon – da kam mein Mann nach hause und sprach die Worte: „Ich bin morgen daheim. Wir sind Verdachtsfall.“

Mir fiel für eine Sekunde alles aus dem Gesicht und dann begann mein Hirn alle Optionen und Folgen abzuhaken. Ich bin eine Macherin und Organisatorin und somit setzte ich alle Dinge in Bewegung, die dazu gehören. Ich sagte als erstes die Feier ab. Restlos gestrichen. Wird nicht nachgeholt mehr. In dieser Zeit macht es einfach keinen Sinn meine Verwandten einer Gefahr auszusetzen. Zu viele sind über oder nah dran an 80. Und auch über 60 sind bereits mehrere. Dann überlegte ich was an Einkäufen uns trotz der Hamsterei wirklich fehlten und organisierte meine Ma als Einkäuferin und meine Nachbarin als Hochträgerin. Dann versuchte ich rauszufinden inwiefern meine beiden Impfungen, die ich an dem Tag hatte durchführen lassen (Pneumokokken und Herpes Zoster) darauf reagierten würden – ganz ehrlich ich fand null zu dem Thema….

Am nächsten Morgen informierte ich alle wichtigen Stellen und lernte erstmal eines: Niemand weiß Bescheid und keiner hilft. Ja wirklich…. so leid es mir tut das zu sagen. Die Mail ans Gesundheitsamt ist bis heute nicht beantwortet und auch der Anruf beim Gesundheitsamt ist ohne Rückruf. Hausarzt war bemüht aber auch ratlos. Drei Tage habe ich versucht die 116117 zu erreichen. Einmal hatte ich sie am Ohr und da wusste wieder niemand was. Ich fasse mal zusammen:

  • Hausarzt kann nicht testen – keine Schutzkleidung – empfiehlt sich daheim einzuschließen und versuchte dennoch selbst was rauszukriegen
  • Gesundheitsamt E-Mail geschrieben – keine Antwort
  • Gesundheitsamt nach Ewigkeiten telefonisch erreicht – Ich notiere nur Name und Telefonnummer, kann nix zu sagen, bin hier nur abgestellt, irgendwann kriegen Sie Rückruf, keine Ahnung wann. (4 Tage aktuell noch keine Rückmeldung)
  • 116117 – Wir wissen auch nix, was wir Ihnen sagen können. Keine Ahnung wo man testen kann. Rufen sie mal den Hausarzt an. Rufen Sie mal das Gesundheitsamt an. Bei einem weiteren Problem versucht 3 Tage danach erfolglos zu erreichen.
  • Krankenkasse – Wir wissen auch nix, was wir Ihnen sagen können, telefonieren Sie doch mal alle Ärzte der Umgebung ab, ob irgendwer testet.

Jo… spannend…. keiner weiß was und davon viel…. möglicher Infizierter sitzt dann hoffentlich brav daheim….wobei sagt ja keiner er muss daheim sitzen…kann er ja noch einkaufen gehen…. Niemand ist wirklich zuständig oder erreichbar. Es bleiben Fragen über Fragen.

Genial fand ich die Anweisung: Wenn Fieber kommt, keine Hausarztbesuche, nicht ins Krankenhaus gehen sondern die 116117 anrufen. Diese ist jedoch seit TAGEN überlastet und wirft einen rigeros aus der Leitung mit dem Spruch „Versuchen Sie es später nochmal“, wie wäre das denn dann im Ernstfall? Und den hatte ich zwei Tage später und erreichte weiterhin niemanden…. Mit viel Glück konnte ich in einem Krankenhaus eine Internistin sprechen, die mir Anweisungen gab, wann ich ins Krankenhaus kommen muss. Dabei ging es um die Impfreaktion zu der ich gleich noch kommen werde.

Ich begrüße Schließungen von Kindergärten und Schulen, aber BITTE eine einheitliche Zuständigkeit und Erreichbarkeit in angemessener Zeit oder flotte Rückmeldungen und ein allgemein gültiger Ablauf wäre mehr als wünschenswert!

Die einzige Nummer, die wirklich minimal ein wenig sagen konnte, war die Info-Hotline der Region Hannover. Diese findet Ihr hier. Wobei auch diese bereits alle von mir ausgeführten – erfolglosen – Schritte vorab angab.

Gegen den Virus anwaschen – ich bin vorbereitet – Galgenhumor muss sein.

Warum wir überhaupt als Verdachtsfall galten? Weil mein Mann das Wochenende vorher auf der gleichen Party im VIP Bereich wie der nachweislich infizierte Hannover 96 Spieler war und eine Person die mit war danach Anzeichen für eine Infektion zeigte. Nach 2,5 Tagen waren wir dann aber vom Verdachtsfall befreit, denn derjenige mit Anzeichen wurde negativ getestet. Somit durften wir wieder raus. Wobei ich mich immernoch frage, wie derjenige das mit dem Testen hinbekam….

Was ich aber Positives in den Tagen erlebte:

Mehrere Freunde fragten mich direkt, ob sie was für mich einkaufen sollen. Die Apotheke lieferte ohne Bezahlung mir Augentropfen und legten sie vor meine Wohnungstür. Ich hab nach einer Augentropfenbehandlung mit Cortison (Eine Folge der Fieberzeit, dass mein Immunsystem mein eigenes Auge angriff) einen Druck auf dem Auge weil es durch das Cortison zu trocken ist. Die Apotheke sagte schlicht, ich soll einfach die Tage jemanden zum Bezahlen schicken. Der Zusteller brachte mir auf Zuruf von sich die Post hoch und legte sie vor meine Tür, denn zum Briefkasten darf man in Quarantäne nicht. Ich hatte ihm nur zugerufen, sie auf die Treppe zu legen, damit mein Nachbar sie mitbringen kann, weil wir nicht raus dürfen. Fand ich hyper nett von ihm.

Meine Jungs waren ganz traurig, dass ihre Freundin und Cousins und Cousine nicht kamen und auch sonst keiner. Also begab ich mich in die Küche und machte einen Käsekuchen für uns. Damit stieg die Laune der Kids radikal an und wir begaben uns dann auch noch einmal auf den Spielplatz, der gerade erst neu eröffnet wurde. Dort spielten sie mit zwei fremden Kids und hatten jede Menge Spaß. Aber es ist wahrlich schwer sie von abzuhalten sich ins Gesicht zu fassen – doch ich bemühte mich….
Meine Ma brachte heute dann noch meinen geliebten Kartoffelsalat vorbei, den ich jetzt nicht mit Gästen teilen muss. 😀 Ich werde so einen Kartoffelsalat overload haben…. er wird mir aus den Ohren rauskommen….

Meine Impfreaktion

Ich war dem Ruf gefolgt und ließ mich noch impfen. Mit Diabetes gehörte ich zur Risikogruppe und da sorge ich lieber vor – soweit ich es kann. Dem Virus stehen wir sozusagen machtlos gegenüber, aber mit solchen Dingen wie sich impfen lassen gegen zusätzliche Gefahren, Hände waschen und einen KLEINEN Vorrat anlegen, übernehmen wir zumindest zu einem winzigen Teil die Kontrolle. Was auch die Psychologie der Hamsterkäufe erklärt, wobei da die Kontrolle etwas außer Kontrolle gerät….

Nun denn die Herpes-Zoster Impfung machte mir Probleme. Der Arm tat weh und es gab nen tiefroten Fleck. Ok – alles noch im Rahmen. Doch der Fleck wuchs, die Schmerzen blieben und ich bekam das Gefühl eines Muskelkaters rund um meinen Brustkorb und in der Achsel und mein Arm fühlte sich seltsam an. Der Fleck wurde heller aber immer größer bis er 1/3 meines Oberarms bedeckte. Sonntags sprach ich dann telefonisch mit einer Ärztin im Krankenhaus und heute mit meinem Hausarzt. Ja es ist eine heftigere Impfreaktion, aber noch immer im Rahmen. Das beruhigte mich jetzt dann doch. Es ist schon etwas ängstigend, wenn man eine Impfreaktion hat, die einem ein Stahlband um den Brustkorb legt, während eine Lungenkrankheit die Welt in Atem hält…. Dennoch bereue ich die Impfung nicht, denn was die Krankheit, vor der sie schützen soll, auslöst…. danke nein. Ich verzichte gern und ich hatte die Windpocken definitiv. Als ich 17 Jahre alt war….während des FKK Urlaubs…. hört mir auf…. das war KACKE….. wahrlich fies…. ich hatte sie nämlich richtig richtig stark….eine miese juckende Erkrankung…. da brauche ich dann bitte keine Reaktivierung im Alter….

Was es sonst noch zu berichten gibt?

Nicht viel. Die Kinder halten mich auf Trab. Sie lieben derzeit Bügelbilder und sogar mein Mann und ich saßen gestern Abend im Wohnzimmer und machten für sie Ninja Bügelbilder. Was eine Freude heute morgen sag ich Euch….

Windeln gibt es hier ebenfalls schon längere Zeit nicht mehr. Seitdem die chronische Verstopfung dank Medikation behandelt wird, wurde der Kleine in Riesenschritten trocken. Nachts war er ja davor schon ewig trocken, aber nun klappt es auch tagsüber und das ohne große Unfälle. Ich bin so begeistert, wie entspannt es doch alles lief.

Den Jungs geht es soweit gut. Basti war sogar das allererste Mal allein auf einem Kindergeburtstag eines Kindergartenfreundes. Alex hingegen musste den Wegzug einer Kindergartenfreundin verkraften, die mit ihrer Mama auch mal zum Spielen bei uns war.

Beide Jungs waren auch bei der Schuluntersuchung und beide sind schulreif. Alex ist zwar unruhig und leicht ablenkbar, aber kognitiv sehr fit. Auch Basti ist kognitiv gut dabei und beide könnten in die Schule gehen. Wir haben sie dennoch ein Jahr zurück gestellt, was als Flexi Kids ja easy ging. Sie sind erst 109 cm groß – alle beide. Und beim Malen müssen wir noch etwas üben. Allgemein sollen sie ruhig noch ein Jahr reifen und spielen, das schadet nicht. Die Schulärztin findet beides ok, von daher genießen wir somit noch ein Jahr ohne Schulstart.

Habe ich noch was vergessen zu berichten? Bestimmt, aber ich bin ja nun viel daheim und kann immer mal wieder schreiben. 🙂

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