Oma ist wieder daheim

571536_web_R_K_B_by_Gerd Altmann_pixelio.deAm Sonntag holten wir Oma aus dem Pflegeheim ab. Meine Ma und ich sind zu Fuß hingegangen. Oma hatte uns schon erwartet. Wir fanden sie im Flur vor ihrem Zimmer rumlaufen. Wir wurden sofort angemotzt, dass wir zu spät seien. Wir hätten um 18 Uhr da sein sollen. Dabei war abgesprochen dass wir um 19 Uhr sie abholen, da es um 18 Uhr noch Abendbrot gibt. Abendbrot hat sie übrigens dort gegessen. Sie bestand aber darauf dass sie keine Brote bekommen habe und noch nix gegessen habe. Genau wie sie es auch bei uns daheim immer behauptet. Die Schwester machte ihr einfach noch 2 Brote und brachte noch einen Joghurt dazu und gab es ihr als Mitnahmepaket in die Hand. Da freute sich Oma.

Meine Ma schaute nochmal im Zimmer alle Schränke durch ob Oma nicht irgendwas vergessen habe. Vergessen hatte Oma in den Schränken nichts, aber mehr eingepackt als sie hätte tun sollen….. aber dazu komm ich noch. Oma regte sich furchtbar auf dass meine Ma eine Tüte noch mit in den Koffer packte und die Schränke durchguckte. Ich verzog mich mit der Pflegerin ins Schwesternzimmer um die Medikamente und Omas Geldbörse abzuholen. Geld aus der Börse war bis auf 1 Euro rausgenommen und 2 Quittungen für Frisör und Fußpflege war stattdessen drin. Genau wie abgesprochen. Sehr gut.

Die Dame sagte mir dass Oma sich gut verhalten habe. Aber seit 3 Tagen habe sie jeden Tag mehrfach den Koffer ein und wieder ausgepackt. Und sie habe sie allein am Sonntag 6 Mal im Haus irgendwo aufgegabelt weil Oma nicht mehr wusste wo sie war. Oma fand allein nicht den Weg zurück zu ihrem Zimmer und wollte auch am Sonntag schon mittags wieder abhauen. Die Damen hatten sie gerade vor der Tür erwischt. Aber Oma hatte sich gut eingelebt, sie hatte tags vorher sogar eine andere Bewohnerin auf deren Zimmer besucht.

Oma ist nun auf der Warteliste für dies Heim aber es wird angeraten Oma woanders unterzubringen. Die Weglauf-Tendenz würde mit der Zeit sicher noch schlimmer werden und dafür sind sie nicht geeignet.

Nun habe ich mit 3 weiteren Heimen Kontakt aufgenommen. Eines ist städtisch und in sich abgeschlossen. Die anderen beiden sind nicht abgeschlossen. Eines arbeitet mit Armbändern welche Alarm auslösen wenn jemand durch die Tür geht und das Andere arbeitet mit Chips in den Schuhen, die ebenfalls Großalarm auslösen. Das in sich geschlossene Heim ist ein Demenzprojekt. Die mit den Armbändern haben eine spezielle Demenzstation. Das Heim mit den Chips haben keine spezielle Demenzstation aber haben Fachkräfte die speziell für demente Personen ausgebildet sind. Alle machen vom Sprechen her bisher einen guten Eindruck. Bei 2 der Heimen wäre sogar sofort ein Platz frei, was aber für uns noch nicht in Frage kommt. Aber Oma wird im November definitiv wieder zur Kurzzeitpflege gehen jedoch dann in eines der anderen Heime.

534064_web_R_K_B_by_Gerd Altmann_pixelio.deZurück zu Oma. Oma und meine Ma waren mittlerweile mit den Koffern fertig und warteten vor dem Schwesternzimmer. Oma begann schon zu fluchen wie lange ich brauchen würde, was ich da zu besprechen hätte…. ich bin dann raus und mit Oma heim. Der Aufenthalt für 15 Tage hat übrigens 571 Euro gekostet. Heftig viel Geld….. Aber für Probewohnen ist es gut investiert und wir müssen schließlich auch mal durchatmen.

Meine Ma ist mit dem Rollator und dem Koffer und den Plastiktüten, irgendwie hatte Oma mehr als wie zu dem Zeitpunkt als wir sie hinbrachten mit,  vorgegangen. Ich ließ mir mit Oma viel Zeit. Sie saß im Rollstuhl und ich fuhr sie. Ich ging besonders langsam und machte noch eine Extrarunde zum Spielplatz. So hatte meine Ma Zeit die Sachen hochzutragen (mein Mann half daheim) und konnte schon alles was nicht Oma gehört aus dem Koffer entfernen. Oma ist halt doch eine diebische Messi-Elster.

Sie hatte mehrere Zeitschriften mitgehen lassen, Handtücher, Waschlappen, Stapel Servietten, 3 Joghurts (WTF?), 6 kleine Marmeladen, 6 kleine Honig, 1 Nutelladöschen und 1 Glasschale und 3 Becher.

Die Handtücher und das Geschirr müssen wir nun noch wieder hinbringen.

Daheim wollte Oma dann erstmal nicht ins Bett. Wir saßen dann noch bis 21:30 Uhr zusammen. Oma war wütend dass wir den Koffer auspackten. Sie wollte ihren Sohn anrufen, tat sie auch und erzählte sie sei zurück aus dem Krankenhaus und sie müsse im November nochmal zu Untersuchungen hin. Da merkte ich deutlich wie verquer sie Gespräche aufnimmt.

Der nächste Tag

Am nächsten Morgen wurde ich um 7 Uhr vom Telefon geweckt. Es klingelte 3 Mal und dann war keiner dran. Ich zog mir was über und flitzte zu Oma. Sie saß in der Stube und blätterte in ihrem Telefonbuch. Sie war von ihrer Wohnung, dem Telefonbuch, von allem überfordert. Sie fragte wie sie was zu Essen bekäme und dass sie nun erstmal einkaufen gehen müsse. Sie hatte sich selbst angezogen und sah aus wie eine Zigeunerin. Bunter dünner Rock, schwarze Söckchen türkisfarbener Wollpullover. Einlage vergessen und beklagte sich ihr sei kalt. Meine Ma hatte abends die Kleidung rausgelegt aber die hat Oma ignoriert und sie lieber im Kleiderschrank versteckt. Wir gingen also auf die Suche nach der einzigen noch sauberen Hose. Immer die schimpfende Oma hinter uns die meinte, sie habe keine Hose weggepackt. Aber Oma war schnell zu beruhigen. Immerhin. Sie wurde dann abgeholt und war bei der Tagesbetreuung.

593549_web_R_K_B_by_Gerd Altmann_pixelio.de

Am Abend rief sie ihre Schwester an und wollte ihr erzählen wie toll es gestern in der Stadt bei der Messe gewesen sein. Meine Ma und ich sahen uns fragend an. Was Oma da erzählte muss eine Erinnerung aus früheren Jahren gewesen sein. Sie ging früher immer zur Hausfrauenmesse mit ihrer Schwester zusammen.

Auch hat Oma wieder den Tick dass sie unbedingt zum Zahnarzt wolle. Ihr sei unten ein Zahn abgebrochen. Laut Zahnarzt hat sie unten aber gar keinen Zahn  mehr. Oma versteht es nicht. Wir können nur ablenken.

Sie fing gestern auch wieder mit ihrer Tür an. Sie wolle ihre Schlafzimmertür wieder haben. Und der Flur müsse renoviert werden und am besten schon vorgestern.

Ich fühlte mich in einer Zeitschleife gefangen. Und sie würde ja nun 91 behauptete sie und ich sei schon 40. Himmel, seh ich so alt aus?

Sie ist auf jeden Fall sehr verwirrt aber dennoch umgänglich. Gespräche machen fast schon Spaß mit ihr weil man sie jetzt wirklich auch mal flott ablenken kann und sie dann wieder friedlich ist. Mal sehen ob es nur eine Phase ist oder so bleibt.

2 thoughts on “Oma ist wieder daheim

  1. Hallo Conny, wäre das für Euch nicht auch besser und für deine Oma,wenn Ihr den freien Platz in Heim nehmen würdet? Kenne die Belastung selbst und auch von der anderen Seite (Pflegebereich),oder warum wollt Ihr noch nicht.Hast du Angst oder Ihr dann ein schlechtes Gewissen?LG und viel Kraft und Nerven weiterhin Sandra

  2. Hi Sandra,
    die Wartelisten sind meistens lang. Abgesehen davon, noch kommen wir mit ihr klar. :) Wir haben unsere Grenzen gesteckt und wenn es da dran geht, wird ein Umzug ins Heim anstehen.
    Aktuell schauen wir uns Heime an und machen mit der Kurzzeitpflege auch Probewohnen. So sehen wir wo sie gut klar kommt oder nicht. So erfuhren wir dass das zuerst ausgesuchte Heim nicht für sie geeignet ist.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.